Zahltag rückt näher
Das erste American-Football-Wochenende ist durch und das mit - BOOM - über 6000 Besuchern in München, 10500 in Dresden, 12600 in Düsseldorf und sagenhaften 32500 in Hamburg. Zudem sind Tickets für das Meisterschaftsspiel in Duisburg nach wenigen Stunden zu über 80% vergriffen und auch da sprechen wir von einer Größenordnung jenseits der 25.000. Der American-Football-Wahnsinn erreicht endgültig auch Deutschland und das mit roher Gewalt, hätten das letztjährige Gastspiel in der Allianz Arena zwischen den Seattle Seahawks und den Tampa Bay Buccaneers doch gern drei (!!!) Millionen Zuschauer besucht.

(Foto: City-Press)
Was hat eine solche Einleitung thematisch mit dem Eisblog zu tun? Nach Diskussionen darüber, ob Eishockey, Handball oder Basketball die Rolle des zweitbeliebtesten nationalen Sports einnimmt, scheint sich eine ernüchternde Antwort anzudrohen: TOUCHDOWN! Und mal wieder komme ich an den Punkt mir ernsthafte Sorgen um eine eigentlich aufblühend wirkende Zukunft meines geliebten Eishockeys zu machen. Wie kann das neu gegründete Franchise der Munich Ravens am ersten Wochenende, in suboptimaler Lage des Münchner Umfeld, selbst für die Verantwortlichen überwältigende Zuschauerzahlen einfahren. Die Red Bulls kämpfen seit Jahren erbittert für einen DEL-tauglichen Zuschauerschnitt und das trotz optimaler Lage im Herzen der Stadt. Beginnt in vielen Städten nun ein erbitterter Kampf um, in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten, die letzten verbleibenden Sponsoren? Die Gunst der zahlenden Besucher? Und haben die beispielsweise Dresdner Eislöwen oder Düsseldorfer EG überhaupt eine Chance der Marktübernahme dieses neuen Konkurrenten entgegenzuwirken?
Eins ist Fakt, während der Großteil der Eishockeylandschaft sich seit Jahrzehnten auf Erreichtem ausruht und Ideen der Modernisierung/Digitalisierung nicht über die Schwelle der Konferenzräume kommen lässt, wagen die NFL-angelehnten Franchises die mutigen Schritte in die Zukunft, treffen den Nerv der Zeit und stellen mal wieder unter Beweis: Nordamerika zeigt im Sportgeschäft, wie der Hase läuft.
Weshalb ist jede deutsche Innenstadt überflutet mit Seahawks-, 49ers- und Packers Caps? Das sind Sportclubs vom anderen Ende der Welt und wir hätten doch so viele Traditionsvereine, auf die wir unfassbar stolz sind. Ich persönlich habe ehrlich auch keine Lust auf minderwertige Qualität von Herstellern, die selbst über die Google-Suche kaum zu finden sind und das zu an die Global-Player angelehnten Preisen. Es wäre doch so simpel: entwerfe Merchandise, welches Lifestyle-tauglich ist. Nichts anderes macht der Trendsport aus den USA und führt die Konkurrenz damit am Nasenring durch die Manege.
Vor allem die Vereine und Ligen müssen sich schleunigst etwas von dieser selbstbewussten Attitude abschauen. „Kommt doch gern zu uns und schaut uns beim Eishockey spielen zu“ reicht heute einfach nicht mehr und die Plakatwand am Stadtrand will auch endlich in die wohlverdiente Rente gehen. Die NFL und ihre Ableger dominieren die Zukunft - das Internet macht jedem rund um den Kontinent klar „schau mir zu, sonst verpasst du was“. Deswegen droht ein Arschtritt von diesem Frischling, wenn wir unsere Stärken nicht endlich für uns nutzen. Der Zahltag fürs Ausruhen rückt immer näher und das reine Jammern hilft dann auch keinem mehr.
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Erik Pannach





