Fünf Minuten wegen Meinung – PENNY DEL
Einmal mit alles bitte! Nein, es geht hier nicht um meine - sprachlich angepasste - Döner-Bestellung, vielmehr um die letzte Woche in der PENNY DEL. Denn diese hatte - wie mein Döner - alles. Inklusive Extra-Fleisch für die heutige Kolumne. Tore, Überraschungen, klare Worte. Spannend!

(Foto: City-Press)
Selber Schuld! Wer meine ausführliche Auflistung hören möchte, wer und wieso alles Schuld an der Misere rund um die Eisbären Berlin und Adler Mannheim hat, sollte in den dieswöchigen Podcast hören. Kurzform: wir alle. Als ich im beschaulichen Bad Nauheim durch den Kurpark wanderte, erreichte mich ein Video von Tim, der für uns in Mannheim war. Er hatte eingefangen, wie es bereits beim Warm-Up die ersten freundlichen Gespräche und Verabredungen für die kommenden 60 Minuten gegeben hatte. Mannheim gegen Berlin hat sich in den letzten zwölf Monaten dermaßen hochgeschaukelt, dass es zum Hochrisiko-Spiel wird. Glücklicherweise nur auf dem Eis und nicht auf den Rängen. Es ist irgendwie also auch nur folgerichtig, dass zwei Spieler aufgrund unfairer Checks ins Krankenhaus mussten und wohl jeweils wochenlang ausfallen werden. Dass es sich dabei noch um den besten Spieler der Liga (Ronning) und einen der wichtigsten Spieler des Teams (Esposito) handelt, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht nur das Negative rausstellen. Eishockey ist Entertainment - und Geschichten wie die rund um Bergmann und Gawanke sind das Salz in der Suppe. ABER: Es gibt Grenzen. Und diese sind erreicht, wenn der Verdacht besteht, dass Spieler mutwillig verletzt werden oder es zumindest billigend in Kauf genommen wird. Schluss damit. Beide Teams sind sportlich so begnadet, da reicht mir eigentlich auch ein geiles Eishockeyspiel als Salz in der Suppe.
Maulkorb! §(1) "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten." So steht es im Grundgesetz geschrieben. Was machen wir jetzt also mit dem Interview von Lean Bergmann? Für mich eine schwierige Situation, die ich mal versuche, gemeinsam mit euch aufzudröseln. Betrachten wir mal die reine Äußerung: Das ist eine Meinungsäußerung, die stilistisch sicher hart an der Grenze zur unsachlichen Kritik ist und auch nicht annähernd meine Meinung trifft. Aber es ist nunmal Meinung. Die darf er äußern - und dieses Recht wird ihm am Magenta SPORT-Mikro auch gegeben. Soweit, so gut. Dass er im Nachgang für seine (emotionale) Meinungsäußerung mit einer Geldstrafe belegt wird, klingt grundsätzlich erstmal hart. Vor einigen Monaten hatten wir einen ähnlichen Fall mit Nürnbergs Sportdirektor Stefan Ustorf, der nach (fälschlicher) Kritik an Schiedsrichtern für ganze vier Spiele gesperrt wurde. Für mich grundsätzlich erstmal der bessere Weg als eine Geldstrafe, die über Umwege im Zweifel auch vom Verein selbst oder - wie im aktuellen Fall - durch ein Crowdfunding übernommen werden kann. Grundsätzlich: Das Recht, durchzugreifen gibt Lean Bergmann dem Ausschuss höchstselbst. Nämlich mit der Unterschrift unter seinem Arbeitsvertrag, in dem genau diese Dinge geregelt werden. Sprich: Meinungsfreiheit schön und gut, aber wenn du dich gegenüber der Liga oder deren Mitarbeitern im Ton vergreifst, musst du mit einer Strafe rechnen. Kann man gut finden oder nicht - akzeptiert aber jeder Spieler vor der Saison. Auch hier gilt: Keiner hat Bock auf weichgespülte 08/15-Aussagen in Interviews. Wir wollen Typen. Wir wollen Sätze, die sich auf Zitat-Kacheln gut machen. Bergmann liefert diese regelmäßig. Gut fürs Entertainment, schwierig für die Liga und teils sicher auch in puncto Vorbildfunktion. So. Bewerten dürft ihr das für euch selbst - jetzt habt ihr den Überblick.
Liebe nach Frankfurt! Der Eisblog hasst die Löwen Frankfurt. Diesen Vorwurf mussten wir uns in letzter Zeit öfter anhören. Es kommt immer mal wieder vor, dass sich bestimmte Standorte bei uns schlechter behandelt fühlen als andere - gerne schaukelt sich das im Laufe der Zeit dann auch hoch. Und ganz ehrlich: Das ist vollkommen verständlich. Ich wäre als Löwen-Fan nicht anders. Gerne erinnere ich mich an meine Zeit in der Tölzer Fankurve zurück (damals übrigens mit Fanfreundschaft zur Bembel Crew Frankfurt), in der ich auf Medien und Fanseiten anderer Clubs geschimpft habe. Das Normalste der Welt. Dennoch mal aus meiner neuen Perspektive: Der Unmut kommt vor allem aufgrund unserer Saisonvorschau-Prognosen auf Social Media und im Podcast, sowie auf dem gestern erschienenen Trikotranking. Wir sprechen hier über eine Prognose, die an allen 14 Standorten gut und gerne anders kommen kann, aber aktuell leider voll ins Schwarze trifft und - in Sachen Trikots - über reine persönliche Meinung. Es ist in diesem Fall kein Zufall, dass zwei Teams ohne Brustsponsor auf den Rängen 1 und 14 liegen. Einer hat es herausragend gelöst, der andere - unserer Meinung nach - nicht. Das ist nicht mehr als individueller Geschmack von sieben abstimmenden Menschen und hat nichts mit einer Abneigung gegen einen gesamten Standort zu tun. Ich hatte vergangenen Donnerstag viel Spaß in der Eissporthalle, habe Freunde getroffen und sehr viele nette Gespräche geführt. Lasst uns auf dieser Ebene weitermachen und wir versprechen: Gleichberechtigung gilt für alle 14 Standorte der PENNY DEL. So gut es uns möglich ist.
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Simon Rentel





