Von Surfern und Haien

Seit fünfhundertirgendwasnochmehr Tagen thront die Hauptstadt wieder von der Spitze der PENNY DEL-Tabelle und das, weil die unfassbar gute Arbeit des Sommers – anders als im Jahr zuvor – Früchte zu tragen scheint.

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(Foto: City Press)

Ist es zu früh für ein solches Resümee? Dickes Eisbären-Ja, surft die Aubin-Truppe doch gerade einfach die Erfolgswelle am konsequentesten. Puh, fühlt sich auch komisch an etwas wie „surfen“, was pure Freiheit symbolisieren sollte, mit einem Wort wie „konsequent“ in Verbindung zu bringen. Sehr Deutsch von mir. Naja, so erlebe ich auf jeden Fall die ersten Wochen der deutschen Eishockey-Beletage. Im Wechsel erspielen sich verschiedenste Clubs erste Miniserien, platschen kurz darauf auf die harte Wasseroberfläche und schauen von da aus betröpelt der vorbeireitenden Konkurrenz zu.

Im Nacken spürt die Top-Sechs dabei, wie könnte es in unserem fiktiven Meer auch anders sein, den bedrohlichen Hai. Auch wenn der starke Saisonstart verpufft scheint, schlechter geworden sind die Rheinländer eigentlich nicht. Sie sind nur in den Bolzplatzmodus - als der für die anderen Kids zu alte Timmy - übergegangen und hämmern ihre teils 40 Torschüsse überall hin, aber nicht ins Tor. Das dürften dann also die berühmten fehlenden Nuancen sein. Aktuell fehlen diese und das ist für einen Präzisionssport wie Eishockey ein Problem. Sagen wir also bei Köln ist es für den Moment eher eine Prise Pech, bei einer rauen Brise dicker nach Niederlage riechender Luft. Passt doch auch irgendwie zum Oktoberbeginn.

Etwas mehr Selbstverschulden finden wir in München und Mannheim. Zwischen Systemwechseln und Reihenumstellungen, mitten in die vielleicht überzeugendsten Dekaden beider Clubs, gehen nun also Punkte verloren. Es ist, wie mit einer Eishockeyausrüstung beim Wings for Life mitzumachen – man macht sich das Leben unnötig selbst schwer. Wir als Nicht-Trainer müssen die Intentionen der gestandenen Headcoaches ja nicht nachvollziehen können, faktisch ist aber auch noch genug Zeit für Experimente, das kann also noch werden. Himmel Herr Gott, natürlich kann es nach neun Spieltagen noch werden. Wovon sprechen wir hier überhaupt? Ist doch alles keine Heizkostennachzahlung im Jahre 2023, einfach nur zu verfrühte Schlüsse über Experimente der Tabellenplätze vier und fünf.

Viel greifbarer, bedrohlicher, existenzieller wirken da die Sorgen in Düsseldorf, Augsburg, Nürnberg und Iserlohn. Ohne jetzt bereits Schlingen um Hälser zu legen und zu weiteren Hex…..Trainervertreibungen animieren zu wollen, sollten besagte Standorte zumindest bereits Deeskalationstermine in ihren Kalendern verankert haben. Ganz getreu dem Motto: „Planlos geht der Plan los“. Hoffnung gibt’s dabei doch für alle. Augsburg zwang Köln und Mannheim erst in die Zugabe, Düsseldorf operierte mit nachweislich hohem Verletzungspech, Nürnberg hat ja dann doch ein Drittel der Spiele gewonnen und Iserlohn….Ja gut, ehm, es bleibt noch genügend Zeit.

Machen wir es heute mal umgekehrt und bringen zum Schluss das Qu-Qu-Qu-Qu-Quiz! Bereit? Steve Walker……, Maksim Matushkin……., Straubinger Defensive…… Habt ihrs? Natürlich sind das die bisherigen Highlights der laufenden Saison und vor allem erstgenannter ist für mich absoluter Sympathieträger. Walkers erste Schritte, nach der Zeit an Don Jacksons Seite, als Headcoach sind von übermäßigem Erfolg getragen. Wahnsinn, gönne ich ihm das nach der harten und frühen Kritik der Vorbereitungszeit. Maksim Matushkin hat für mich schon heute das Potenzial der rückblickende, ligaweite Deal des Jahres zu werden und der Pulverturm hat es tatsächlich geschafft, das auf dem Papier befindliche Betonrezept, auch in zusammengerührter Form aufs Eis bekommen zu haben.

Ja, die DEL hat an Qualität zugelegt und das ganz sicher nicht nur innerhalb der Meisterkandidaten. Ob sich zu diesem Kreis auch wirklich alle Clubs zählen dürfen, werden uns wohl erst die kommenden Wochen zeigen können. Bis dahin, haltet die Ohren steif.
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Erik Pannach