Wiesn-Finale mit bissigen Haien
Die Haie, welche von HU-DA-CEK zu neuer Stärke geführt wurden, mussten am letzten Wiesn-Tag in der bayerischen Landeshauptstadt ran. Am Sonntag wurde U20-Goalie Dean Döge auch von den Kölner Haien lizenziert.

(Foto: City-Press)
Dank der Kollegen von Sharkbite hat man vor dem Spiel auf einen Blick die Kaderveränderungen erhaschen können. Aubry und Storm sind wieder im Lineup dafür sind Almquist und Tropmann raus. Für die Hausherren gab es eine Veränderung im Lineup, Kapitän Hager ist raus und Varejcka rein, das Amt des Kapitäns übernahm Maxi Kastner, welcher von Mo Müller vor dem Spiel mit einem Lächeln begrüßt wurde. Beide Teams hatten in den ersten fünf Spielminuten Großchancen, aufseiten der Hausherren war es Chris DeSousa - wer auch sonst - doch diese wurde von Hudacek vereitelt und bei den Haien scheiterte Aubry am Gestänge. Wie sollte es auch anders sein als Justin Schütz mit dem Führungstreffer für die Haie. Er konnte laufen und zündete, wie man es gewohnt ist, den Turbo, zog trocken ab und brachte die Gästefans zum Jubeln. Kurz vor Drittelende konnte der Münchner Neuzugang Taro Hirose die Heimfans zum Jubeln bringen und man konnte mit einem Remis in die Pause bringen, obwohl die Haie nochmal alles versuchten um die Führung wieder zu erzielen.
Das zweiten Drittel begann wie das erste endete, mit großem Druck der Haie. Beide Teams wollten in Führung gehen und man schenkte sich keinen Zentimeter Eis. So wurden die Checks zu Ende gefahren, aber im Großen und Ganzen war es eine sehr fair geführte Partie beider Teams. Durch einen fatalen Fehlpass von einem Münchner konnte Currie die Scheibe hinter Simon Wolf ein weiteres Mal einschlagen lassen. Die Münchner bleiben davon unbeeindruckt und spielten weiter ihren Stiefel runter. Die Partie am Sonntagnachmittag verfolgten 8079 Zuschauer in der Halle und bekamen ein munteres Spielchen zu sehen. Man erwartet vieles, aber dass im zweiten Drittel die am häufigsten ausgesprochene Strafe „zu viele Spieler“ werden würde, eher nicht. Im Powerplay der Haie hatte Andy Eder die beste Chance, doch er scheiterte an HU-DA-CEK (geht einfach nicht anders). Kurz vor Ende hatte Justin Schütz nochmal die Chance die Führung auszubauen, doch hier war diesmal Endstation Simon Wolf. Damit konnten die Haie ihre Führung mit in den letzten Spielabschnitt nehmen.
Im letzten Spielabschnitt starteten die Haie mit einem guten Angriff und Brooks musste die Notbremse ziehen, was zur zweiten Überzahl der Haie führte. Diese Überzahlsituation nutzen die Haie auch durch Grenier, welcher den Rebound verwertete. Auch hiervon blieben die roten Bullen unbeeindruckt und setzten sich im Drittel der Haie fest, aber Endstation war das Gestänge des Kölner Tors. Im Powerplay kombinierten sich dann Brooks, Rieder und DeSousa zum Anschluss. Bei all der Freundlichkeit wurde der Ton dann doch mal ruppiger und Aubry und Brooks rangelten. Vermutlich ging es nur darum, wessen Schläger schöner getaped ist. So waren noch weiterhin 45 Sekunden Powerplay für die Red Bulls und Eisenschmid holte nicht den Hammer raus, sondern die ganze Werkzeugkiste und sorgte damit für den Ausgleich. Wenig später kombinierte sich die Haie durch Justin Schütz wieder in Führung. Dem Ex-Münchner scheinen die Spiele gegen seine alten Mitspieler besonders Spaß zu machen. In den fünf Partien gegen die Münchner kommt er bereits auf sieben Punkte. Das sollte noch nicht der Schlusspunkt am Sonntagnachmittag gewesen sein, Eisenschmid wurde von Blum bedient und feuerte auf das Tor, wo Ben Smith unhaltbar für Hudacek abfälschte. Was für ein Spiel! So verhalten das erste Drittel war, so viel Spaß machten die anderen beiden Spielabschnitte. Justin Schütz der Kölner Heiland! Knapp fünf Minuten vor Ende sorgte Schütz für die erneute Kölner Führung und machte mit seinen achten Punkt gegen die roten Bullen. Auch der Empty Netter zwölf Sekunden vor Ende ging auf das Schütz-Konto und war der neunte Punkt gegen München. Nach dem Spiel nahm sich Haie- und Nationalmannschafts-Kapitän Moritz Müller Zeit für ein Interview.
Moritz Müller, wie würden Sie das heutige Spiel zusammenfassen?
