What´s up, Wolfsburg?

Wer in den letzten drei Spielzeiten zweimal das Halbfinale und einmal sogar das Meisterschaftsfinale erreicht hat, der kann nicht so viel falsch gemacht haben. Richtig! Die Grizzlys Wolfsburg haben sich zu einem Schwergewicht der DEL gemausert. Doch irgendwie werden die Grizzlys dennoch weiterhin unterschätzt. Aber warum?

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(Foto: Grizzlys Wolfsburg - City Press)

Das Positive: Halbfinale, Spiel sieben!

Hört sich blöd an, weil das Ausscheiden im alles entscheidenden Spiel sieben und gegen den späteren Meister aus München passierte. Aber alles in allem muss man vor der Arbeit in der VW-Stadt den Hut ziehen. In den letzten drei Jahren zweimal Halbfinale und einmal Finale. Der eingeschlagene Weg ist nicht nur der richtige, sondern wird über kurz oder lang zum ganz großen Erfolg führen. Am Ende fehlte auch das Quäntchen Glück und die ein oder andere Minute Verschnaufpause für die Duracell-Spieler um Jordan Murray.

Unwort des Jahres: Cancer!

Es war sicherlich eine Schocknachricht, nicht nur in Wolfsburg, sondern in der großen Eishockey-Familie, die uns im Dezember 2022 erreichte. Rhett Rakhshani musste seine Karriere inmitten der Saison beenden. Obwohl er im letzten Spiel für die Grizzlys noch zwei Tore geschossen hatte und richtig Fahrt aufgenommen hatte. Doch keine Verletzung schmiss ihn aus der Bahn, sondern eine Krebserkrankung seiner Frau zwang den 35-Jährigen zur Aufgabe. Bemerkenswert, wie der Verein dies in der Folge kommunizierte und hinter seinem (Ex-)Spieler stand. An dieser Stelle drücken wir weiterhin alle Daumen, dass Shar Rakhshani weiterhin so stark kämpft. Keep fighting!

Der Rückblick: Umbruch deluxe!

DeSousa weg, Gaudet weg, Rech weg: Man durfte sich durchaus Sorgen machen, um die Leistungsfähigkeit der Grizzlys. Erneut stand ein großer Umbruch an, den Charly Fliegauf und Mike Stewart aber – ebenfalls erneut – mit Bravour meisterten. War die Hauptrunde vielleicht noch etwas enttäuschend, gelang es den Grizzlys in den Playoffs zu einem extrem eklig zu bespielenden Gegner zu werden.

Der Blick nach vorne: Neun Kontis!

Ja, schon klar. Komische Überschrift. Durch den Wegfall von Back-Up Justin Pogge können die Wolfsburger aber nun eine der wertvollen Ausländerlizenzen wieder ins Feld vergeben. Das gibt zusätzlichen Spielraum. Zudem wurde die vakante Goalieposition mit Hannibal Weitzmann in herausragender Manier besetzt. Mit Dustin Strahlmeier findet sich eines der besten Goalieduos kommende Saison in Wolfsburg.

Das Team 23/24: Frisches Blut!

Es liest sich so, als ob Chef-Strippenzieher Charlie Fliegauf wieder einen Plan hat. Ähnlich wie beim „The A-Team“-Boss Hannibal, der es auch liebt „wenn ein Plan funktioniert“. Natürlich wiegt der Abgang von Galionsfigur Dominik Bittner nach München schwer. Bleibt abzuwarten ob John Ramage diese Lücke schließen kann. Wenn Fliegauf dann aber Offensivverteidiger Ryan O’Connor aus dem Ärmel schüttelt, sieht auch der Defensivverbund nochmal wesentlich stärker aus. In der Abteilung Attacke bleibt das Gro zusammen, Chris Wilkie möchte in einem stärkeren Team als Bietigheim noch mehr glänzen. Mit Justin Feser und Julian Chrobot stehen weitere Neuzugänge in den Startlöchern. Genau wie die Personalie Timo Ruckdäschel, den die Grizzlys aus der Red Bull-Akademie weglotsen konnten.

Die Zielsetzung: Top sechs!

Ich sehe keine Gründe, wieso die Grizzlys tiefstapeln sollten. Mit einem eingespielten Kader, ergänzt durch sinnvolle Transfers werden die Niedersachsen sicherlich wieder in der Hauptrunde um die direkten Playoffplätze mitspielen. Danach kommt es wieder auf Erfahrung, Reife und Mentalität an. Dies haben die Wolfsburger wie kaum eine andere Mannschaft.
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Max Ostermaier