Community-Blog: Sind die Eislöwen bereit für Liga eins?

Sicherlich ist Dresden noch ein Stück davon entfernt, in die DEL aufzusteigen und dann dort auch überleben zu können. Aber gerade in den letzten beiden Jahren hat sich viel getan. Auch wenn man im Dresdner Fanlager immer wieder unterschiedliche Meinungen hört, was die Personalie des Sportdirektors Matthias Roos angeht, so hat er doch (um das mal ganz objektiv zu bewerten) einer der erfolgreichsten Dresdner Mannschaften aller Zeiten gebaut.

Ag

(Foto: IMAGO - Hentschel)

Aber blicken wir mal zurück. Vor fünf Jahren wurde in Dresden Westminster als neuer Gesellschafter vorgestellt, der viel Geld und einen gewissen Jordan Knackstedt mitbrachte. „Knacki“ war sicherlich ein Glücksgriff. Aber das Geld wurde für einige vermeintliche Topscorer rausgeworfen, die nicht in der Lage waren als Team zu funktionieren. Man musste sich als ESC-Fan drei Jahre am Stück ansehen, wie wir unseren Erwartungen hinterherhinkten. Der traurige Höhepunkt dann der vorletzte Platz in der Hauptrunde 2020/21.

Ab da wurde alles anders. Westminster raus, breitere Sponsorenlandschaft rein. Wirtschaftlich steht der Club jetzt auf einem sicheren Fundament. Dazu kam Matthias Roos und baute ein Team mit jungen Wilden ohne die ganz großen Scorer (naja, eben bis auf Knackstedt). Mit einem in Deutschland nahezu unbekannten Goalie, mit zwei Imports als Verteidiger und mit noch mehr jungen Deutschen, die sich in der DEL noch nicht durchsetzen konnten und einen zweiten Anlauf wagen wollten.

Ich weiß noch wie wir uns im Sommer 2022 fragten, wie das funktionieren soll. So ganz ohne die großen Namen und einem unbekannten Goalie, der relativ wenig Eiszeit hatte in den letzten Jahren. Doch dieses Team funktionierte als Mannschaft wie eine perfekt geölte Maschine. Schwendener erwies sich als der Glücksgriff schlechthin. Die Mannschaft wuchs zusammen und so über sich hinaus. Zwei Jahre in Folge Top sechs: Balsam für die geschundene Dresdner Fanseele.

Aber es gibt ja überall Baustellen. Die Karussellfahrt auf dem Trainerposten schien mit Brockmann zur Ruhe gekommen. Aber falsch gedacht. Weiter geht die wilde Fahrt.

Und dann ist da noch das Problem „Playoffs“. Die Mannschaft hat es in der Endrunde bisher noch nicht geschafft, die PS der Hauptrunde aufs Eis zu bringen. Und das im zweiten Jahr in Folge. Woran das liegt, lässt sich als Fan natürlich erstmal schwer beurteilen. Im Idealfall wissen Roos, Walsdorf und wer auch immer Trainer wird was zu machen ist. Das wird der Sommer und dann eine erneut lange Saison zeigen.

Und eins ist auch klar, dieser Sommer wird lange nicht so ruhig wie der letzte an der Elbe. Mit Knackstedt verlässt nicht nur der Topscorer das Schiff, sondern auch der Captain und Leader des Teams. Eine schwer zu ersetzende Personalie, zumal er ja bekanntermaßen einen deutschen Pass besaß. Zur Wahrheit gehört auch, dass man ihm sein Alter anmerkte. Trotzdem muss ein Ersatz auf ähnlichem Niveau erst einmal gefunden werden. In der Verteidigung brechen mit Schmitz und Kolb ebenfalls zwei sehr souveräne Verteidiger weg. Aber da hat der ESC ja auch schon das ein oder andere Talent in Erfurt geparkt (mal schauen ob auch hier wieder der Weg mit den Jungschen gegangen wird). Viele gute und vor allem auch längerfristige Verlängerungen gab´s ja aber auch schon. Das Team bleibt im Kern also zusammen. Das ist aus meiner Sicht wichtig.

Egal wie, ich bin mir sicher, dass Matthias Roos auch in Zukunft keine unüberlegten Verpflichtungen tätigen wird. Was der Mann bisher tat - ich weiß, einige Dresdner sind anderer Meinung - hatte Hand und Fuß und hat die Eislöwen zumindest in der Hauptrunde wieder auf die Gewinnerstraße gebracht. Jetzt heißt es: ein Team bauen, das auch Playoffs kann. Dann wird es innerhalb der nächsten zwei bis zehn Jahre unvermeidlich sein, dass man früher oder später auch mal Meister wird und dann hoffentlich aufsteigt. Aber alles mit seiner Zeit. Dass man im Sport sowieso nichts erzwingen kann, hat das Beispiel Kassel dieses Jahr gezeigt.

Dresden entwickelt sich als Eishockeystandort prächtig und mausert sich auch nach und nach auch im Nachwuchsbereich zu einem der Topteams. Der Zuschauerschnitt war zuletzt ebenfalls wieder steigend (trotzdem sicherlich noch ausbaufähig). Hier wächst was zusammen und ich bin mir sicher, auch wenn noch nicht übernächstes Jahr oder das folgende: Dresden wird in nicht allzu ferner Zukunft erstklassig spielen.
_
Oliver Scholz - Eisblog-Community
_

Auch dich beschäftigt ein Thema, das du gerne mit der Eishockeywelt teilen möchtest?
Schreib uns einfach eine Mail oder Nachricht auf den Sozialen Medien mit deinem Thema!