Fünf Minuten wegen Meinung – PENNY DEL
Es fühlt sich etwas an wie nach Hause kommen. Nach einem langen Sommer - der dann irgendwie doch wieder kürzer war als gedacht - haben alle PENNY DEL-Teams bereits mindestens ein Testspiel in den Beinen. Alle bis auf die Eisbären Berlin. Der amtierende Deutsche Meister hat sich die verlängerte Spielpause aber auch redlich verdient.

(Foto: Kai Wissmann (City-Press))
So ein Scheiß! Bei aller Vorfreude auf die neue Saison müssen wir uns zu Beginn der Kolumne leider erstmal ein bisschen aufregen. Wer hat denn den Eishockeygott verstimmt? Gemeint ist nicht Jaromir Jagr, Corey Mapes, Yannick Dubé oder wer auch immer es an eurem Standort ist. Gemeint ist der Großmeister da oben in den Wolken - oder darüber, so richtig klar ist das ja nicht. Innerhalb von wenigen Tagen ziehen sich Jan Luca Sennhenn und Kai Wissmann Verletzungen zu, die sie monatelang zur Pause zwingen. Bei Sennhenn ist es irgendwo am Oberkörper, die neumodische Kommunikations-Art der Haie lässt diesbezüglich keine genaueren Schlüsse zu, bei Wissmann ist es die Achillessehne. Geht's noch ein bisschen dramatischer? Ihr wisst schon: Achilleus, der griechische Held, der nur an der Achillesferse verwundbar war. Irgendwie passt es in die Situation. Der einzige Unterschied: Kai Wissmann ist zwar ebenfalls teils heroisch unterwegs, dennoch bin ich in Berlin nicht besorgt, dass er unersetzbar ist. Versteht mich nicht falsch: Wissmann ist vielleicht der beste deutsche Defender Liga. Wenn es ein Kader im Kreuz hat, so einen Star zu ersetzen, dann aber die Berliner - und eben die Kölner. Beide haben mit Geibel, Mik und - mein voller Ernst - Nowak bzw. Münzenberger Jungs im Kader, die die Ausfälle auffangen können. So bitter es zu diesem frühen Vorbereitungs-Zeitpunkt auch sein mag. Gute Besserung, Männer!
Early Shootingstars! So, wer ist schon im Eismanager-Fieber? Keine Werbung an dieser Stelle, aber es macht mir persönlich einfach Spaß, dort aktiv zu sein. Kai Wissmann ist dann mal kurzfristig rausgefallen, durch den Ausfall steigen aber natürlich die Aktien eines Geibel nochmal deutlich. Ebenso verhält es sich mit Luca Münzenberger in Köln, der seinen Stammplatz erstmal sicher haben dürfte und recht günstig daherkommt. Doch blicken wir doch mal auf die - viel zu frühen - Testspiel-Eindrücke: Kristian Reichel mit vier Punkten in zwei Adler-Spielen gegen Graz, Alexandre Grenier mit vier Punkten in zwei AEV-Spielen beim Gäuboden Cup, Julius Ramoser mit drei Scorern im ersten Grizzlys-Test gestern gegen Klagenfurt. Und dann ist da noch Thomas Heigl. Der schoss Nürnberg mit drei Toren im Alleingang zum Turniersieg in Straubing. Wir werden die Akteure in den kommenden Wochen weiter genau beobachten und checken, wer durchstarten könnte. Aber Achtung: Ich kann mich an den Sommer 2023 erinnern, in dem Evan Barratt Topscorer aller PENNY DEL-Jungs in der Vorbereitung war. Sein Durchbruch kam - aber bekanntlich eben erst ein Jahr später.
Hoffnung! Merkt ihr bei den oben aufgelisteten Topscorern was? Genau: Ein Eingebürgerter, ein Konti und zwei Youngster. Gute Mischung. Das liegt auch daran, dass die Trainer ihren jungen Spielern in der Testspielphase meist deutlich mehr Eiszeit geben als in der laufenden Saison. Mir geht das Herz auf, wenn ich mir den Tag über mehrere Spiele ansehe und die Youngster dort übers Eis flitzen sehe. Fast jeder von ihnen hat das Zeug dazu, auch in der normalen Liga eine größere Rolle zu spielen als ihnen für gewöhnlich zuteilwird. Ich hoffe auch kommende Saison auf mehr Einsicht, mehr Nachwuchsförderung. Dafür muss aber auch an den Standorten ein Umdenken passieren. Der Trainer stellt nach bestmöglicher Leistung auf - sonst verliert er seinen Job. Der Geschäftsführer stellt einen Trainer ein, der größtmöglichen Erfolg verspricht - sonst verliert er seinen Job. Die Sponsoren investieren in Teams, die sportlich erfolgreich sind - sonst verlieren sie an Werbewert. Viele Fans kommen ins Stadion, wenn das Team erfolgreich ist - ansonsten bleiben sie zuhause. Es ist ein langer Rattenschwanz, den man nur gemeinsam bändigen kann. Können wir uns nicht alle darauf einigen, dass Platz sieben statt Platz fünf und dafür die Einbindung von ein, zwei lokalen Youngster pro Team mehr, auch ein charmanter Weg sein kann?
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Simon Rentel





