Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2
Zu viel des Guten!!!!! Das Auto zeigt beim Einsteigen 36 Grad an und das Tag für Tag für Tag. Ich will jetzt schon nicht mehr. Ich will Eishockey. Ich will „ob mir die Jacke reicht?“. Ihr merkt schon, die Sommerdepression kickt dieses Jahr eher als sonst.

(Foto: Michael Pointvogel)
ALLE TEAMS ERHALTEN LIZENZ! Stadionzoff, abgesprungene Hauptsponsoren, finanziell verkalkuliert. Das letzte Jahr trieb Fans und Verantwortlichen wieder Schweißperlen á la Niagarafälle auf die Stirn. Für den Moment - zumindest auf der Seele - beendet die DEL2 all diese Sorgen mit einem Paukenschlag. „Alle sportlich qualifizierten Clubs erhalten die Lizenz“. Bei aller Kritik im Laufe einer langen Saison, die in vielen Fällen auch schlicht zu unserem Job gehört, möchte ich hier auch einfach mal den Hut vor allen ziehen, die in den Clubs hart dafür gearbeitet haben. Danke, dass ihr diese traditionsreichen - in vielen Fällen gallischen - Standorte ein weiteres Jahr durch die raue See des finanziellen Überlebens geführt habt. Danke, dass damit auch die Zukunft unzähliger Kinder hierzulande wieder auf die Eisfläche in Weisswasser, Düsseldorf, (…) führen. Unter dem Strich geht es uns allen doch auch nur darum, dass die Zukunft des Eishockeys gesichert ist.
Safespace: Allgäu! Der ESVK sind die Eltern, die sich doch ein jeder wünscht. Seit Jahren lassen sie ihre Söhne ziehen, wenn in ihnen die FOMO am meisten kickt. Merken diese dann, dass die Eishockeywelt doch sehr viel rougher als gedacht ist, dürfen sie in den wohl behüteten Schoß des liebenden Allgäus zurückkehren. Blomqvist zahlt das mit einem Feelgood-Punkt-pro-Spiel zurück, Laaksonen mit seinem unermüdlichen Kampf und Burghart? Der 23-Jährige ging als Senkrechtstarter nach Freiburg, kam dort ins Stolpern und wirft seinen Stock nun wieder über die Schulter. Der Münchner Jakobsweg, mit Halt in der Mitte, soll also der Weg zur gerade noch rechtzeitigen sportlichen Entfaltung werden. Die einstigen Buron Joker bekommen für diese Einstellung einen unzerstörbaren Kern. Das zur Familie Heimkommen am Weihnachtsfest, wo der rausgerutschte Rülpser nie unangenehm ist, sorgt für blindes Vertrauen. Identifikationsfiguren entstehen, Spieler zu denen der eigene Nachwuchs über Dekaden aufschauen kann. Das mag sicher nicht der Weg für jeden Club sein, aber es ist der perfekte für die Allgäuer.
Ruhig im Land der Steelers! 2+6+ 10= ganz ordentlich! Es ist ruhig um die Steelers geworden, was mit Berücksichtigung der Kadertiefe aber auch gar nicht so schlimm scheint. Der Aufsteiger vertraut zu beachtlichen Stücken aufs Aufstiegspersonal, verfeinert mit einem Arne Uplegger, Florian Mnich, dem heimgekehrten Benni Zientek und zwei ganz spannenden Kontis - bisher. Das lässt sich aus der Ferne ganz gut beobachten, um nicht auf Wörter wie „bodenständig“ zurückgreifen zu müssen. Die Qualität des Kaders würde ich an der einen oder anderen Stelle dennoch in der Kategorie „Schaumama“ einordnen. Vor allem das Tor bereitet mir im ersten Moment mal mehr Bauchweh, als ich es nach einer kompletten Packung saurer Goldbären bekomme - tolle Selbstbeherrschung by the way. Olafr Schmidt war in der DEL2 zumeist eher als tragische Figur eines Kaders aufgefallen. Mnich hatte zwar seine Momente, die letzte Saison zählte aber nicht dazu. Ein paar Puzzlestücke wird es noch geben, entsprechend will ich von weiterer verfrühter Kritik auch noch absehen. Dafür finde ich die Herangehensweise ans Projekt DEL2-Rückkehr ehrlich gesagt auch einfach zu sympathisch.
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Erik Pannach





