Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2
Mitte Juli werden die Transfermeldungen rarer und die ersten Gerüche von frischer Farbe ziehen über die (noch) betonierten Flächen in den Eisstadien. Ja, wir nähern uns der neuen Spielzeit!

(Foto: JMD)
Unterschiedlich neu! Bietigheim kletterte die Leiter nach dem triumphalen Finalsieg der Oberliga nach oben, Düsseldorf rutschte nach dem Fotofinish mit Augsburg höchst dramatisch ab. So unterschiedlich die Spielzeiten also für beide endeten, sie führten auf den gemeinsamen Weg in die DEL2. Für die Steelers ist das kein gänzlich neues Terrain. Ein paar Schnüffler hier, ein paar Schnaufer da und dann sollte sich der Tabellenzweite der ewigen DEL2-Tabelle auch wieder zurechtfinden können. Kurzum: Der Busfahrer der Steelers schafft die Saison auch ohne Navi. Düsseldorf hingegen kommt nach 25 Jahren Erstklassigkeit in ein völlig fremdes Gewässer. Dafür aber mit einer Hall-of-Fame-Mannschaft, was sie dann doch stark vom anderen Neuling unterscheidet. Wäre ich eingefleischter DEG-Anhänger, würde ich die Nummer auf meinem neuen Trikot wohl auslosen. Die Richtung sollte also klar sein, das Sparring im Spitzenquartett muss gesetzt sein. Die Steelers sind hingegen gut beraten - vermutlich auch bodenständig genug - sich mental von Anfang an um den Klassenerhalt zu bemühen. Der Rest ist dann die berühmte Zugabe.
Was habt ihr denn? Heute starten wir mit dem EC Bad Nauheim in die Saisonvorschau und im Vorfeld wollten wir von euch wissen, wo ihr die Kurstädter kommende Saison einordnen würdet. Das Ergebnis war für mich fast so befremdlich wie die letzte Staffel "Game of Thrones" und das soll schon was heißen. Daher einmal die ganz deutliche Nachfrage: Was habt ihr denn? Zugegeben, ich halte die Qualität jetzt auch nicht für den brüllenden Anspruch der Top sechs, aber dass gleich 80% von euch im Bestfall Pre-Playoffs erwarten überrascht sehr. Für mich ist sehr entscheidend, ob Jerry Kuhn fit bleibt. Wenn ja, wird er im Verbund mit Marius Erk, Simon Gnyp, Garret Pruden und vor allem Neuzugang MacPherson den Laden schon dicht halten. Die Offensive hat sogar echtes Eskalationspotenzial. Julian Lautenschlager oder Zach Kaiser haben im Vergleich zum Vorjahr sicher noch Luft nach oben. Davis Kochs nächster DEL2-Anlauf könnte sitzen und über die Qualitäten eines Parker Bowles oder Taylor Vause diskutieren wir ohnehin nicht, oder? Das wichtigste aber: Peter Russell ist ein Meister seines Fachs, der einige Male aus einer Hand voll Nichts etwas Großes erschaffen konnte. Und eine Hand voll Nichts findet er bei den Roten Teufeln sicher nicht vor.
Wettrüsten auf bayerisch! Rosenheim und Landshut laufen mir persönlich etwas zu stark unter dem Radar, zumindest sobald Kassel, Krefeld oder Düsseldorf den Raum betreten. Die bayerischen Lieblingsfeinde basteln echte Challenges für die gesetzten Aufstiegsfavoriten und ganz ehrlich? Meiner Meinung nach sogar die ausbalancierteren Teams. Möglicherweise wird das in der Hauptrunde noch gar nicht so zum Tragen kommen, aber eine Meisterschaft wird halt nun mal nicht dort eingefahren. Volle Hütte in Landshut, ein Tobias Lindberg, der mit der aufgeheizten Stimmung erst richtig in Fahrt kommt, und dazu die Qualität eines Elsner, Mayenschein oder Immo. Na viel Spaß! Rosenheim bietet mit Oskar Autio hingegen etwas, was den Ausdruck „aufgeheizte Stimmung“ erst gar nicht kennt. Eine besondere Fähigkeit, die das Leben der namhaften Vordermannschaft direkt um 10% erleichtert. Das sind bei beiden Teams nur kleine Puzzleteil-Beispiele von qualitativ enorm hochwertigen Kadern und - das entscheidende daran - einem echten Plan.
_
Erik Pannach





