Meister-Blues oder Titelverteidigung?

Gut Ding will Weile haben. Im Falle der Münchner waren es FÜNF titellose Jahre und umso wilder wurde die Meisterschaft gefeiert. Konrad Abeltshauser im Hockey-Outfit nachts bei McDonalds beschreibt es sehr gut.

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(Foto: City Press)

Aber was geschieht in der kommenden Saison? Die Abgänge auf der einen Seite: Danny aus den Birken, Maksy Szuber, Daryl Boyle, Nico Appendino, Emil Johansson, Justin Schütz, Sebastian Cimmerman und Freddy Tiffels. Das sind schon ein paar große Namen, für mich aber der schmerzhafteste Spieler-Abgang: Maksy Szuber! Deutscher U23-Verteidiger, der einfach schon so grundsolide spielt wie kein anderer U23 in der Liga. Der Tiffels-Abgang tut vermutlich erst seit der vergangenen WM richtig weh und Daryl Boyle, „Mr. Zuverlässig“ oder einfach auch „Mr. Munich“ hinterlässt eine große Lücke. Justin Schütz ließ auf der Saison-Abschlussfeier durchblicken, dass er es als einen vorübergehenden Tapetenwechsel sieht und hat sein Comeback schon angeteasert. Mit Steve Walker verließ ein sehr fähiger und sympathischer Co-Trainer die Red-Bull-Organisation. Jetzt kommen wir zum scherzhaftesten Abgang und zwar nicht nur für München, sondern für die ganze Liga. Mr. Donald Clinton Jackson! Der GOAT-Coach der Liga! Liebe DEL, ihr wisst wie der „Coach of the year“-Award heißen sollte, oder?! Der Red-Bull-Organisation bleibt er zwar in einer neuen Funktion erhalten, aber man wird ihn vermissen in der Münchner Halle.

Die Neuzugänge sind allesamt deutsche Spieler die bayerische Wurzeln haben. Back to the roots sozusagen für Markus Eisenschmid, Nico Krämmer und Dominik Bittner. Drei Jungs, die sicher nicht nur von München Angebote erhalten haben, aber bei denen wohl neben dem Gehalt die Heimatnähe eine entscheidende Rolle gespielt hat. Mit Eisenschmid bekommt man einen ebenso schnellen Spieler wie Freddy Tiffels, welcher eher für das Torschießen bekannt ist als für seine Vorlagen. Im Gegensatz zu Freddy Tiffels hat man bei Eisenschmid das Gefühl, dass er eher ein Playoffspieler ist. Nico Krämmer, ein Spieler der zu seiner Mannheimer Zeit den nächsten Schritt gemacht hat und ein Unterzahl-Monster ist, kann man wohl am ehesten als Justin-Schütz-Ersatz sehen. Last but not least Dominik Bittner, ein Spieler den man nur mag, wenn er im eigenen Team ist. Er weiß wie man seinen Gegnern unter die Haut geht und ist eine absolute eierlegende Wollmilchsau. Überzahl- und Unterzahlspezialist und auch sonst in sämtlichen Situationen einsetzbar. Auch an der Bande gibt es ein Comeback: Toni Söderholm kehrt nach vier Jahren DEB und Bern zurück in das Hause Red Bull. Söderholms Landsmann Pekka Kangasalusta wird sein neuer Assistent, man kennt ihn aus Bietigheim und von der deutschen Nationalmannschaft.

Für den Olympiasilberhelden Danny aus den Birken bekommt wohl Daniel Allavena endlich seine Chance. Bei den U23-Jungs wurde zuletzt mit Quirin Bader und den Heigl-Zwillingen ja bereits ordentlich vorgelegt.

Der Kern ist also weiterhin zusammen, aber irgendwie fehlen ein bisschen die Reize. Man hat weiterhin einige der besten deutschen Stürmer der Liga (Yasin Ehliz oder auch einen oft unterschätzen Maxi Kastner), wirkliche Top-Import-Spieler (Austin Ortega, Ben Smith oder Jon Blum) und noch wirklich hungrige junge Spieler (Filip Varejcka oder Daniel Allavena). Aktuell geistern ja noch zwei Namen durch die Münchner Halle, Andrew MacWilliam und Andrej Sustr, von denen einer ziemlich sicher kommen wird.

Was können wir von München erwarten? Definitiv einer der Titelanwärter, aber ein paar Fragezeichen gibt es dennoch: Macht sich der Meisterblues in der Kabine breit? Wie funktioniert Toni Söderholm?

Spätestens Ende April 2024 wissen wir es.
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Moritz Mühlbauer