Endlich Halbfinale?
Wie ein Kleinkind das gelernt hat zu krabbeln und nun endlich auch gehen möchte: Die Fischtown Pinguins blasen zum Angriff, das aber nicht in einer himmelhochjauchzenden Art wie manch anderer Standort, sondern mit konstant guter Arbeit. Sympathisch nordisch.

(Foto: City Press)
Seit sieben Spielzeiten sind die Fischtown Pinguins nun in der DEL. In sechs davon kam man ins Viertelfinale. Höchstrespektabel, was die Herren um Popiesch, Hasselbring und Prey in Bremerhaven aufgezogen haben. In einer Stadt, die mit einem Durchschnittseinkommen (2019) von 18.600€ pro Kopf eine der ärmsten Deutschlands ist, lebt man Eishockey. Vergangene Saison kamen 4000 Fans zu den Spielen: eine Auslastung von 86,1%!
Die Fischtown Pinguins sind für viele Bremerhavener*innen ein Mittelpunkt des Lebens. Die Arbeit der letzten Jahre stellte den absoluten Großteil der Fanbasis zufrieden. Der Traum von mehr ist aber selbstverständlich trotzdem da. Für mich sind die Pinguins ein Team, dem man durchaus zutrauen könnte, auch mal einen auf Ingolstadt zu machen und sogar um den Titel mitzuspielen. Klar, da muss viel passen, aber mit einem der besten Trainer der Liga, einer der stärksten Sturmreihen der DEL und einer sattelfesten Defensive muss man sich grundsätzlich vor niemandem verstecken.
Zur kommenden Saison hat man das Team nun nochmal verstärkt. Gerade das Scoring in der Offensive wurde schon in den letzten Monaten deutlich verbreitert, auch Jungs wie Jake Virtanen und Niklas Andersen bleiben. Das berichtete die EishockeyNews in ihrer Printausgabe und deckt sich mit unseren Informationen.
Sollten die beiden besagten Jungs bleiben, hätte man insgesamt 18 Jungs unter Vertrag, die Kontingentspieler oder Doppelflaggler sind. Viele sehen das als kritisch und zu viel an - ich grundsätzlich auch. Machen wir aber bitte nicht den Fehler und werfen das den handelnden Personen in Bremerhaven vor: Diese holen aus den vorhandenen Möglichkeiten, die die DEL-Spielordnung bietet eben nur das Bestmögliche für ihren Standort heraus. Das ist ihr Job. Aktuell gibt es zudem stichhaltige Spekulationen, dass sowohl Jensen als auch Vikingstad ebenfalls deutsche Pässe erhalten werden. Damit bliebe sogar noch eine Kontingentposition für das Line-Up des ersten Spieltags offen.
Spannend aus meiner Sicht ist die Entscheidung, Kristers Gudlevskis zurückzuholen. In Maxi Franzreb hatte man einen der besten deutschen Goalies der letzten Saison unter Vertrag. Es wäre an der Zeit, dem Jungen das volle Vertrauen zu geben. Zahlt er es nicht zurück, kann man flexibel im Laufe der Saison mit einem Konti-Goalie reagieren. Für mich unverständlich, insgesamt damit nun aber wohl eine Luxus-Situation im Tor.
Bremerhaven kann sich auf die kommende Saison freuen. Man hat eine gute Mischung zwischen hochqualitativen Neuzugängen und dem bereits bestehenden Stamm gefunden. Auf den U-Positionen würfelte man einmal komplett durch und bekam mit Büsing sogar einen Hochkaräter. Good job, Pinguins!
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Simon Rentel





