Eisblog Inside: Nürnberg Ice Tigers-Edition mit Max
Der Dezember 2025 brachte den Nürnberg Ice Tigers einen intensiven und richtungsweisenden Monat. Zehn Spiele, viele enge Entscheidungen und erneut die Erkenntnis, dass diese Mannschaft grundsätzlich konkurrenzfähig ist – gleichzeitig aber weiterhin mit strukturellen, personellen und spielerischen Baustellen zu kämpfen hat.

(Foto: City-Press)
Der Monat begann mit einem offenen Schlagabtausch in Köln, der trotz vier eigener Treffer mit einer 4:7-Niederlage endete. Offensiv gefährlich, defensiv anfällig – ein Muster, das sich zu diesem Zeitpunkt noch zu oft zeigte. Die Reaktion folgte prompt: Beim 4:2-Heimsieg gegen Wolfsburg präsentierte sich Nürnberg deutlich strukturierter, agierte kompakter und nutzte seine Chancen konsequenter. Auch das 4:3 gegen Frankfurt passte in dieses Bild, nicht zuletzt aufgrund stabilerer Special Teams.
In München wurde die fehlende Effizienz erneut zum Thema. Beim 1:3 hielten die Ice Tigers lange dagegen, verpassten es jedoch, ihre guten Phasen in Zählbares umzumünzen. Umso klarer fiel der anschließende Auftritt gegen Dresden aus. Der 5:1-Heimsieg war eine der geschlossensten Leistungen des Monats – hohes Tempo, saubere Defensive und klare Abschlüsse.
Zur Halbzeit des Dezembers standen drei Siege aus fünf Spielen zu Buche. Positiv wirkte sich aus, dass mit Will Graber und Cole Maier zwei Leistungsträger nach längerer Verletzungspause in den Kader zurückkehrten. Beide brachten Energie und Tempo, allerdings war deutlich zu erkennen, dass Rhythmus und Abstimmung noch fehlten. Insgesamt gewann der Kader an Tiefe, spielerisch mangelte es jedoch weiterhin an Reihenchemie.
Die zweite Monatshälfte begann mit einem emotionalen Höhepunkt. In Schwenningen drehten die Ice Tigers einen 0:3-Rückstand und sicherten sich mit dem 4:3 nach Verlängerung zwei wichtige Punkte. Auch in Augsburg zeigte Nürnberg Nervenstärke und gewann mit 3:2 nach Overtime. Auffällig dabei: Die erste Reihe war erneut nahezu an jedem Nürnberger Treffer beteiligt – ein Muster, das sich durch den gesamten Monat zog.
Denn genau hier liegt weiterhin eine Schwachstelle. Abseits von Reihe 1 (Barratt, McFalls, Murray) fehlt es dem Team weiterhin am „Secondary Scoring“. Die übrigen Formationen wechseln zu häufig, finden keinen konstanten Rhythmus und produzieren zu wenig eigene Torgefahr. Fällt die erste Reihe einmal ab oder wird konsequent neutralisiert, fehlt es Nürnberg an Durchschlagskraft.
Hinzu kam, dass die personelle Entspannung nur kurz anhielt. Kaum waren mehrere Verletzte zurückgekehrt, schwächte eine Grippewelle den Kader erneut spürbar. Gerade in der dicht getakteten Schlussphase des Monats machte sich das bemerkbar. Das Derby gegen Straubing kippte spät und ging mit 2:3 verloren, in Berlin setzte es beim 2:5 eine verdiente Niederlage. Der Jahresabschluss gegen Mannheim war kämpferisch ordentlich, endete beim 2:3 nach Verlängerung aber erneut ohne vollen Ertrag.
Abseits des Eises wurden im Dezember dennoch wichtige Weichen gestellt. Mit den Vertragsverlängerungen von Samuel Dove-McFalls und Josef Eham setzten die Ice Tigers gezielte Signale für Kontinuität. Vor allem zur Verlängerung von Dove-McFalls muss man Sportdirektor Stefan Ustorf gratulieren. Dove-McFalls hat sich in dieser Saison zu einem der besten deutschen Center etabliert, was die Nachfrage anderer PENNY-DEL-Topteams sicherlich nicht geringer werden ließ.
Unsung Heroes
Jakob Weber
Für sein Alter agiert der Verteidiger nahezu fehlerfrei, trifft gute Entscheidungen und wirkt in vielen Situationen bemerkenswert abgeklärt. Seine Entwicklung zählt zu den stabilsten Faktoren im Nürnberger Defensivspiel. Eine Vertragsverlängerung wäre ein weiteres wichtiges Zeichen für junge deutsche PENNY-DEL-Spieler, dass sie in Nürnberg viel Eiszeit und Verantwortung erhalten.
Niklas Treutle
Nach einer verletzungsgeprägten Vorsaison, die von fehlendem Rhythmus bestimmt war, hat sich der gebürtige Nürnberger Torhüter in dieser Saison stark zurückgemeldet. Er wirkt körperlich topfit, strahlt Ruhe aus und gibt der Mannschaft wieder die benötigte Sicherheit. Mit konstanten Leistungen hat sich Treutle erneut als einer der besten Torhüter der PENNY DEL etabliert und ist aktuell ein entscheidender Faktor für die Ice Tigers.
Weitere Top-Performer des Monats
Evan Barratt (RW)
In neun Spielen im Dezember erzielte er sechs Tore und acht Assists, insgesamt also 14 Scorerpunkte. Mit 1,56 Punkten pro Spiel bleibt er einer der besten Spieler der gesamten PENNY DEL.
Brett Murray (LW)
In zehn Spielen im Dezember erzielte er fünf Tore und sieben Assists, insgesamt also zwölf Scorerpunkte. Bildet mit Samuel Dove-McFalls und Evan Barratt aktuell die heißeste Reihe der Liga.
Samuel Dove-McFalls (C)
In zehn Spielen im Dezember erzielte er sechs Tore und sechs Assists, insgesamt also zwölf Scorerpunkte. Spielt die beste Saison seiner Karriere und bleibt den Ice Tigers auch im kommenden Jahr – gemeinsam mit Evan Barratt – erhalten.
Owen Headrick (D)
In zehn Spielen im Dezember erzielte er drei Tore und sieben Assists, insgesamt also zehn Scorerpunkte. Auch der Vertrag des besten Nürnberger Verteidigers läuft am Ende der Saison aus. Eine Verlängerung wäre ein weiteres elementares Puzzlestück für die Zukunft der Nürnberg Ice Tigers.
Ausblick
Durch den engen Olympiaspielplan und die anschließende Februar-Pause kommt dem Januar eine entscheidende Bedeutung zu. Er wird maßgeblich darüber entscheiden, wo die Ice Tigers in der Tabelle landen. Das ausgegebene Ziel Platz sechs wirkt in der aktuellen Form und Gesamtsituation unrealistisch und sportlich kaum erreichbar. Der Fokus muss darauf liegen, sich das sportlich und finanziell wichtige Heimrecht für die Pre-Playoffs zu erarbeiten.
Fünf Siege aus zehn Spielen, 14 Punkte und ein Platz im Bereich der Pre-Playoff-Ränge: Der Dezember war kein Durchbruch, sondern eine nüchterne Standortbestimmung. Jetzt geht es darum, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.





