Athletiktrainer: unterschätzt und doch so wichtig!

Wenn man sich mit Giovanni Willudda über Eishockey unterhält, dann merkt man förmlich den Stolz und die Dankbarkeit in jedem seiner Sätze. Willudda lebt seinen Traum. Einst in der Fankurve im Stadion am Pulverturm stehend, geht der 39-jährige gebürtige Straubinger nun in seine sechste Saison als Athletiktrainer bei den Tigers. Wir haben uns mal mit ihm unterhalten, wieso der Sommer für Eishockeyspieler so wichtig sind und wieso Yoga mittlerweile eine Rolle dabei spielt.

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(Foto: Stefan Ritzinger, rs-sportfoto.de)

„Eishockeyspieler werden im Sommer gemacht.“ Dieser Satz bleibt mir nach dem Gespräch mit Willudda direkt in Erinnerung. Ich muss länger darüber nachdenken, auf welchen Ebenen der sympathische „Mischling“, wie er sich selbst beschreibt (Deutsch-Italiener), das genau meint. Schließlich muss ich ihm aber vollauf recht geben.

Vor zwei Wochen haben die meisten Vereine aus der DEL ihr Sommertraining aufgenommen. Neben den obligatorischen Laktattests, stehen eine Reihe weiterer Tests an, heutzutage mit modernsten Methoden und vor allem perfekt ausgebildeten Coaches. Im Allgemeinen habe sich auch das Sommertraining im Eishockey „schon sehr verändert“, so Willudda. Neben harten, schweißtreibenden Einheiten steht auch viel Belastungssteuerung, Regeneration und eishockeyspezifische Grundlagen auf dem Programm. Dabei wird auf Schnellkraft, Sprungkraft oder auch Beweglichkeit geachtet. „Was soll ich einen Eishockeyspieler 60 Minuten durchgehend laufen lassen?“, scherzt Willudda, wenngleich er anfügt, dass eine große Ausdauer später in der Saison von großem Vorteil sein wird. „Es ist schon alles schneller, technischer und taktischer geworden.“

Eines ist ihm noch wichtig: „Der Spaß darf nicht zu kurz kommen. Wir spielen im Sommertraining auch oft Fußball, Basketball oder Floorball. Mit Spaß trainiert es sich ein wenig leichter. Profis sind sie alle genug und wissen worauf es ankommt.“

Eine weitere Alternative hat Willudda ins Straubinger Sommertraining in diesem Jahr zum ersten Mal mit eingefügt. Auch wenn ich es mittlerweile schon des Öfteren gehört habe, überrascht es mich dennoch ein wenig. Zumindest anfangs. Yoga steht jeden Mittwoch bei den Niederbayern auf dem Programm. „Yoga ist optimal zur Dehnung, für die Beweglichkeit. Aber vor allem um mal zur Ruhe zu kommen. Im Körper, aber auch im Kopf. Denn Eishockeyspieler haben oftmals mehr Druck als es vielleicht von außen gesehen und wahrgenommen wird.“

Es gibt im Eishockey-Profibereich hauptsächlich drei Varianten wie sich der Athletiktrainer im Coaching-Staff eingliedert. Nicht so häufig ist dabei die Variante, dass der Trainer sein eigenes Gewerbe besitzt und dabei eine Rechnung gegenüber dem jeweiligen Verein stellt. „Hauptsächlich“, so Willudda, „sind die Athletiktrainer fest im Verein angestellt oder es ist eine Allout-Variante, bei dem der Trainer in einer Agentur arbeitet, die dann vom Verein gebucht wird.“ So bleiben die Vereine flexibel und bekommen selbst bei einem Ausfall sehr fix einen Ersatzmann. In der DEL, so schätzt er, dürfte sich die letzten beiden Varianten mit 50/50% die Waage halten.

Nicht nur im Sommer, sondern auch und vor allem im Winter ist der Job des Athletiktrainers wahnsinnig wichtig. So stehen bei den meisten Vereinen die Wochenpläne weit im Voraus fest, dem Spielplan optimal angepasst. Hier zeigt sich der Athletikcoach unter anderem für die Krafteinheiten, Mobilitäts- und Regenerationseinheiten sowie die Trainings nach (!) den Spielen verantwortlich. Auch die Anzahl und Häufigkeit von Verletzungen lassen sich auf sein Training zurückführen. Ihr seht, dieser Job ist mit Sicherheit einer der wichtigsten in der Eishockey-Branche, wenngleich auch sicherlich einer der am unterschätztesten in der Öffentlichkeit. Nicht nur, aber auch deshalb wird an einem DEL-Standort wie Straubing jetzt Geld in die Hand genommen, um Willudda einen Kraftraum zur Verfügung zu stellen, der als erstligatauglich bezeichnet werden kann. Aktuell steht ihm lediglich ein Container zur Verfügung, der mit viel Equipment vollgestellt ist. „Wer in der Kindheit Tetris gespielt hat, der hat jetzt einen Vorteil“, lacht er. „Ich freue mich auf den neuen Kraftraum“, fügt er hinzu und man merkt wieder, wie der Fan in ihm durchkommt. In einem der wichtigsten Funktionäre einer Eishockeymannschaft. Schließlich werden im Sommer die Eishockeyspieler gemacht.

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Max Ostermaier