Das Leben zwischen den Ligen
Wir schreiben den 10.04.2023, an diesem Tag besiegelte der EC Bad Nauheim das Halbfinal-Aus der Kassel Huskies in der DEL2 und damit der Klassenverbleib der Augsburger Panther in der PENNY DEL. Bereits am 05.03.2023 hatten die Fuggerstädter die Saison mit 51 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz beendet.

(Foto: City-Press)
Wir schreiben den 10.04.2023, an diesem Tag besiegelte der EC Bad Nauheim das Halbfinal-Aus der Kassel Huskies in der DEL2 und damit der Klassenverbleib der Augsburger Panther in der PENNY DEL. Bereits am 05.03.2023 hatten die Fuggerstädter die Saison mit 51 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz beendet.
Etwas mehr als ein Jahr später hat sich die Situation des AEV unwesentlich verändert. Man beendete die Spielzeit 2023/24 mit mageren zwei Punkten mehr als noch in der Vorsaison, nun aber auf dem letzten Tabellenplatz. Dabei rangierten die Panther lange auf einem sicher geglaubten zehnten Platz mit einem Punktepolster von bis zu neun Punkten. Erst am 45. Spieltag übernahm man die rote Laterne und sollte diese bis zum Ende behalten. In Augsburg führt man daher erneut ein Leben zwischen den Ligen.
„Auch wenn es noch einen Funken Hoffnung auf einen DEL-Verbleib gibt, so konzentrieren sich unsere Planungen zunächst auf die DEL2“, äußerte sich der sportliche Leiter Christof Kreutzer noch vor einem Jahr, wissentlich dass es ein Drahtseilakt werden sollte, zweigleisig zu planen.
Frühzeitig wurden für die DEL2 hochklassige deutsche Spieler verpflichtet. Zudem verlängerte mit Justin Volek ein begehrter U23-Stürmer. Allesamt galten damals aber auch als PENNY DEL-erprobt und erwiesen sich in der abgelaufenen Spielzeit als weitgehend stabile Säulen. In der Defensive avancierte Mick Köhler sogar zum Nationalspieler, Mirko Sacher war der einzige Verteidiger mit einer ausgeglichenen +/- Bilanz. Auch Oldie T.J. Trevelyan konnte seine Punkteausbeute der Vorjahre deutlich steigern und ist mit seinen mittlerweile 40 Jahren schneller als so mancher Mitspieler. Einzig das Experiment mit dem hoch veranlagten aber als eigenwillig geltenden Jerome Flaake wurde nach nur zwölf Spielen beendet. Zwischen den Pfosten trug Markus Keller eine hohe Last, hielt die Panther oft lang im Spiel, statistisch rangiert das Goalie-Gespann aber im unteren Drittel der PENNY DEL.
Für Verwunderung sorgten daher die Aussage des Coaches und sportlichen Leiters bei MagentaSport nach der Niederlage gegen die Düsseldorf EG, die den sportlichen Abstieg bedeutete: „Ohne gute deutsche Spieler in der Breite“, so Kreutzer, sei es schwierig. Ein Blick auf die Importspieler zeigt jedoch, nachhaltig überzeugen konnten nur Andrei Hakulinen und Luke Esposito. Während der Finne Jere Karjalainen stark startete und dann stark nachließ, war es Chris Collins der sich zumindest langsam steigern konnte. Zach Mitchell kam mit Vorschusslorbeeren nach Schwaben und Niklas Andersen wurde aus Bremerhaven losgeeist. Beide konnten im Panther-Trikot nicht ansatzweise überzeugen. In der Defensive wog der Ausfall von Kapitän Dave Warsofsky zwar schwer, dessen Ersatz Otso Rantakari zeigte ähnlich wie Landsmann Karjalainen zunächst offensive und läuferische Klasse konnte dies aber nicht konservieren. So sind die beiden Kontingentverteidiger Rantakari und Southorn zwar die punktbesten Defensivspieler aber mit einer +/- Statistik von - 16 und - 9 bei Gegentoren häufig auf dem Eis.
Ein Blick in die Schweiz genügt, dort berichten die deutschen Kontingentspieler Michaelis und Kahun davon, dass ein Importspieler dort besonders unter Beobachtung stehe. „Du bist immer unter der Lupe, und wenn bei Niederlagen nach den Gründen gesucht wird, dann wird Kritik oft an den Importspielern festgemacht“, berichtet Marc Michaelis von seinen Erfahrungen. Auch in der PENNY DEL zeigt sich häufig an den Scorerpunkten, dass die Abhängigkeit von funktionierenden ausländischen Akteuren hoch ist.
Die Fuggerstädter befinden sich daher zwischen den Ligen und Kreutzer steht erneut vor einem Drahtseilakt – unabhängig von seiner persönlichen Zukunft. Wie vor einem Jahr wäre nahezu jeder aktuelle Panther mit deutschem Pass vermutlich ein überdurchschnittlicher Spieler in der DEL2 und damit die Basis einer erfolgreichen „Mission Wiederaufstieg“. Zudem sind vermeintlich bessere deutsche Spieler schwer zu bekommen, da die Ligazugehörigkeit bis Mitte April nicht final geklärt ist. Erneut ein Schwebezustand, der die Planung des sportlichen Leiters erschwert, genauso wie seine Aussagen nach dem womöglich vorerst letzten PENNY DEL-Spiel im traditionsreichen Curt-Frenzel-Stadion.
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Simon Rentel