Moritz Müller: “Zunächst war es toll, den SAP Garden kennenzulernen. Eine tolle Halle für das deutsche Eishockey, so ein Setup hier ist wirklich klasse, es hat Spaß gemacht. Zum Spiel: Ich denke, dass wir eine konzentrierte Leistung heute auf das Eis gebracht haben. Die ersten acht Minuten haben wir ein bisschen gebraucht, um in das Spiel zu finden, uns vom Druck der Münchner zu befreien, dann haben wir wirklich gut gespielt. Am Ende wurde es ein bisschen wild, da ging es hin und her, da haben wir die Nerven nicht verloren und als es kritisch wurde, konnten wir zum Glück das Spiel dann noch gewinnen mit einem starken Justin Schütz.“
Sie spielen schon länger in der PENNY DEL. Wie beobachten Sie die aktuelle Entwicklung über die letzten Jahre?
Moritz Müller: „Ich finde, dass sich die PENNY DEL toll entwickelt hat in den Jahren. Ich fange jetzt mal von ganz von vorne an, seitdem ich dabei bin. Es gab ja dieses „Bosmann Urteil“, danach waren kaum noch Deutsche in der höchsten deutschen Liga, viele deutsche Spieler waren in der zweiten Liga. Die Nationalmannschaft ist in die Zweitklassigkeit abgestiegen und mit dem Erstarken der deutschen Spieler an den verschiedenen Standorten ist auch die Nationalmannschaft wieder aufgestanden. Früher gab es öfter Schwierigkeiten bei Vereinen. Man konnte die Gehälter nicht bezahlen etc. und mittlerweile sind die Standorte sattelfest, man hört keine komischen Geschichten mehr, es ist alles grundsolide. Wir haben die zweitmeisten Fans unter den Teamsportarten in Deutschland. Das ist eine wirklich tolle Entwicklung.“
Ihre Karriere in der Nationalmannschaft dauert schon einige Jahre an, Sie durften bei beiden Medaillen dabei sein, sind inzwischen auch Kapitän der Nationalmannschaft. Wenn Sie zurückblicken, zum Anfang Ihrer DEB-Zeit, wie würden Sie Entwicklung beschreiben?
Moritz Müller: „Die Nationalmannschaft für mich etwas von der Geschichte vom schwarzen Schwan. Das deutsche Eishockey war sehr lange Komplex behaftet. Ich kann mich an meine erste WM ändern, das war 2009. Die WM war damals in Bern und wir hatten Probleme, zehn Leute zu finden, die Powerplay spielen im Verein. Wir hatten dann Christoph Schubert noch, der aus NHL kam, der durfte dann Powerplay spielen weil er schließlich auch in der NHL gespielt hat, aber richtige Powerplayspezialisten hatten wir nicht, weil kaum deutsche Spieler in den Vereinen diese Rolle hatten. Durch das Erstarken der deutschen Spielern an den Standorten - wie ich auch vorher schon erwähnte - hat die Nationalmannschaft irgendwann ihren Komplex abgelegt. Ganz früher kann ich mich erinnern - 2014 oder 2015 – sind wir bei einer WM angetreten, um dabei zu sein und um nicht abzusteigen. Der Nicht-Abstieg war unser Ziel und dann kam Marco Sturm und damit hat sich alles geändert. Marco Sturm hat uns den Glauben an uns zurückgegeben, da gibt es für mich drei Schlüsselerlebnisse. Einmal das Viertelfinale in Moskau gegen Russland, welches wir verloren haben - ganz knapp. Wir waren happy und er war richtig sauer nach dem Spiel, das war für uns so: „Okay, der hat echt gedacht, wir könnten Russland besiegen hier!“ Im nächsten Jahr - bei der Heim WM in Köln - haben wir knapp gegen Kanada verloren und da waren wir dann selbst schon ein bisschen angefressen. Dann kam die Olympiaqualifikation in Riga, wo wir drei Spiele gewinnen mussten und das hat uns brutal zusammengeschweißt. Als wir dann 2018 angereist sind, waren wir bereit vom Kopf wirklich auf Sieg zu spielen. Durch die Erfolge kam Toni Söderholm, er hat den Weg weitergeführt und auf ihn folgte Harold Kreis, der auch den Weg weiter gegangen ist. Deswegen würde ich sagen, hat sich der DEB in der Nationalmannschaft richtig toll entwickelt und ich bin ganz stolz auf alle Menschen, die da arbeiten.“
Sie sind aktuell der aktive Spieler mit den meisten Spielen in der PENNY DEL. Ein gewisser Mirko Lüdemann hat den Rekord, haben Sie diesen Rekord als Ziel beziehungsweise schwirrt das im Kopf herum?
Moritz Müller: „Nein, nein. Ich habe das immer nur im Kopf, wenn ich darauf angesprochen werde. Für mich ist es tatsächlich noch so weit weg, dass ich es mir gerade nicht vorstellen kann. Man soll niemals nie sagen, aber ich hätte kein Problem damit, wenn Lüde (Mirko Lüdemann) den Rekord behält.“
Vielen Dank für das Interview und vielen Dank für ein unterhaltsames Spiel, liebe Red Bulls und Kölner Haie.
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Moritz Mühlbauer





