What´s up, Bietigheim?

So! Zeit für Tacheles! Der Deutsche Meister ist gefunden, die DEL-Saison offiziell Geschichte. Guter Zeitpunkt für uns, um vor der anstehenden Weltmeisterschaft nochmal eine neue Rubrik zu starten, in der wir auf alle 15 DEL-Standorte der letzten Spielzeit blicken. Wir arbeiten uns von unten nach oben und starten in Bietigheim.

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(Foto: Grizzlys Wolfsburg - City Press)

Das Positive: Zusammenhalt!

Man muss sie schon respektieren, die aktiven Steelers-Fans. Das war beileibe keine einfache Saison. Der Abstieg stand einige Wochen, vielleicht sogar Monate vor Ende der Hauptrunde praktisch fest. Trotzdem pilgerte man weiter ins Stadion, tat dabei seine Meinung teils deutlich kund und schaffte so Veränderungen. Man hat Rückgrat bewiesen und dieser Zusammenhalt geht direkt einher mit einer zweiten positiven Sache: einer neuen Chance.

Unwort des Jahres: verbessert!

Diese neue Chance gibt es, weil in der Geschäftsführung alles auf links gekrempelt wurde. Ich hatte es ja in einem vorherigen Blog bereits angesprochen: Das Werk von Volker Schoch in Bietigheim war ein respektables. Nun aber, war wohl die Zeit gekommen, sich zu trennen. Im Sommer wurde geäußert, man habe sich auf jeder Spieler-Position verbessert. Pustekuchen.

Der Rückblick: ernüchternd!

Riley Sheen wurde nicht annähernd ersetzt, der Großteil der Kontis war ein Ausfall. Die deutschen Jungs konnten nur bedingt an die Leistungen aus der DEL-Premierensaison anknüpfen und so war es ein aussichtsloses Unterfangen für Neu-Coach Kangasalusta. Insgesamt wurden auf dem Spieler-Sektor zu viele falsche Entscheidungen getroffen. Aittokallio ist ein herausragender Goalie, konnte aber verletzungsbedingt erneut nur 27 Spiele machen. Der vermeintliche #1-Defender Atkinson wurde zum Flop der Saison. Positionen, die man als finanzschwacher DEL-Standort nicht falsch besetzen darf.

Der Blick nach vorne: ungewiss!

Was steht nun also an im Ellental? Mit Dean Fedorchuk präsentierte man eine durchaus überraschende Lösung auf der Trainerposition. Kann funktionieren, auch wenn es Fragen aufwirft, dass seine letzte Cheftrainer-Station über zehn Jahre zurückliegt. Positiv zu bewerten aber auf jeden Fall, dass er mit dem Ziel nach Bietigheim kommt, junge Spieler weiterzuentwickeln. Die Kooperation mit Mannheim scheint möglich und bietet den Steelers die Chance zum Neuanfang, den es dringend braucht. Man sollte im Bietigheimer Umfeld nicht den Fehler machen, direkt zu erwarten, wieder ganz oben in der DEL2 mitzuspielen. Krefeld ist das beste Beispiel, wie schwer ein Abstieg sein kann – und die Pinguine hatten ein deutlich größeres Budget als es die Steelers haben werden. So hat das Duo Rustige/Naud keine einfache Aufgabe vor sich, denn Naud muss erstmal beweisen, dass er den Job als Sportdirektor im Kreuz hat.

Das Team 23/24: Fragezeichen!

Wenige Kader sind – öffentlich bekannt – so unvollständig gefüllt wie der der Steelers. Klar, man hatte einen Umbruch im Front Office, konnte vergleichsweise lange nicht planen. So entschieden sich beispielsweise Constantin Braun und Tim Schüle für einen Wechsel. Doch die ersten fixen Personalien sind durchaus spannende. In der Verteidigung finden sich zwei erfahrene und zwei hochtalentierte Youngster, passt soweit. Wichtig wird sein, dass die Kontingentposition in der Verteidigung mit keinem Atkinson-Kaliber, sondern eher mit einem Andress-Kaliber besetzt. Selbiges gilt natürlich auch für den Sturm: Die vier Kontis müssen in der DEL2 sitzen und haben einen noch höheren Stellenwert als in der DEL. Jack Doremus ist dafür ein hervorragender Anfang – ihn vermisst man in Landshut jetzt schon. Auch Cressey, Lascheit und Preibisch sind wichtige Eckpfeiler, Zientek soll ebenfalls verlängert haben. Der deutsche Sektor dürfte also passen. Ein gutes Grundgerüst. Problematisch darf aktuell das Tor gesehen werden. Egal, ob da nun Schmidt oder Andryukhov als Nummer eins präsentiert werden. In einem möglichen Trio mit Förderlizenz-Goalie Mnich und Youngster Doubrawa bereitet das Bauchschmerzen.

Die Zielsetzung: Top sechs!

Man tut gut daran, erstmal kleine Brötchen (oder heißt das bei euch „Weckle“?) zu backen. Es könnte ein Jahr der Anpassung werden, die neuen Strukturen müssen sich erst einspielen und die DEL2 ist gerade in der Spitze seit dem letzten Besuch der Steelers nicht schlechter geworden. Ravensburg, Dresden und Krefeld werden angreifen, Kassel ist sowieso weit oben gesetzt. So sollte man in Bietigheim das Minimalziel der direkten Playoff-Qualifikation ausrufen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Denn man möchte mittelfristig ja wieder ganz oben ran.
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Simon Rentel