Münchens wahres Kryptonit

Die Augsburger Panther gewinnen auch das zweite Heimderby gegen München. Ich war vor Ort und darf sagen: beeindruckend, lieber AEV!

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Mal vorneweg: Selten hat der Eisblog so viel Spaß gemacht. Es geht mir nicht darum, im Stadion erkannt zu werden. Es geht mir darum, dass wir solche Spiele erleben dürfen. Live im Stadion. Es geht mir darum, dass Menschen unsere Arbeit und Leidenschaft schätzen - und uns darauf ansprechen. Es treibt uns an, Eishockey-Deutschland medial voran zu bringen. 

Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke, wo der Eisblog herkommt und was nun passiert ist. Hier sitze ich, auf der Pressetribüne des Curt-Frenzel-Stadions. Als Mitglied des größten Eishockeyinformationsmediums auf Instagram. Ich habe mir eine Spezi (don´t tell my Stoffwechselcoach) gekauft und sauge mit jeder Faser den besonderen Moment vor der Partie auf. T.J. Trevelyan wird für sein 500. AEV-Spiel geehrt - und das CFS eskaliert das erste Mal.

Bei aller Neutralität hat mich die Augsburger Fantreue schon in der letzten Saison mehrfach begeistert. In dieser Saison werden die AEV-Fans für den Glauben an den eigenen Club belohnt. Christof Kreutzer hat eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt, die heute zum zweiten Mal in der laufenden Saison den Derbysieg geholt hat. Auch für die kommende Saison sind bereits vielversprechende Jungs geholt worden - sollte der Klassenerhalt geschafft werden. 

Wenn der AEV so spielt wie heute besteht daran kaum Zweifel - und damit direkt zu meinem Hot Take: Kreutzer ist in solchen Spielen der bessere Coach als Söderholm. Augsburg hält das Spiel einfach und sorgt nach nur fünf Minuten für den nächsten Gänsehaut-Anfall. Nach dem ersten Torschuss von Rantakari hält - na klar - T.J. Trevelyan die Kelle noch entscheidend rein und trifft zum 1:0. 144. Tor für den AEV, Club-Torrekord von Duanne Moeser eingestellt. Als der Stadionsprecher die Trikotnummer des Torschützens durchsagt, könnte Augsburg auch gerade das Tor zur Meisterschaft geschossen haben. Unfassbar. 

Weil Münchens Zonenverteidigung auch in der Folge versagt, wird jede Scheibe zum Tor von Daniel Allavena gefährlich und Augsburg trifft mit drei der ersten vier Schüsse. Bitte versteht mich nicht falsch: Die Red Bulls haben in den letzten Wochen deutliche Fortschritte gemacht - heute allerdings hatte Augsburg von Anfang an den besseren Matchplan. Natürlich auch dank der unfassbaren Unterstützung im Rücken. Wirklich jedes Mal wenn Augsburg in halbwegs vernünftige Schussposition kam, ging ein Raunen durch das Stadion als wäre man in einem englischen Fußballstadion.

Das heutige Spiel war Augsburg schlicht wichtiger als München - und das ist irgendwie auch ein Tritt ins Gesicht für jeden mitgereisten Gästefan. Natürlich war am Ende des Tages auch das Glück auf der Seite des AEV, aber wie war das nochmal mit den Tüchtigen? Sonderlob an der Stelle an Markus Keller, der seit einigen Wochen zum Garant im Abstiegskampf avanciert.

Die Gastgeber mit einem wichtigen Schritt im Abstiegskampf, die Münchner mit einem Rückschlag, den sie am Ende des Tages wohl verkraften können - gerade auch ob der deutlichen Leistungssteigerung im Schlussdrittel. Der glücklichste Mensch des Tages hört sicher auf den Namen von Gänsehaut-Spieler Trevelyan. T.J. Trevelyan, der Rekord-Torschütze.
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Simon Rentel