Die Perversion einer Liga
Wikipedia sagt: „Perversion bezeichnet eine Verkehrung ins Krankhafte oder Abnorme bzw. ein solches Empfinden und Verhalten. Umgangssprachlich wird der Begriff vielfach für ein stark abweichendes Verhalten oder eine Entwicklung in diese Richtung verwendet“. Meiner Meinung nach könnte die Lage der DEL2 nichts besser beschreiben.

(Foto: JMD Photogpraphie)
Wikipedia sagt: „Perversion bezeichnet eine Verkehrung ins Krankhafte oder Abnorme bzw. ein solches Empfinden und Verhalten. Umgangssprachlich wird der Begriff vielfach für ein stark abweichendes Verhalten oder eine Entwicklung in diese Richtung verwendet“. Meiner Meinung nach könnte die Lage der DEL2 nichts besser beschreiben.
Vor etwas mehr als einer Woche kreuzte das Allgäuer 52-Joker-Kartenblatt die Schläger mit überbeuteten Eispiraten, was aufgrund des je außergewöhnlich herausragenden Saisonverlaufs als Topspiel deklariert wurde und schon heute eine Wiederholung bekommt. Nach kürzlichen Ergebnis-Mini-Krisen lässt der heutige Abend auch die überspitzte und voreilige Frage zu, welches der beiden Teams langsam von der knallharten Realität eingeholt wird und welches sich weiterhin dem Gipfelsturm widmet. Für Crimmitschau spricht die westsächsische Dominik-Hasek-Version Oleg Shilin, die den Laden hinten ähnlich akrobatisch zur uneinnehmbaren Festung macht, für Kaufbeuren die neuerliche Abschlussschwäche der einstigen Ballermann-Truppe, mit der eigenen Defensivstärke gepaart.
Das Betthüfperl zwischen den beiden Überraschungsteams – Ja, so überraschend ist der ESVK dann auch nicht – machen aktuell die Lausitzer Füchse und wieso das so ist, weiß keiner zwischen zwischen dem Allgäu und der Lausitz so wirklich. Oberhalb davon spielt die DEL2 ja eh keine Rolle mehr. Die Füchse überzeugen selten durch dominante Zerstörung der Gegner, umso öfter dafür durch Nervenstärke. Vier der letzten Spiele gewannen sie im letzten Drittel oder gar der Overtime und so würde „Lausitzer Sensenmänner“ doch gerade viel besser passen.
Dahinter verhält es sich nach wie vor im „Was weiß ich wer wo steht, morgen ist das eh alles anders“, das nun auch wirklich bis auf den allerletzten Platz. Die Steelers brachten in den letzten Wochen ihre Feuerkraft in die Spur und zerschossen den Rückstand auf die oberen Ränge mit roher Gewalt. Erst der EVL wurde den eskalierenden Schwaben zuletzt Herr und beendete deren sechs Spiele anhaltende Serie. Allgemein spielen die Niederbayern gegenwärtig den Phönix aus der Asche und könnten ihren absurden Drei-Konti-Plan tatsächlich noch aufgehen lassen, vielleicht sogar den Vorteil des Unterschätzten einheimsen. Über den aktuellen sechsten Tabellenplatz sollten sie ohnehin nicht kommen, ein Heimrecht in den Playoffs dürfte bei aktueller Bilanz das Viertelfinal-Aus bedeuten.
Die meisten Sorgen bereiten mir die Dresdner Eislöwen und das auch von persönlicher Warte aus, wäre ich doch ein riesiger Fan der Geschichte dieses Überraschungsaufsteigers. In der Realität ist aber kaum ein Team so stark vom Abstieg bedroht, wie Dresden und da erinnere ich gern nochmal an die - um im Kontext zu bleiben – perverse Regel-Revolution der Playdowns. Ein paar weitere Wochen im Abwärtsstrudel und die dann drohende Schlucht wird unüberwindbar, außer im Telefonbuch befindet sich die Nummer von Indiana Jones oder eines ähnlichen Heilsbringers. Diese frühe Grabsteinbestellung mag ein Hot-Take sein, aber weit weg von unrealistisch. Die Tabellennachbarn machen aktuell einen besseren Job und verlieren sich nicht in tief geschockter Tatenlosigkeit.
Rosenheim bekommt den Prügelknaben heute Abend zurück, die Offensivstärke ist ihm bei aller kürzlich verlorener Sympathie nicht abzusprechen. Dazu kommt ein auf dem Papier etwas ernüchternder Neuzugang, davon hatten wir dieses Jahr aber schon einige und nicht weniger davon zieren die Topscorerränge eins bis zehn. Regensburg trumpft weiter mit der vielleicht besten Angriffsreihe der DEL2-Geschichte und Freiburg hat mit Eero Elo ein echtes Angriffspfund vorgestellt.
Bei den DEL2-Schwergewichten verhält es sich derweil wie in der tatsächlichen Boxwelt und so scheinen die Kaliber „Klitschko“, „Tyson“ oder „Ali“ aktuell nicht mehr unter uns zu weilen. Kassel setzt sich zwar an der Tabellenspitze ab, überzeugte zuletzt dafür eher selten und brilliert in der Tabelle der kassierten Shorthander immer noch unangefochten. Krefeld rührt immer wieder neue Zutaten in den zukünftig von Popiesch trainierten Teig, davonkommt aber noch nicht all zu viel an und die Sorgen um Goldhelm MacDonald konnten ebenso noch nicht genommen werden. Bliebe der amtierende Meister, bei dem das Playoff-Monster der vergangenen Saison – Robbie Czarnik – zwar langsam ins Rollen kommt, die Konstanz dafür weiterhin das geschiedene Ehepaar spielt und nur jedes zweite Wochenende Zeit hat.
Was uns bleibt, ist die ausgeglichenste DEL2 seit Jahren und ob das am Qualitätsverlust oder -anstieg liegt, ist mir persönlich eigentlich sehr egal.
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Erik Pannach





