Fünf Minuten wegen Meinung – PENNY DEL

Berlin, Bremerhaven, Dresden, München. Nein, das ist kein Titel einer neuen Single von "Sportfreunde Stille", es ist auch nicht meine Reiseliste für 2026. Vielmehr handelt es sich dabei um die Reihenfolge der ersten PENNY DEL-Teams bei unserer diesjährigen Saisonvorschau. Diese kommt für einige mal wieder viel zu früh, für einige andere viel zu spät. Mir geht es ähnlich: Natürlich kann man im September aussagekräftigere Prognosen abgeben, aber interessiert das zu diesem späten Zeitpunkt noch jemanden? Jetzt ist die Zeit, in der wir nach Eishockey lechzen. Also ran an die Vorbereitung! 

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(Foto: City-Press)

Vertrauen! Es macht mir wirklich keinen Spaß, hier auf die Adler Mannheim einzuhauen. Es gibt einige andere Beispiele, die auch genannt werden könnten, doch die Adler sind leider das jüngste Beispiel dafür, was im deutschen Eishockey teilweise noch falsch läuft. Stell dir vor, du bist Maxi Franzreb. Einer der fünf besten deutschen Goalies, die die Liga zu bieten hat - unterwegs im Nationalmannschaftskreis. Nach vielen Jahren harter Arbeit, die ihn auch über die DEL2 führten, flattert ein - sicherlich höher dotiertes - Angebot aus Mannheim ein. Zu diesem Zeitpunkt ist der Abgang von Brückmann wohl fix, der von Tiefensee wahrscheinlich. Eishockeystadt, mehr Geld, Traditionsclub, Nummer-eins-Posten frei. Was willst du mehr? Ein paar Monate später dann die Watschn wie beim Öffnen einer Surströmming-Dose: Johan Mattsson unterschreibt bei den Adlern. Ein 33-jähriger Schwede mit starker Vita. Mir stellt sich nur eine Frage: WARUM? Mir gefällt der Adler-Weg eigentlich, junge Talente mit Verträgen auszustatten und Nationalspieler an den Neckar zu locken. Doch wie nachhaltig ist er, wenn am Ende trotzdem nicht vollends auf Franzrebs Fähigkeiten vertraut wird? Ein anderes Urteil lässt die Verpflichtung für mich leider nicht zu. 

"Knaller! Daniel Fischbuch wechselt nach Iserlohn!" Diese Folie war seit ein paar Wochen bei uns vorbereitet und konnte gestern ausgespielt werden. Mein Kollege Max hatte sie erstellt, auf den ersten Blick fragte ich mich, ob die Formulierung "Knaller" nicht etwas zu hoch gegriffen sei. Ähnlich ging es ein paar Wenigen in unseren Kommentarspalten - und ganz ehrlich: Ich verstehe, warum. Zumindest auf den ersten Blick. Denn auf den Zweiten ist Fischbuch ein Knaller. Vor allem für einen Standort wie Iserlohn, der zuletzt mit den Playoffs weniger zu tun hatte als kaum ein anderer Standort. Der 31-Jährige befindet sich im besten Eishockeyalter und war letzte Saison viertbester Scorer der Adler. Mehr Punkte als Plachta, genauso viele wie Michaelis. Hätten wir bei der Meldung "Plachta nach Iserlohn" nicht zweifellos auch von einem Kracher, vielleicht sogar einer Sensation gesprochen? Ich denke schon. Mir ist auch bewusst, dass Scorerpunkte bei weitem nicht das Einzige Kriterium sind, um die Fähigkeiten eines Spielers zu bewerten. Einen entscheidenden Faktor habe ich aber auch noch vergessen: Wir befinden uns vor einem Jahr mit Olympischen Spielen und zwei Jahre vor der Heim-WM. Wenn ich in diesem Zeitraum einen Spieler aus dem Nationalmannschafts-Kreis bekommen kann, der sich zwingend für ebenjene Großereignisse empfehlen möchte, dann mache ich das. Good Job, FDF! 

Sorgenkind! Ich hatte mal einen Chef, der mich stets mit "Sorgenkind" angesprochen hat. Glücklicherweise nicht nur mich, sondern auch nahezu jeden anderen seiner Mitarbeiter. Eine Prise Humor war in der Formulierung mit eingebaut und genau so bitte ich euch, die folgenden Zeilen auch anzusehen. Für mich ist Frankfurt aktuell das Sorgenkind der Liga. Doch es gibt zwei gute Nachrichten: Letzte Saison hatte man einen Vorsprung von 18 Punkten auf das schlechteste verbleibende Team der Saison 24/25 (Augsburg). Das muss man erstmal aufholen. Außerdem: Man hat einen Abnehmer für das Missverständnis um Markus Lauridsen gefunden und ersetzt ihn mit Ryan McKiernan. So zumindest unsere Informationen und denen der gut informierten Bembelbros nach. Wochenlang habe ich mich echauffiert, dass die Deutschen Bokk und Napravnik nicht ersetzt wurden. Nun, da man sich defensiv bei gleichbleibender oder steigender Qualität eine Konti-Position spart, muss man das nicht mehr ganz so kritisch zu sehen (machen wir natürlich trotzdem, sind ja schließlich auserkorene Sorgenkinder). Langsam geht es bei den Löwen in die richtige Richtung, denn auch Jakob Lilja wird eine Verstärkung sein. Für welche Tabellenregion es reichen könnte, seht ihr dann Mitte August bei uns auf Social Media. Denn dann ist Frankfurt bei unserer Saisonvorschau dran. 
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Simon Rentel