Eisblog Inside: Nürnberg Ice Tigers-Edition mit Max
Eine Saison, die Fragen offenlässt: Minimalziel erreicht – Anspruch klar verfehlt
Die Nürnberg Ice Tigers haben die Saison 2025/26 mit dem Aus in den Pre-Playoffs gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven beendet. Rein formal wurde mit Platz zehn das Minimalziel erreicht. Nach dem Viertelfinaleinzug in der Vorsaison war die Erwartungshaltung allerdings eine andere. Der Anspruch war klar definiert: erneute direkte Playoff-Qualifikation, im Idealfall wieder das Viertelfinale. Stattdessen rutschte Nürnberg in die Pre-Playoffs und verabschiedete sich dort frühzeitig. Unterm Strich bleibt eine Saison, die hinter den eigenen Erwartungen zurückbleibt.

(Foto: City-Press)
Bruch im Dezember: Mannschaft verliert ihr Gesicht
Der entscheidende Knick kam Ende Dezember. Bis dahin präsentierten sich die Ice Tigers als stabile Mannschaft, die Spiele eng halten konnte und im Rennen um die Playoff-Plätze absolut konkurrenzfähig war. Dann folgte ein Einbruch, der in dieser Form kaum zu erklären ist. Über Wochen hinweg wirkte das Team wie ausgewechselt. Es fehlte an Intensität, an Struktur und vor allem an der Bereitschaft, Spiele über Einsatz zu entscheiden. Zweikämpfe wurden nicht mehr konsequent geführt, in der Defensive häuften sich einfache Fehler, im Offensivspiel fehlte die Durchschlagskraft. Das waren keine einzelnen schwachen Spiele, sondern eine Entwicklung, die sich durchgezogen hat. Nürnberg verlor nicht nur Punkte – die Mannschaft verlor ihr Gesicht. Teilweise bewegten sich die Auftritte (besonders in der entscheidenden Phase der Hauptrunde gegen Iserlohn und Schwenningen) in einem Bereich, in dem die Frage erlaubt sein muss, ob das noch eine reine Formkrise war.
Pre-Playoffs gegen Bremerhaven: Zu wenig Widerstand
Die Serie gegen Bremerhaven hat dieses Bild letztlich bestätigt. Das erste Spiel in Bremerhaven verloren die Ice Tigers deutlich mit 0:4. Nürnberg fand offensiv kaum Lösungen, ließ die nötige Konsequenz vermissen und bekam über weite Strecken keinen Zugriff auf das Spiel. Im zweiten Spiel am Freitag vor heimischer Kulisse zeigte die Mannschaft zumindest phasenweise eine Reaktion, musste sich am Ende aber auch zuhause mit 2:3 geschlagen geben. Damit war die Saison beendet. Auffällig: Über insgesamt sechs gespielte Drittel hinweg gab es genau einen Abschnitt, in dem Nürnberg die nötige Intensität und den Willen zeigte, die Serie offen zu gestalten. Es blieb jedoch ein einmaliges Aufbäumen im letzten Drittel der Saison.
Ursachen: Viele Faktoren – und deutliche Worte des Trainers
Die Ursachen für den Einbruch sind vielschichtig – und intern wird das mittlerweile auch klar so benannt. Trainer Mitch O’Keefe machte deutlich, dass es keine einzelne Erklärung gebe. Vielmehr sei es eine Kombination aus mehreren Faktoren gewesen. Die personelle Situation spielte dabei eine Rolle: viele Spieler, die im Saisonverlauf Vater geworden sind, eine lange Phase mit kurzer Bank und Akteure, die angeschlagen gespielt haben. Entscheidend war für ihn aber ein anderer Punkt:
Die Mannschaft habe über längere Zeit an „Schärfe“ verloren. Man habe „den Fuß vom Gas genommen“ und es habe zu lange gedauert, wieder auf das nötige Niveau zu kommen – in dieser Phase seien entscheidende Punkte verloren gegangen.
Ein weiteres zentrales Thema war die fehlende Konstanz. Es sei über die Saison hinweg schwer gewesen, einen stabilen „Gameplan“ zu entwickeln. Und genau das unterscheide erfolgreiche Teams von durchschnittlichen. Deutlich wurde der Trainer auch bei der Analyse der Details: zu viele individuelle Fehler, zu viele mentale Aussetzer und strukturelle Probleme im Defensivverhalten. Situationen, die auf diesem Niveau nicht passieren dürfen, traten zu häufig auf – vom Verhalten ohne Scheibe bis hin zu Entscheidungen unter Druck vor dem eigenen Tor. Auch die Special Teams waren ein klarer Rückschritt. Vor allem das Powerplay verlor an Durchschlagskraft, während auch das Penalty Killing nicht konstant genug war.
