Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2

Die DEL2 dreht schon wieder völlig am Rad. Weiden, Crimmitschau und Regensburg liefern überzeugend ab. Kassel hat im Sommer Minimalismus studiert, schließt gerade mit summa cumme laude ab und am Rhein passieren ganz seltsame Dinge.  

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(Foto: Fabian Hafels)

Keller = Angst? Was ist das eigentlich, was uns in diesen alten Häusern mit einem so unguten Gefühl in den Keller schickt. Gefahr? Ich meine klar, es ist Angst, aber wovor? Und warum spielt das Alter eines Hauses dabei eine so große Rolle? Betrachten wir die DEL2 als Lebenszyklus eines Hauses, passt das verflucht gut auf diese Frage. Wir sind am fünften Spieltag, also in einem Neubau. Freiburg, Bad Nauheim und Bietigheim bewohnen derzeit den Keller und das ist aus deren Sicht Scheiße - keine Frage, stellt aber noch kein riesiges Problem dar. Das Erdgeschoß ist nur einen erfolgreichen Abend entfernt. Freiburg muss dafür das gute Gefühl vom starken Schlussabschnitt in Landshut mitnehmen. Bad Nauheim muss sich nach einem brachialen Wochenende gegen Krefeld und Ravensburg am kommenden „nur“ belohnen und Bietigheim die eigene Weiterentwicklung - eventuell mit einer Dostie-Nachbesetzung - vorantreiben. Alles machbar. Aber: Spätestens am 52. Spieltag ist dieses fiktive Haus eine alte Bude mit flackerndem Licht, Spinnweben in den Ecken und einer echten Bedrohung im Keller. Dann willst du deine Hausaufg… arbeiten lieber gemacht haben.

Weiden ist Weiden! Was die Blue Devils an den ersten vier Spieltagen abreißen ist bei allem Respekt völlig absurd. Wir unterhalten uns durchweg über Qualität, die Bedeutung einzelner Positionen, kurzum Dinge, die in der Oberpfalz so wichtig sind wie einer italienischen Nonna das tatsächliche Rezept. Die Blue Devils haben in jedem Spiel gepunktet, darunter drei Siege eingefahren. Felix Noack schließt an, wo er letztes Jahr aufgehört hat - mit 20 Jahren - und sein Partner McNiven hat all die Skepsis ihm gegenüber am Ende so gar nicht verdient. Rubes und Ward sind völlig außer Rand und Band. Sie haben sich von der Leine gerissen und verwandeln die Hundewiese zu einem Ort des Grauens - also für alle anderen. Herrchen Buchwieser beobachtet das Ganze mit einem Lächeln auf den Lippen, wirft hier und dort einen Blick über die Schulter und coacht den Rest der Bande von Punkt zu Punkt weiter. Mein Urinstinkt rät mir nun etwas von „so geht’s sicher nicht weiter“ zu schreiben und dabei aufs Alibi-Achtung-Abstiegskampf-Lineup zu verweisen. Aber Weiden wird verdammt nochmal seinen Weg gehen und ich finds ziemlich geil zuzuschauen.

Der Da Vinci Code! Wer verpflichtet einen Ryan Olsen, entlässt ihn gefühlt umgehend wieder, reißt im Kaugummi-Verfahren und durch eine Ablöse Colin Smith von der Ligakonkurrenz los, arbeitet noch vor dem fünften Spieltag eine Vertragsauflösung aus und stattet Hirano laut Lizenzliste nur mit einem Vertrag bis 03.10. aus? Einzeln betrachtet sind das Vorfälle, zu denen es halt kommen kann, wenn Menschen miteinander agieren. In der Summe fühle ich mich zur Aussage hingerissen, dass in Düsseldorf aktuell irgendwas faul ist. Seit ich mir eine damals nicht ungerechtfertigte Schelle für die Verwendung des Wortes „konfus“ eingefangen habe, benutze ich es nahezu nicht mehr. Aber passt irgendein anderes besser? Sportlich war der Saisonstart in Ordnung, berücksichtigt man die Vielzahl an Neuzugängen und die damit verbundene Findungsphase. Was hinter den Kulissen abläuft wirft nun aber deutliche Fragen auf und ich befürchte dass hier auch kein einfaches „wir haben uns auf eine Auflösung verständigt“ mehr reicht. Langsam braucht es mal echte Antworten und es wäre am besten, sie kommen vom Urheber selbst. Welch ein Glück, dass die neue Social-Media-Managerin einen Bärenjob leistet - kein Hauch Ironie vorhanden. Ihr fällt sicher ein Weg ein, charmant damit umzugehen. ;)
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Erik Pannach