Angriiiiiiiiiiiiff!

Volle Fahrt voraus auf dem Eisbären-Kreuzfahrtschiff! Auf der Kommandobrücke tummeln sich die Finkelsteins, Byrons und Ronnings bereits, um zu verhindern, dass man auch kommende Saison nur knapp am Eisberg vorbeischrammt. Stattdessen soll es wieder Richtung Goldschatz gehen, der mutmaßlich irgendwo zwischen Berlin, München und Mannheim vergraben ist.

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(Foto: City Press)

Genug der Metaphern, Zeit für Tacheles. Berlin bläst zum Angriff. Richtig so, denn die letzte Saison war für alle Beteiligten schrecklich. Die DEL-Saison 22/23 schrieb natürlich trotzdem eine besonders Geschichte, die Eisbären haben in den Playoffs aber absolut gefehlt. Ingolstadt stach hinein in die Schwäche der Haupt- und Quadratestädter. Eine schöne Geschichte, die sich aus Berliner und Mannheimer Sicht so aber auf keinen Fall wiederholen soll.

Deshalb war man bereits in den frühen Monaten des Kalenderjahres 2023 sehr aktiv. Die Eisbären sicherten sich frühzeitig in Freddy Tiffels und Tobi Eder zwei der besten deutschen Stürmer für die mutmaßlichen Reihen zwei und drei. Denn eines ist ja auch klar: Blaine Byron wird natürlich wieder zwischen Marcel Noebels und Leo Pföderl rücken. Oder, Serge Aubin?

Käme es so, wäre neben Tiffels Platz für Zach Boychuk und Ty „Surprise, Surprise“ Ronning, den man einfach mal Mannheim und weiteren europäischen Schwergewichten vor der Nase wegschnappte. Eder wiederrum könnte eine dritte Reihe mit Patrice Cormier und Lean Bergmann bilden. EINE DRITTE REIHE! MIT EDER, CORMIER UND BERGMANN! Wenn dieser Satz kein Meister-Schlachtruf ist, dann weiß ich auch nicht mehr.

Ähnliches gilt übrigens für die Verteidigung. Julian Melchiori enttäuschte in seiner ersten Eisbären-Saison vor allem offensiv. In Ben Finkelstein könnte man einen passenden Partner gefunden haben, der die Offensive übernimmt. So kann Melchiori das machen, für was er ursprünglich mal ausgebildet wurde: verteidigen. Morgan Ellis ist gesetzt, unter Eric Mik, Kai Wissmann, Jonas Müller und Marco Nowak dürfte ein Kampf um die verbleibenden Line-Up-Plätze entfacht werden. Wissmann zeigte bei der WM, dass er in Nordamerika unter Wert verkauft wurde. In einer funktionierenden Mannschaft ist er zweifellos einer der besten deutschen Defender der Liga.

Bevor ich mich zu sehr in Lobeshymnen auf die Berliner Mannschaft verstricke: Es gibt auch Problemstellen. Die U-Positionen sind meiner Meinung nach beispielsweise nicht so stark besetzt wie an anderen Standorten. Das viel größere Fragezeichen stellt sich mir aber im Tor. Um das vorneweg klarzustellen: Jake Hildebrand sehe ich nicht als Problem an. Er hat seine DEL-Tauglichkeit bewiesen. Im Trio mit Nikita Quapp und Jonas Stettmer, beide hochtalentiert, wird Hildebrand aber erneut viel spielen müssen. Für mich ist es eine unglückliche Zusammenstellung, die – und das ist das Problem – erneut ein Risiko darstellt. Das Tor war schon letzte Saison eine Baustelle. Für mich unverständlich, dass diese nicht vollumfänglich geschlossen wird.

So oder so: Berlin ist wieder ein Meisterkandidat. Den Haupstädtern wäre es zu gönnen, wenn sie nach der schwierigen Saison und dem Festhalten an Aubin wieder eine Erfolgswelle reiten könnten. Bleibt zu hoffen, dass Tiffels, Ronning und Finkelstein wissen, wie man das Steuerrad des Luxus-Dampfers benutzt.
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Simon Rentel