Fünf Minuten wegen Meinung – PENNY DEL
33 Tage! 33 Tage entscheiden über die Zukunft von Arbeitnehmern. Es geht hier nicht um die allseits bekannte Probezeit zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses, vielmehr um die Zeitspanne bis zur Länderspielpause, die ich gerne auch "Feuerpause" nenne. Regelmäßig werden die knapp zwei Wochen Spielbetriebs-Unterbrechung in den deutschen Profiligen zum Feuern des Headcoaches genutzt. Also, liebe Übungsleiter deren Saisonstart in die Hose ging: In den nächsten 33 Tagen gilt es die Pferde zu satteln. Es ist schon früh in der Saison Crunch Time.

(Foto: City-Press)
Oh oh! Wenn man sich die Tabelle nach Spieltag sechs so durchließt, sind es sicher die Eisbären Berlin, die am meisten überraschen. Da sie in den letzten Jahre von Erfolg geprägt waren, können sie leider nur negativ überraschen - die Schattenseite des Erfolgs. Es sind erstmals seit der Seuchensaison 2022/23 vier Niederlagen in Folge für die Hauptstädter und genau das macht nun natürlich Sorgen. Sorgen, die eigentlich nicht der Rede wert wären, aber aufgrund anhaltender Verletzungsprobleme doch erwähnenswert sind. Ist es tatsächlich möglich, dass Berlin erneut eine Krisen-Saison erleben muss? Dieses Berlin, das uns in den letzten drei Jahren in seiner Dominanz fasziniert hat? Das Berlin, vor dem viele - auch ich - Angst haben, dass sie der FC Bayern des Eishockeys werden? Noch ist es natürlich zu früh in der Saison, um den Eisbären ihren natürlichen Lebensraum wegschmelzen zu lassen. Aber: Es sind nur noch zwei Kontipositionen offen, eine davon muss nach dem erneuten Ausfall von Markus Niemeläinen nun zwingend gezogen werden. Viel Spielraum ist nicht mehr, die Neuen müssen sitzen. Patrick Khodorenko hat das Zeug zum Unterschiedsspieler, kommt aber nun in ein Team, das vermutlich selbst nicht so richtig weiß, was mit ihm passiert. Dazu kommt Pech, wie beim irregulären Platzer-Treffer am Sonntag. Tough times. Aber wie man da rauskommt, weiß kaum jemand besser als Berlin.
Kehrseite! So. Jetzt aber zu Positivem! Die ersten fünf der Tabelle bilden: Mannheim, Bremerhaven, Straubing, Wolfsburg, Nürnberg. Mindestens vier davon sind auf ihren jeweiligen Positionen durchaus überraschend. Bei aller Häme ob der letzten Spielzeiten konnte man die Adler was die reine Qualität angeht, durchaus der Spitzen-Region erwarten. Aber die Teams dahinter überzeugen schlicht mit einem Extraklasse-Saisonstart. Bremerhaven holte am ersten Wochenende trotz spielerischer Schwächen sechs Bonuspunkte. In der Folge fand Alex Sulzer offensichtlich die richtigen Worte, denn seitdem ist Bremerhaven wieder Bremerhaven. Die Pinguins verteidigen als würde es schon jetzt um die Deutsche Meisterschaft gehen und haben ihr Bollwerk der letzten Saison zurück. Gefährlich für alle anderen! Straubing, Wolfsburg und Nürnberg gehen einen etwas anderen Weg und kommen vor allem mit purer Power daher. Ja - auch in Straubing sitzt die Defensive. Das liegt aber bislang vor allem an zwei Extraklasse-Goalies. Besonders beeindruckend ist für mich die Ausgeglichenheit über vier Reihen, die ich an selber Stelle in den letzten Jahren ob starker junger Neuverpflichtungen für die Reihen zwei bis vier schon herbeigesehnt hatte. Scheint nun aufzugehen - ähnlich wie in Nürnberg. Dort darf beispielsweise ein Thomas Heigl zeigen, was er drauf hat. Und Wolfsburg, naja. Mein positives Dark Horse für diese Saison ist gestartet, wie es sich meine Prognosen-Tabelle gewünscht hat. Wäre da nicht ein Problem: Mit Hayhurst und Lambert fallen nun zwei der neuen Wow-Kontis länger aus. Gerade Lambert hat die Grizzlys-Offensive und deren Powerplay auf ein neues Level gehoben. Bittere Nachrichten also für die Wolfsburger - aber hey, dann muss Choupani halt wieder eskalieren. Qualität ist weiterhin genug vorhanden.
Vorfreude! Für mich geht es diese Woche nach Schwenningen (Do) und München (Fr). Bei den Red Bulls war ich aufgrund der örtlichen Nähe schon öfter, cool wird's dank unserem Partner Hacker-Pschorr und dem Wiesn-Spieltag natürlich trotzdem. Pure Vorfreude empfinde ich aber, wenn ich an meinen Besuch bei den Wild Wings denke. Die Helios Arena ist (absurderweise) eines der wenigen deutschen Profi-Eisstadien, das ich noch nicht besuchen konnte. Nun ist es soweit. Schwenningen empfängt Dresden und das ist für mich neben dem reinen Glücksgefühl, viele neue Leute in Schwenningen kennenzulernen, auch sportlich interessant. Die Wild Wings klauten den Sieg in Berlin, zogen zuvor bereits die Spiele in Iserlohn und Frankfurt. Partien, die du gewinnen musst, wenn du in der Liga bleiben willst. Das sollten sich vor allem die Eislöwen zu Herzen nehmen. Auch diese gewannen gegen Frankfurt, hatten danach ungleich schwerere Aufgaben auf dem Tisch und scheiterten in diesen recht gnadenlos. Nun also das direkte Duelle, zweier Teams, die vor allem im ersten Saisonviertel genug Punkte sammeln sollten, um nicht in unangenehmen Situationen zu geraten. Beide haben die Top 10 als Ziel ausgerufen - bei beiden ist es für mein Empfinden ambitioniert. Die heutige Partie wird erneut richtungsweisend.
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Simon Rentel





