Tagebucheintrag eines Träumers

Denken wir im deutschen Eishockey immer zu klein?

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(Foto: City-Press)

Es ist doch nicht arrogant oder falsch zu sagen, dass ich in rund drei Wochen um olympisches Gold mitspielen will. Also vielleicht nicht direkt ich, aber meine Jungs halt. Wir! Darum geht es doch. Es geht darum, dass wir das schaffen wollen. Wieso sollten wir an diesem Turnier teilnehmen, wenn wir davon ausgehen, dass die kanadische Übermacht ja dann eh unsere Endstation ist? Hell, yeah, was eine Truppe haben diese Kanadier doch. Aber haben sie unsere Tugenden? Unseren Willen? Unsren Glauben? Nein! Sie wissen, dass sie das Beste sind, was dieser Sport zu bieten hat. Und ich weiß, dass wir das in besonderen 60 Minuten infrage stellen können. Ich glaube, jetzt kann unser Moment sein und ich will mir das nicht nehmen lassen. Durch kein schmunzeln meines Gegenübers, seufzen der Pessimisten oder für mich kurzzeitig belanglose Fakten. Kein Zweifel an meiner Expertise wird mir nehmen, dass ich in drei Wochen nicht nur dabei sein will. Ich, Leon, Tim, Philipp, Moritz, Harold, (…) wollen Gold. Was auch sonst? Das Leben besteht aus Risiken. Lieber glaube ich jetzt aus voller Überzeugung an einen Abend, den ich nie wieder vergessen werde und nehme in Kauf dafür tiefsten Herzschmerz zu erhalten, als mich heute schon geschlagen zu geben. Die größten Momente der Sportgeschichte waren nie der Triumph eines Favoriten. Boris Becker war bei seinem Wimbledon-Sieg erst 17 Jahre alt, Katarina Witt verteidigte mit 22 Jahren ihr olympisches Überraschungs-Gold und wurden wir beim „Wunder von Bern“ nicht auch lang belächelt? Wir haben es verdient mit den Zähnen testen zu dürfen, ob diese Medaille aus echtem Gold besteht, und all die großen Eishockeynationen sollen uns dabei zusehen. Also, warum fahren wir nach Mailand? Weil wir Gold bei Olympia wollen. Deshalb!
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Erik Pannach