Community-Blog: Tiger, die über Landesgrenzen begeistern
Die Europapokalreise 2022 aus der Sicht eines Straubing-Fans.

Mitten in Ostbayern, in der schönen niederbayerischen Herzogstadt Straubing an der Donau wird seit über 80 Jahren der Eishockeysport gelebt und unweit des Pulverturms wurden und werden Eishockeyteams aus ganz Europa gern einmal in die Schranken gewiesen. Wait? Aus ganz Europa? Meine ich jetzt den Gäubodenvolksfest-Cup, zu dem im letzten Jahr beispielsweise Lugano angereist ist? Straubing ist doch „nur“ eine Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern, wer kommt da schon international zum Eishockey spielen hin!?
Doch alles ist anders seit der Saison 2022/23 - plötzlich geben sich der schwedische Meister Karlstad und der CHL Rekordsieger Frölunda Gothenburg am Pulverturm die Klinke in die Hand. Die heimischen Fans in und aus der Westkurve zaubern sowohl in Straubing als auch in den anderen internationalen Städten eine Choreografie in die Fankurve, die beeindruckt. In der Stadt hat man schon weit vor den Spielen eine große Begeisterung für die Champions League hören und sehen können, die Königsklasse wurde in der Herzogstadt wie ein König aufgenommen.
Begonnen hat die ganze Euphorie mit einer großen Ernüchterung. In der Saison 2019/20 wurde auf sensationelle Art und Weise die Champions-Hockey-League-Qualifikation geschafft. Doch dann kam der März 2020 und mit dem weltweiten COVID-Ausbruch der Abbruch des Spielbetriebs im deutschen Eishockey vor den Playoffs und im weiteren Jahresverlauf die Absage der international ausgetragenen Champions Hockey League. Ein Schlag ins Gesicht für die Eishockey-Fans des EHC Straubing. Im folgenden Jahr konnte nach dem Viertelfinalaus gegen Mannheim die Qualifikation nicht wiederholt werden - doch in der Saison 2021/22 war es wieder soweit: Die Straubing Tigers schafften durch das Erreichen von Platz vier die Qualifikation für die Champions Hockey League - ja, Platz vier hat Gott sei Dank noch gereicht. Dadurch, dass die Pandemie immer weiter zurückging, war die Hoffnung groß, nun endlich wirklich internationales Eishockey in Straubing zu erleben- was dann auch geschah. Die Euphorie war, wie bereits beschrieben, in der gesamten Fangemeinde sehr groß. Viele fieberten auf die Gruppenphase hin und buchten sich zum Teil Flüge und Busse nach Krakau, Karlstad und Villach. Für die Heimspiele wurden von der Szene Straubing, den Jungs und Mädels aus der Westkurve, mehrere aufwendige Choreografien gebastelt. Es konnte also endlich losgehen!
In der Gruppenphase wurden sportlich sämtliche Erwartungen übertroffen - in der Gruppe mit Karlstad, Krakau und Villach Gruppensieger zu werden, hat wirklich niemand nüchtern vorher so erwartet. Es ging also weiter - diesmal nach Göteborg zum Rekordsieger der Champions Hockey League! Ein beeindruckendes Erlebnis, bei dem ich selbst mit dabei war. Das Spiel war leider nicht im Scandinavium, der großen, modernen Heimspielstätte vom Frölunda, sondern in der altehrwürdigen Frölundaborg, die nicht einmal ansatzweise ausverkauft war. Doch das und auch die hohe und verdiente 4:0-Niederlage tat dem Erlebnis für die mitgereisten Tigers-Fans keinen Abbruch. Bis weit nach Spielende wurde der EHC Straubing von seinen Anhängern gefeiert, sodass wiederum die Heimfans begonnen haben, dem Gästeblock mit Applaus Tribut zu zollen. Alles in allem ein tolles Erlebnis!
Das vorläufige Ende der Europapokal-Traumes war mit Abpfiff des Rückspiels besiegelt. Die Hypothek aus dem Hinspiel war schier zu groß und doch konnte man die Startruppe aus Göteborg beim 2:3 des Rückspiels nochmal gehörig nerven.
In der Schlussphase der DEL-Saison reichte es wieder zu Platz vier, was jedoch durch eine Reform der CHL nicht mehr zur Qualifikation genügt. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieser geile Verein für diese Stadt und diese Fans wieder einmal in die Königsklasse des europäischen Eishockeys kommt. Verdient hätten es alle Beteiligten - vielleicht ja schon 2024 wieder?!
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Christian Haas - Eisblog-Community
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