Community-Blog: Ultras - ein Plädoyer

Fantakids? Randalemacher? Unruhestifter? – diese und viele andere Worte habe ich im Bezug auf Ultras im Eishockey schon mehrfach gehört.

Doch steckt da nicht viel mehr dahinter? Ich finde schon!

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(Foto: City-Press)

Fangen wir mal vorne an:

Mir ist bewusst, dass es viele, sicherlich berechtigte, Kritikpunkte am Verhalten von Ultras gibt - insbesondere beim Thema Gewalt muss das Verständnis aufhören. Nichtsdestotrotz möchte ich mir einen Stadionbesuch gänzlich ohne Ultras und das, was sie mitbringen, nicht vorstellen.

Gerne versuche ich euch im Folgenden zu erklären, wieso ich so empfinde.

1. Support

Ich bin ein Fan von der koordinierten akustischen Unterstützung, die die Anwesenheit von Ultras mit sich bringt. In die selbe Kategorie fällt für mich auch die optische Unterstützung durch Fahnen, Choreografien, die nicht nur in Ultrakreisen oft staunend betrachtet werden & Motiv zahlloser Facebook-Titelbilder & Handyhintergrundbilder auch älterer Eishockeyfans sind.
Oft höre ich, dass es eine Stimmung auch ohne Ultras geben würde bzw. es solche auch gegeben hat, jedoch muss auch der engagierteste Kritiker zugeben, dass es anders war – wie man es besser findet, muss jeder für sich entscheiden.

2. Soziale Funktion

Ich vertrete die Auffassung, dass Ultragruppierungen ein wichtiger Anlaufpunkt für junge Menschen sind, die (aus welchen Gründen auch immer) ein Gemeinschaftsgefühl und/oder eine Ersatzfamilie suchen. Das „Dazugehören“ und „Mittendrinsein“, welches dort mitschwingt, hilft vielen jungen Menschen. Diese Möglichkeit als eine Art „sozialer Puffer“, würde ohne Existenz der Ultras ersatzlos aus den Eisstadien verschwinden!

3. Engagement

Ultras verstehen es oft mit beeindruckender Entschlossenheit, sich für ihre Interessen und Werte einzusetzen.
Nicht selten setzen sie sich für soziale Projekte vor Ort ein. Aber auch fanpolitische Dinge, wie bezahlbare Ticketpreise oder auch die Wahrung von (Vereins-)Traditionen haben sie sich auf die Fahne geschrieben. Mit der „Macht“ der Gruppe setzen sie sich auch für Dinge ein, von denen die Allgemeinheit (der Eishockeyfans an den jeweiligen Standorten) profitiert.

4. Fazit

Mir ist bewusst, dass das Konzept Ultras im Eishockey noch recht neu ist und sicherlich auch ein streitbares. Was mir in dem bereits häufig geführten Diskurs jedoch missfällt, sind pauschale Verurteilungen und Verunglimpfungen. Was mir dabei zu häufig vergessen wird, ist, dass die Klientel der Ultragruppierungen eher jung ist und auch wenn wir zum Teil vielleicht nicht mehr so jung sind, haben wir in unserer Jugend genügend Unsinn gemacht und trotzdem sind wir zu (hoffentlich) mündigen Bürgern der Gesellschaft geworden.

Ich würde mir daher wünschen, dass man vielleicht in Zukunft diese Diskussionen ein wenig differenzierter führt und auch lernt zu loben, wo Lob angebracht ist, ohne dabei aufhören zu müssen berechtigte Kritik zu üben. Ein weiterer Wunsch wäre, dass man wieder anfängt miteinander zu sprechen anstatt nur übereinander, damit eine vernünftige Diskussionskultur entstehen kann und beide Seiten sich aufeinander zu bewegen können.

Letzten Endes bleibt mir nur anzumerken, dass wir hier über junge Fans sprechen, die ihre Leidenschaft fürs Eishockey leben, auch wenn sie dafür zum Teil Grenzen überschreiten. Nichtsdestotrotz tragen sie für mich einen wichtigen Teil dazu bei die Randsportart Eishockey für junge Menschen interessanter und den Stadionbesuch attraktiver zu machen und das dürfte im Sinne von allen Eishockeyfans sein – weil dieser geile Sport mehr Aufmerksamkeit verdient!

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Pascal Schulz - Eisblog-Community
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