Community-Blog: Fantypen

Wir kennen sie alle: Die verschiedenen Fantypen in unseren Eishallen!

Vorlage Blogbild Kopie

(Foto: City-Press)

Der Merchandiser

Man erkennt sein Auto schon auf dem Parkplatz. Mini-Trikot, Stoff-Maskottchen und das Logo auf der Heckscheibe. Der Merchandiser möchte Farbe bekennen. Im Kofferraum die ersteigerten Gameworn-Jerseys der letzten zwölf Spielzeiten, die eigene Bude zum Fanshop umgestaltet. Selbst der Hund wird für die Instagram-Story in Vereinsfarben geschmückt. Auch die Weihnachtsdeko von Mutti muss am Baum der Kugelpracht in Clubdesign weichen. Oh, du Grässliche!

Der Spielerfreund

Trägt gerne die exklusive Teamwear auf, die er einem Spieler bei der Saisonabschlussfeier über Stunden abgeschwatzt hat. Kommentiert in der Kurve so ziemlich jede Aktion lauthals und spricht dabei die Spieler mit Vornamen an, um seine private Beziehung für alle Umstehenden zum Ausdruck zu bringen. Abgerundet wird der Spieltag mit einer persönlichen Geste Richtung Team bei der Ehrenrunde und einem Bild auf Instagram mit seinem Lieblingsspieler auf dem Parkplatz danach. Einfach toll, solche Freunde zu haben.

Der VIP` ler

Kommt rechtzeitig zur Stadionöffnung, um kein Schmankerl am Buffet zu verpassen. Schmückt seinen Hals mit dem Polyester-Fanschal vom Sponsor, bevor es zwei Minuten vor Bully mit Champagner im Plastikbecher und Klatschpappe Richtung Sitzplatz hinter der Spielerbank geht. Seine Begleitung fragt während des ersten Powerbreaks, ob es normal ist, dass so oft gewechselt werden darf und ob wir die Mannschaft in den hellen Trikots seien. Verabschiedet sich dann wiederum zwei Minuten vor Drittelpause zurück in seine Loge, um schnell den Zwischengang zu verschlingen damit noch genug Zeit bleibt, Networking mit den Altunternehmern der ansässigen Sponsoren zu betreiben. Das dritte Drittel wird dann meist gemütlich am TV geschaut, da man die Pannacotta-Gläser nicht mit in den Innenraum nehmen darf.
Sein Highlight ist der Smalltalk mit den Spielern nach deren Kabinengang, wo er sich nach fünf Weißbier mit Sätzen wie „mega cool hast du den Ball in den Knick geluppt“ in den Abend verabschiedet.

Der Grantler

Man erkennt ihn bereits am ungesunden Schnaufen am Ende der Schlange des Ticketschalters - 90 Minuten zum Anfangsbully - 160 Puls.

Endlich durch die Sicherheitskontrollen, bei denen er die ersten Freundschaftsanfragen an die Gästefans neben ihm verschickt hat. Schweißgebadet geht es in Richtung Imbiss, wo er mit Erschrecken feststellen muss, dass man nur noch mit Stadionkarte zahlen kann und seine geliebten Chilliwürste zur neuen Saison aus dem Sortiment genommen wurden. Auf den Schock erst einmal zwei Goaß - 45 Minuten zum Anfangsbully, 180 Puls.

Das Spiel beginnt. Nach den ersten beiden Wechseln werden die Aktionen seines Teams mit den Worten „Wir spielen schon wieder den gleichen Schei** wie letztes Jahr“ gewürdigt. Die neuen Sitznachbarn unterhalten sich über Fußball. In seinem Kopf ein Handgemenge - 220 Puls.

Nachdem sein Lieblingsschiri aka “der Blinde“ das ganze Spiel verpfiffen hat und das Auftaktspiel ohne eigenes Tor vor heimischer Kulisse verloren wurde, wird auch noch der Bus nach Hause um eine Minute verpasst. Stille. Nächstes Jahr kauf ich mir keine Dauerkarte mehr - 280 Puls.

Der Stille Genießer

Seit 15 Jahren Dauerkarte, aber niemand kennt seinen Namen. Kommt kurz nach Warm-Up in die Halle und nimmt stoisch seinen Sitzplatz ein. Alles zu laut, alles zu viel. Aber er kann nicht ohne seinen Club. Geklatscht wird aus Prinzip nicht. Es wird sich nur erhoben, wenn durch die jubelnden Fans in den Reihen davor die Sicht aufs Eis versperrt wird. Getrunken wird - stilles Wasser. Wenn das Spiel frühzeitig entschieden wird, verlässt dieser Fan auch gerne einmal zehn Minuten vor Ende die Halle. Der Rest des Spiels wird der Lokalzeitung am nächsten Morgen entnommen. Ohne Emotionen, das Leben ist schön.

Der Hockey-Tourist

Meist zu spät, oft in großen Gruppen, sehr oft im falschen Block. Die Hockey-Touristen, sehr oft Studentengruppen, bestechen durch Unwissenheit in Regelkunde, Kader und Timing für Toilettengänge. Der absolute Horror für jeden eingefleischten Edel-Fan, welcher bereits einen halben Meter seines Stammplatzes für die Weltenbummler aufgegeben hat und diese dafür ununterbrochen mit argwöhnischen Blicken und lautem Ausatmen straft.

Die Oben-Ohne Fraktion

Herz der Kurve, die Ultras. Stecken jede freie Minute und jeden Cent in Choreos, Banner, Fahnen und sonstiges Equipment. Sind auch an einem Dienstagabend am anderen Ende der Republik im Gästeblock zu finden. Werden nicht von allen Fangruppen gern gesehen, da ein kleiner Teil zuweilen eine gewisse Abneigung gegenüber staatlicher Vollstreckungsbeamten an den Tag legt. Sektion „gegen alle Stadionverbote“, Fraktion „Oben Ohne“, nennt Sie wie ihr wollt. Ohne diese Gruppe wäre unser Sport nicht derselbe, DANKE!

Der Ur-Fan

Betritt „sein Wohnzimmer“ wie ein stolzer Gockel, jeder kennt ihn, jeder liebt ihn. Das Maskottchen mit Bratwurstsemmel. So tief verankert im Verein, dass alle Spieler und Verantwortliche im Club ihn kennen. Ob mit Trompete oder Glocke in der Hand, einem Hut auf dem Kopf oder Schminke im Gesicht, auffälligem Anzug oder Tanzeinlage, der Ur-Fan gehört zum Verein wie das Eishockey in unser aller Leben. In diesem Sinne, auf eine geile neue Spielzeit. Denn am Ende gilt für uns alle:

In den Farben getrennt, in der Sache vereint.

_

Hinweis des Autors: Zum Vereinfachten Lesen des Textes wurden die fiktiven Personen in maskuliner Form verwenden. Selbstverständlich können diese Personen jedes beliebige Geschlecht bekleiden.
_
Andreas Münzker