Community-Blog: Oberligafinale Weiden – Rosenheim

Heute Abend beginnt das Finale der Oberliga und der Süden ist unter sich. Erster gegen Zweiter, Weiden gegen Rosenheim. Das verspricht Spannung. Höchste Zeit sich dieses Duell genauer anzusehen.

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(Foto: Tobias Neubert)

Euphorie beherrscht in dieser Woche beide Vereine. Das Heimspiel von Rosenheim, Spiel zwei der Serie, war innerhalb von weniger als zehn Minuten ausverkauft. In Weiden gab es eine kilometerlange Schlange um an die begehrten Tickets zu kommen. Weiden ist aus dem Häuschen, ganz Rosenheim fühlt sich an die 1980er erinnert. Das Stadion fasst im Moment 5022 Zuschauer, nach Angaben der Rosenheimer Verantwortlichen hätte man mehr als das Doppelte an Tickets verkaufen können. In puncto Stadion und Euphorie hat Rosenheim einen Vorteil, der Heimrecht haben aber die Blue Devils auf ihrer Seite.

Die Mannschaften sind ausgeglichen, beide Teams agieren mit vier Reihen. Während der Hauptrunde gewann Weiden drei von vier Duellen. Doch wir alle wissen, die Hauptrunde zählt nun nicht mehr. Beim letzten Aufeinandertreffen stand für Rosenheim bereits Pöpperle im Tor und die Starbulls gewannen das Spiel 2:0. Eben jener Pöpperle ist die große Vakanz im Team der Rosenheimer. Sollte er wieder fit sein, ist der Vorteil auf ihrer Seite. Mechel und Kolarz haben in den Playoffs sehr gut gehalten, jedoch ist Hübl auf Weidens Seite nicht weniger stark. Ich sehe den Vorteil bei Weiden, wenn nicht Pöpperle auf dem Eis steht.

Die Verteidigung ist bei beiden Teams sehr gut besetzt. Weiden hat mehr Kilos auf dem Eis, dies war jedoch bereits in der Halbfinalserie gegen Halle manchmal ein Faktor. Schnelle, wendige Spieler, wie sie auch Rosenheim hat, bereiten den Verteidigern Sorgen. Hierbei kommt Rosenheim die finnische Ausrichtung zugute, da aus dem defensiven System „2-3“ heraus schnell umgeschaltet werden kann und die Verteidiger Druck über außen bekommen. Rosenheims Verteidigung steht sehr sattelfest, die Verteidiger verschließen den Slot und Pässe ums Tor herum. Die Starbulls sind ein klein wenig zu leicht in der Verteidigung, speziell wenn Allrounder Dominik Kolb im Sturm spielt. Dies bereitete ihnen Probleme in den Serien gegen Leipzig und Tilburg, die beide sehr physisch agierten. Da Weiden mehr Eishockey spielen möchte und das körperliche Spiel auch nicht in der Offensive sucht, sehe ich hier einen Vorteil für Rosenheim.

Im Sturm ist Weidens Selbstverständlichkeit abhandengekommen. Nagtzaam in einer Reihe mit Bassen harmoniert nicht so gut, wie man es sich auf dem Papier vorstellen könnte. Rubes und Heinisch sind kongeniale Partner und Davis muss man aufgrund seiner Spielmacherfähigkeiten hier auch erwähnen. Weiden hat starke Rollenspieler wie Voit und Hechtl, die man in jeder Reihe bringen kann. Sie spielen einen sehr starken Overload in ihrer offensiven Chancenkreierung sowie im Forecheck, wenn sie im offensiven Drittel die Scheibe verlieren. Sie suchen den Weg in den Slot, die Stürmer verlangsamen gerne an der blauen Linie und probieren in die Mitte zu ziehen. Daraus ergeben sich Schussmöglichkeiten oder auch sehr gefährliche Zuspiele auf die Seiten. Ein rechtsschießender Torjäger fehlt jedoch leider in dieser Hinsicht. Rosenheim spielt gerne mit der Bande im offensiven Drittel. Seitenverlagerungen spielen die Starbulls mit der schnellen Scheibe hinters gegnerische Tor. Durch diese Rotation sucht man die Zuspiele ums Tor herum. Eine sehr große Stärke von Rosenheim im gegnerischen Drittel sind die rechtsschießenden Stürmer. Schmidpeter, Reiter und allen voran Hauner sind schwierig unter Kontrolle zu halten. Letzterer gehört zu den besten Stürmern in den Oberligen und ist nicht 60 Minuten unter Kontrolle zu halten. Er ist in den Playoffs Rosenheims absoluter Unterschiedsspieler, jedoch ist die Tiefe das Gefährliche. In meinen Augen ist Rosenheim in der Spitze wie auch in der Tiefe stärker besetzt, auch wenn Weiden bisher mehr Tore geschossen hat und die Punkte gleichmäßiger verteilt waren. Sehr großes Argument ist Rosenheims Bullystärke: Oleksuk und Strodel sind Top-fünf-Bullyspieler. Die Statistiken in der Oberliga sind nicht immer als belastbar anzusehen, zeigen aber zwischen 60- und 70%-Erfolgsquote der beiden an. Im Sturm sehe ich auch einen Vorteil bei Rosenheim.

Beide Teams haben Trainer auf der Bank, die immer ein Ass im Ärmel haben. Beide können sehr variabel auf Umstellungen des Gegners reagieren. In meinen Augen hat in diesen Belangen kein Team einen entscheidenden Vorteil.

Abschließend muss man sich einfach auf dieses Duell freuen. Diese Euphorie ist ansteckend und einem Finale würdig, dies sind auch beide Teams. Mein Tipp ist, dass Rosenheim Meister wird und in die DEL2 aufsteigt. Verdient hätten es beide Teams und die Oberliga wird sich nicht freuen, welche Spieler bei der Mannschaft im nächsten Jahr auflaufen, welches das Finale verliert. Denn ganz sicher, egal ob Weiden oder Rosenheim, wird dieses Team auch wieder zu den ganz großen Favoriten gehören.
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Johannes Huber - Eisblog-Community
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