Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2
Habe ich um eine Erstauflage von Herman Melville´s „Mobby Dick“ gebeten? Den Raub der Mona Lisa? Forderte ich die „British Guinia 1c magenta“, also seltenste Briefmarke der Welt? Nein zur Hölle nochmal. Räumt die eigenen Missstände auf und holt die Versäumnisse des ersten Saisonviertels auf! Wir sind ja hier nicht in der Marienkäfer-Klasse einer Grundschule. Bei professionell geführten Eishockeyclubs, die nebenbei erwähnt noch möglichst erfolgreich agieren wollen, sollte das doch der Standard sein. Sicher spreche ich hier eine Minderheit an, doch genau diese will einfach nicht hören.

(Foto: City-Press)
Sorry, hab´ ich kein Verständnis. Schluss mit nett gemeinten Ratschlägen und jetzt wirklich mal Tacheles. Bad Nauheim hört den Schuss aus der Schrottflinte des Oberliga-Jägers, rettet den eigenen Arsch durch wichtige Entscheidungen und wird den Abstiegswald rechtzeitig verlassen. Klingt wie ein Hot-Take, hierfür stehe ich aber genauso mit meinem Namen, wie Claus Hipp für seinen Kinderbrei. Der vierte Konti in Crimmitschau? Vermutlich noch nicht mal in loser Kontaktaufnahme. Die Antwort auf die Null-Tore-Krise in Selb? Mehr als ungenügend und das heißt nicht, dass ich Lukas Koziol seine Qualitäten absprechen will. Das „Triptychon der Ergebenen“ vollenden die Blue Devils Weiden, die auch noch keinen Bedarf sehen ihr Kontingentspieler-Kontingent – was ein Wort - auszureizen. Klammern wir Letztgenannte aus, muss doch eins ganz klar gesagt werden. Nach namhaften Sommer-Verpflichtungen und „Um-jeden-Preis“-Verlängerungen der Vorjahres-Erfolgskaders, lasse ich fehlende finanziellen Mitteln nun wirklich nicht mehr zu. Ob Fehlentscheidungen heute oder vor fünf Monaten getroffen wurden, macht die eigene Lage im Hier und Jetzt kein bisschen besser.
Momentum-Switch. Ein schmaler Grat führt über die Deutschland-Cup-Pause hinweg. Die Gefahr seinen Drive zu verlieren ist enorm, genauso aber auch die Chance gegeben einen kleinen Neustart zu wagen. Für die von Verletzungen gebeutelten Teams sind elf freie Tage pures Gold, auch für Bad Nauheim und die Neuinstallation von Mike Pellegrims kommt der ruhende Ligenbetrieb gerade recht. Hat sich die Ausgangslage deswegen verbessert? Natürlich nicht! Doch die Frische im Kopf und der Output aus kleinsten Veränderungen kann helfen, den eigenen Mist vom Hof zu schaufeln. Bei den Qualitäts-Multiplikatoren aus Krefeld oder Kassel spare ich mir angstverbreitende Prophezeiungen. Wie aber geht es für Landshut, Rosenheim, Kaufbeuren oder auch Ravensburg weiter? Diese Standorte haben richtig Tempo aufgenommen und wie ihr alle wisst, kann ein Stolpersteinchen bei vollem Lauf zum Felsbrocken werden. Diese Pause ist ein Stolperstein. Klappt ein drüber hüpfen? Stolpern, aufstehen und zügig wieder in Tritt kommen? Stürzen und vom Feld überholt werden? Diese Liga hat Tendenzen, heißt nicht, ihr wäre die Ausgeglichenheit abhandengekommen.
Persönlicher Reset. Zugegeben, ich sehe auch nicht alle Schiedsrichter-Leistungen positiv und ich halte das für absolut normal. Die „Team-Stripes“ haben aber auch den wohl undankbarsten und gleichzeitig wichtigsten Job dieses Sports. Hinter jeder Entscheidung verstecken sich unzählige Emotionen bei Trainern, Spielern und Fans, also ergibt sich bei fast jedem Pfiff ein Gewinner und ein Verlierer – selbst wenn es dabei nur um den Zuspruch eines unerlaubten Weitschusses geht. Ich würde heute mit je einem Appell an uns, wie auch an die Herren in schwarz und weiß schließen. Vermehrt beobachte ich, dass unvermeidbare Fehlentscheidungen im Nachgang „wieder gutgemacht“ werden. Das ist nicht nötig, das macht nichts besser, das verschiebt und verlängert nur eine Ungerechtigkeit. Es muss menscheln, natürlich auch bei Schiedsrichtern. Trotzdem muss jede Entscheidung in ihrem eigenen Rahmen getroffen werden und nicht durch Einflüsse der Vergangenheit. Wir alle sollten dafür einen Strich ziehen, die Pause zum Durchatmen nutzen und unvoreingenommen in die nächsten Spieltage gehen. Blicken wir tief in den Spiegel wissen wir, dass keiner – vor allem Schiedsrichter nicht - dem anderen etwas Schlechtes wünscht. Warum also so angepickst verhalten?
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Erik Pannach





