Ein Wunsch, der in Erfüllung geht
Viele Cracks aus dem Kader der Red Bulls entstammen dem Nachwuchs des EC Bad Tölz und umso schöner ist es für besagte Jungs heute in der Hacker-Pschorr-Arena aufs Eis gehen zu dürfen. Für Filip Varejcka kam es zum ersten Spiel der Pre Season und Klausi Heigl durfte wieder mitspielen, dafür pausierten Tobi Rieder, Sten Fischer und der verletzte Trevor Parkes. Auf Seiten vom HC Pardubice trafen die Red Bulls auf zwei alte Bekannte: Roman Cervenka, welchen man als Münchner aus diversen CHL-Spielen noch kannte und Andrej Sustr, der letzte Saison noch für die Kölner Haie die Schlittschuhe schnürte.

(Foto: City-Press)
Die Starting Six der Red Bulls bestand bei den Feldspielern ausschließlich aus ehemaligen Tölzern: Niederberger, Bittner, Abeltshauser, Eder, Varejcka und Ehliz. Nach knapp 90 Sekunden durfte die Powerplayunit der Roten Bullen das erste Mal zeigen, ob sich das Training bereits ausgezahlt hat. Das Penaltykilling der Mannen von Marek Zadina bleib zunächst makellos, doch die Münchner hatten durch die vier vorangegangenen Niederlagen ordentlich Wut im Bauch und einen ausgeprägten Offensivdrang. Wenn mal etwas von den Tschechen aufs Tor kam, durfte man Niederberger nicht mehr berühren, sonst gab es einen netten Schubser. Jeder Check wurde von den Bänken aus mit Schläger-Applaus belohnt. Die Stimmung in der Halle knisterte von Anfang an. So sehr die Münchner drückten, so sehr hielten die Tschechen dagegen, kamen entsprechend immer besser in die Partie und verschafften Niederberger einiges an Arbeit. Gegen Ende des ersten Abschnittes wurde es nochmal ruppiger. Auf beiden Seiten wanderten Spieler in die Kühlbox.
Im zweiten Drittel scheiterte Andi Eder im Alleingang gegen den Schlussmann von Pardubice, doch auch Niederberger ließ seine Fanghand wieder schnalzen und verweigerte eine Führung der Gäste. Kurz vor Mitte des Spiels setzte sich München für einen Augenblick fest und schnürte die Tschechen immer mehr ein, doch auch hier blieb der Torerfolg aus. Die vierte Reihe der Münchner sorgte am Mittwochabend für ordentlich Musik und erspielte sich einige Chancen, welche ohne Erfolg blieben. Nach knapp 28 Spielminuten wurde der Bann gebrochen und die Gäste gingen in Führung. Das bittere aus Sicht der Red Bulls: Man hatte zuvor wirklich gute Chancen in Führung zu gehen, doch es war wie verhext und der Puck dachte sich „Nein Pascal, ich denke nicht.“ Der Gegentreffer beflügelte die Münchner wie ein hauseigenes Gebräu. Sie bauten wieder Druck auf und feuerten aus allen Rohren. Auch auf dem Eis wurde es ruppiger und Filip Varejcka wehrte sich gegen das Malträtieren eines Gegners. Folgerichtig ging es für zwei Minuten auf die Strafbank. Direkt von der Kühlbox kommend versenkte Filip Varjecka auf Zuspiel von Neuzugang Adam Brooks die Hartgummischeibe und ließ das Publikum jubeln. Die roten Bullen ähnelten ab da einem Kind, welches zum ersten Mal Zucker bekam und mehr davon wollte. Sie drängten immer mehr auf die Führung und bekamen mehr Offensivzeit im zweiten Drittel. Pardubice nahm in Folge des anhaltenden Drucks vermeidbare Strafen (Spielverzögerung und zu viel Spieler) und bezahlte dies 39,8 Sekunden vor Ende des zweiten Drittels. Die Führung für die Roten Bullen konnte Nico Krämmer auf Zuspiel von Eder und Lancaster erzielen.
Im letzten Spielabschnitt wollte Pardubice sofort wieder eine Duftnote setzen und feuerte sofort auf den gut aufgelgten Mathias Niederberger, doch der National-Goalie ließ für den Moment nichts Zählbares zu. Im Powerplay schnürte Pardubice dann die Red Bulls dann ca. 80 Sekunden ein, ehe sie Niederberger überwinden konnten. Je länger das Drittel dauerte, desto mehr deutete sich ein Showdown an. Die Schiedsrichter wurden je länger die Partie andauerte immer mehr zum Aufreger der Fans. So kam es wie es kommen musste und Robert Kousal schoss mit ihrem überharten Einsteigen gegen Klausi Heigl übers Ziel hinaus. Das Powerplay der Münchner hatte bereits einen Erfolg erzielen können, doch die tschechische Verteidigung ließ keinen weiteren zu. Es kam wie es kommen musste und die roten Bullen durfte das erste Mal in dieser Pre Season in der Overtime ihr Können unter Beweis stellen. Erschwerend kam hinzu, dass Klausi Heigl noch für 1:25 auf der Strafbank schmoren musste. In der Overtime blockte Maxi Kastner eine Großchance der Gäste und Sekunden nach Ablauf der Strafe ging wieder der Arm eines Refs in die Luft - es gab eine diskutable Strafe gegen München in Person von Kapitän Patrick Hager. An dieser Stelle muss man aber fairerweise sagen, dass es auch für die Offiziellen noch Vorbereitung ist und diese ebenfalls erstmal den Rost des Sommers abschütteln müssen.
Die Spieler von Pardubice zogen sich das Powerplay immer wieder schön auf, München blockte mit Mann und Maus was ging, doch es reichte nicht. 2:3-Endstand und damit die fünfte Niederlage in Folge für die roten Bullen.
Nach dem Spiel hatte ich die Ehre den „Hometown-Hero“ Konrad Abeltshauser zu interviewen.
Herr Abeltshauser wie würden Sie das heutige Spiel zusammenfassen?
Abeltshauser:“ War eine ganz schöne Rumplerei, es wurden viele Checks gefahren und viel gearbeitet. Das war einfach das Spiel der Tschechen, wir haben uns am Anfang sehr gut geschlagen und im Großen und Ganzen ist es nur schade, dass wir vor so einer tollen Kulisse verloren haben. Es war etwas unglücklich, dass wir den Ausgleich kassierten als Mathias (Niederberger) keine Kufe hatte, aber so ist es im Eishockey.“
Für Sie war es ja unter anderem ein ganz besonderes Spiel. Wie war es für Sie, ich nehme an es waren viele Ihrer Verwandten vor Ort?
Abeltshauser: „Wenn man sich umdreht, sieht man noch ein paar (grinst). Es waren über 50 meiner Verwandten vor Ort und ich muss ganz ehrlich sagen, ich hatte richtig Gänsehaut. Ich durfte noch nie vor so einer Kulisse in Tölz spielen, da ich ja recht früh weggegangen bin. Es war als Kind immer mein Traum für die Tölzer Löwen zu spielen und das war jetzt schon so ein besonderer Moment. Schade, dass wir das Ganze nicht mit einem Sieg küren konnten, aber im Großen und Ganzen war es ein super Erlebnis.“
_
Moritz Mühlbauer





