What´s up, München?

Wer glaubt der Frühling lasse auf sich warten, dem rate ich zum Blick nach München. Über dem Olympiapark strahlt die Sonne nach einer rekordverdächtigen Saison und dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft fleißiger denn je. Das Ganze wird von Vorfreude unterstützt die sich auf die 450 Meter entfernte rosige Zukunft des Clubs, des im Bau befindliche SAP-Garden, bezieht. Ist doch alles fast zu schön, um wahr zu sein.

Vorlage Blogbild

Das Positive: Die Identität bleibt erhalten!

Toni Söderholm übernimmt die Geschicke an der Taktiktafel und mit ihm wird ein Trainer installiert, dem der pochende Bulle in der Brust nicht erst eingepflanzt werden muss. Unter Vorgänger Jackson war er bereits Titelträger als aktiver Spieler, machte seine ersten Trainererfahrungen beim Koop-Partner in Garmisch und bringt schon heute einen Hauch der Don-Jackson-Aura mit. Die Personalentscheidung macht absolut Sinn, könnte eine nächste lange und erfolgreiche Amtszeit einläuten und birgt dennoch ein gewisses Risiko.

Unwort des Jahres: Abschied!

Der Titelgewinn hat in diesem Jahr eine Schattenseite, auch wenn diese eine so negative Sichtweise kaum verdient hat. Don Jackson verlässt nach 35 Jahren auf der Trainerbank die Eishockeybühne und hinterlässt Fußstapfen, welche beinahe unmöglich auszufüllen sind. Doch nicht nur das lässt eine Ära des Münchner Eishockey enden, denn mit Namen wie Seidenberg, Boyle und aus den Birken verliert der Verein prägende Gesichter einer überaus erfolgreichen jüngeren Vergangenheit.

Der Rückblick: Es ist einsam an der Spitze!

Mit 2960 Metern ist die Zugspitze, der höchste Berg Deutschlands, ganz in der Nähe der Münchner und dient hier und jetzt als perfektes Sinnbild der Red-Bulls-Saison. Zu Beginn, am Fuße des Berges, tummeln sich alle auf einem Haufen, umso höher man kommt, umso einsamer wird es und schlussendlich bleibt totengleiche Stille am Gipfel. Im Laufe der Hauptrunde enteilten die Jungs vom Oberwiesenfeld der Konkurrenz, kratzten an Rekorden und schienen unbesiegbar. Auch wenn dieses Prädikat in den Playoffs einige Kratzer bekam, führte der Weg ungebremst zum Titel.

Der Blick nach vorne: Reichen die Reize?

Der Blick zur Konkurrenz nach Mannheim und Berlin sollte Eindruck machen und doch scheint es für den Moment nicht so als würde München sich in die Transfer-Offensive einklinken wollen. Der Stamm bleibt dem Club erhalten, was nach einer von Dominanz geprägten Saison auch durchaus nachvollziehbar ist. Einzelne Personalien, vor allem im Bereich der Kontingentspieler, werfen dennoch Fragen auf und bestehen einen Leistungsprüfstand aktuell nicht makellos. Faktisch fehlen aus aktueller Sichtwarte neue Konti-Impulse und wie oft betonte Jackson die Bedeutung solcher? Im deutschen Sektor gab´s dafür den Dreierpack bayerischer Verwurzelung und zu Kalibern wie Bittner, Krämmer und Eisenschmid MUSS gratuliert werden.

Die Zielsetzung: Meister!

Was kann der amtierende Deutsche Meister, gleichzeitig einer der finanzkräftigsten DEL-Standorte, schon für andere Ziele ausgeben als die Titelverteidigung? Hinter diesem Pro-forma-Ziel stecken in der kommenden Saison aber wichtigere Etappenziele und da wäre ja immer noch der offen kommunizierte Traum des internationalen Titels – der Champions Hockey League. Lange Rede, kurzer Sinn: Ein Tiefstapeln kauft den Red Bulls keiner ab und trotzdem dürfte es den Verantwortlichen in erster Linie wichtig sein das neue Trainerteam erfolgreich und nahtlos zu installieren.
_
Erik Pannach