Besonders kritisch: O’Keefe sprach offen davon, dass man über weite Strecken der Saison „den Einsatz der Spieler coachen musste“ – etwas, das auf diesem Niveau nicht passieren darf.
Fehlende Führung und interne Faktoren
Neben den sportlichen Themen kamen weitere Faktoren hinzu. Mit dem Ausfall von Constantin „Tine“ Braun fehlte ein wichtiger Führungsspieler. Als lautstarke Persönlichkeit in der Kabine hatte er entscheidenden Anteil daran, die Mannschaft mitzunehmen und die Linie des Trainerteams durchzusetzen. Diese Rolle war in der entscheidenden Phase nicht zu ersetzen. Dazu kamen strukturelle Probleme im Kader. Häufige Reihenwechsel verhinderten Konstanz, während einzelne Leistungsträger ihre Form nicht halten konnten. Besonders auffällig war die Entwicklung von Brett Murray, der nach seiner Verpflichtung als Unterschiedsspieler kam, ab Ende Dezember jedoch sämtlichen Einfluss auf das Spiel verlor. Auch mögliche unklare Vertragssituationen einzelner Spieler sowie eine insgesamt spürbar schwächere Energie innerhalb der Mannschaft dürften eine Rolle gespielt haben. Die Körpersprache auf dem Eis ließ zumindest Zweifel daran zu, dass intern alles stabil war. Ergänzend dazu kam die außergewöhnliche Verletzungssituation, die O’Keefe selbst als „katastrophal“ bezeichnete. Über längere Zeit musste das Team mit drei Reihen agieren – ein Faktor, der die Problematik zusätzlich verschärfte.
Kaderplanung: Zwischen Kontinuität und Umbruch
Mit dem Saisonende richtet sich der Blick auf die personelle Zukunft.
Fixe Bestandteile des Teams 2026/27:
Niklas Treutle
Owen Headrick
Julius Karrer
Marcus Weber
Jakob Weber
Timo Bakos
Evan Barratt
Samuel Dove-McFalls
Josef Eham
Thomas Heigl
Constantin Braun dürfte ebenfalls bleiben.
Abgänge:
Roman Kechter (Bremerhaven)
Cole Maier (Iserlohn)
Eugen Alanov (Kassel)
Wahrscheinliche Abschiede:
Justus Böttner
Cody Haiskanen
Charlie Gerard
Brett Murray
Evan Fitzpatrick
Will Graber
Offene Entscheidungen:
Tyler Spezia
Jake Ustorf
Sinan Akdag
Greg Meireles
Bisher voraussichtliche Zugänge:
Nikolaus Heigl (Red Bull München)
Noah Samanski (Blue Devils Weiden)
Fazit: Klar benannte Probleme – jetzt müssen Lösungen folgen
Diese Saison lässt sich nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren. Es ist die Kombination aus fehlender Konstanz, schwachen Special Teams, individuellen Fehlern, personellen Problemen und mangelnder Stabilität innerhalb der Mannschaft, die zu diesem Einbruch geführt hat. Die Probleme sind intern erkannt – und klar benannt. Jetzt geht es darum, dass Sportdirektor Stefan Ustorf zusammen mit seinem Trainerteam die notwendigen Konsequenzen im Sommer zieht. Denn eines hat diese Saison deutlich gezeigt: Wenn Einsatz, Struktur und Führung gleichzeitig wegbrechen, reicht es nicht mehr, nur auf bessere Ergebnisse zu hoffen. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle die herausragende Saison von Evan Barratt: Mit 16 Toren und 49 Assists wurde er Topscorer der gesamten PENNY DEL. Wieso diese Bestmarke bei der Wahl zum Spieler des Jahres nicht zu Platz 1 reichte, wird das Geheimnis der Jury bleiben.
In eigener Sache
Mit dem Saisonaus der Ice Tigers geht auch diese Rubrik in die – viel zu frühe – Sommerpause. Vielen Dank an alle Leser für das durchweg positive Feedback, die vielen Nachrichten und auch die persönlichen Begegnungen im Stadion. Die Gespräche, Reaktionen und Bilderwünsche vor Ort zeigen, wie stark diese Community inzwischen geworden ist.
Mit knapp 100.000 Aufrufen der Eisblog-Inhalte rund um die Ice Tigers konnte auch ich in dieser Saison eine neue persönliche Bestmarke erreichen. Umso größer ist die Vorfreude auf die kommende Spielzeit.
Bis dahin wünsche ich allen Lesern und Eisis eine starke „geilste Zeit des Jahres“ und anschließend einen erholsamen Sommer.





