Community-Blog: Quo vadis SCB?

Die Fans in der Enztalkurve in Bietigheim haben seit jeher ein feines Gespür. So auch Mitte November 2022 als Sie nach einem schwachen Saisonstart in die zweite DEL-Saison mit einem Spruchband die Frage ‘Quo vadis SCB?’ stellten. Diese konnte der damalige Geschäftsführer Volker Schoch nicht beantworten und verabschiedete sich im Februar 2023 aus Bietigheim. Der Abstieg drohte, aber die Planung für die kommende DEL2-Saison stagnierte. Schlussendlich sollte es so kommen, die zweite Spielzeit der Schwaben in der Beletage des deutschen Eishockeys war die vorerst Letzte.

Vorlage Blogbild Kopie

(Foto: Timo Raiser)

Jetzt, mehrere Monate später, ist die Frage so aktuell wie nie zuvor! Neue Liga, neue Geschäftsführung, neuer Kader und Trainer - wohin geht die Reise der Bietigheim Steelers?

Die Troika um Neu-Geschäftsführer Gregor Rustige, Rückkehrer Dany Naud und Nachwuchschef Rupert Meister, die nun den Wagen gemeinsam zieht, startete ohne nennenswertes Budget und einem Umbruch in nahezu allen Geschäftsbereichen. Am Ende kommt der Kader auf dem Papier trotzdem vielversprechend daher, was man als ersten Teilerfolg verbuchen kann. Mit Dean Fedorchuk verpflichtete man einen Coach der im Training sehr aktiv ist, viel unterwegs ist und interagiert. Nicht selten sind Trainer eher in der Beobachterrolle, der kleingewachsene Kanadier skatet bei Übungen regelmäßig mit und sucht den ständigen Kontakt zu seinen Spielern. Dies dürfte für die jungen Spieler im Kader besonders wertvoll sein.

Die ersten Trainingswochen waren hochintensiv und die Ergebnisse in der Pre-Season durchwachsen. Die Rückwärtsbewegung wirkt noch zu oft inkonsequent, die Verteidigung läuferisch zeitweise überfordert und vor dem eigenen Gehäuse nicht gedankenschnell. Zudem konnte Goalie Olafr Schmidt noch nicht an seine Leistung in den Playdowns der vergangenen DEL2-Saison anknüpfen.

Mit Stürmer Jack Doremus hingegen gelang den Verantwortlichen früh in der Transferperiode ein echter Coup. Der US-Amerikaner ist seit Tag eins der erwartete Unterschiedsspieler. Mit Niklas Heinzinger fällt ein weiterer deutscher Spieler der U23-Regel in der DEL zum Opfer, der über ein ausgewogenes Profil verfügt und das Potential zum Top-Verteidiger mitbringt.

Dazu konnten Fabjon Kuqi und Alex Preibisch überzeugen, denen in der DEL2 eine wichtige Rolle zugedacht ist. Kuqi kommt auf diesem Niveau zu mehr Abschlusschancen und zeigt, dass er mehr als ein robuster Grinder sein kann. Preibisch gilt als Gesicht des Teams, geht in seine siebte Spielzeit im Ellental und gehört mit seiner Geschwindigkeit noch immer zu den besten Dump & Chase-Spielern der DEL2.

Also: Quo vadis SCB? Eine Antwort auf diese Frage kann es noch nicht geben, auch weil sich die ganze Organisation noch in der Findungsphase befindet. Das zeigte auch das erste öffentliche Training vor einem Monat. Das Mikrofon fiel aus, der Geschäftsführer begrüßte die anwesenden Anhänger zunächst ohne. Einer der treuen Anhänger besorgte kurzerhand ein Megafon aus der Kurve - das wirkte zwar nicht gut organisiert aber verdammt authentisch nach dem offiziellen Saison-Motto ‘zusammen stärker’.

Mehr als die Playoff-Teilnahme in einem Übergangsjahr sollte man im Ellental nicht erwarten. Wichtig ist aber ein stabiles Fundament aus wirtschaftlichen und sportlichen Säulen für die Zukunft zu schaffen, die Weiterentwicklung auf und neben dem Eis voran zu treiben und dabei die zuletzt verlorene Identifikation und Nähe zum Umfeld wieder zu stärken.

_
Markus Willrett 
_

Auch dich beschäftigt ein Thema, das du gerne mit der Eishockeywelt teilen möchtest?
Schreib uns einfach eine Mail oder Nachricht auf den Sozialen Medien mit deinem Thema.