Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2

Das war vielleicht eines der geilsten Wochenenden der bisherigen Saison. Ich wollte höher ins Regal greifen. Richtung Jahr, vielleicht Jahrzehnt, aber diese Liga spielt seit drei Jahren völlig verrückt und schenkt uns mindestens zweimal monatlich diesen Irrsinn an Ergebnissen. Ich wünschte, die Wochen wären kürzer. Ich will wissen, wie es weitergeht. 

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(Foto: Felix Wagner)

Wer ist „Ich“? WIR! Ihr wollt wissen, wie ein gut funktionierendes Team gebaut wird? Ab in die Lausitz! Die kreuzer´schen Früchte sind nach rund 18 Monaten akribischer Pflege erntereif und versorgen den Standort nachhaltig mit Punkten. Besonders auffällig ist dabei vor allem, dass es für den gegenwärtigen Erfolg keine Spotlight-Player braucht. Ja, Lennard Nieleck ist ein Shootingstar, die Füchse kamen aber auch erst fünfmal in den Genuss seines Scoring-Touches. Der beste Scorer in Blau-Gelb ist auf Platz 33 der DEL2 zu finden und das ist als würde ich sagen „Italienurlaub ist geil, fahren wir mit meiner Vespa?“. Die Vespa ist dabei keine Kritik am Kader, sie ist eine Metapher für etwas sehr Ungewöhnliches und da will ich den Regen aus Komplimenten auch schon eintanzen. Ihr wisst schon, Regentanz und so, naja. In dieser Küche wird nicht über die zwei bis drei Chefköche agiert, hier ist ein ganzes Team am Kochen und wirklich jeder versteht, für welche Zutaten er zuständig ist. Daraus kann eine Dynamik entstehen, die wir im Sommer als "Dark Horse" bezeichnen und das ist meist nicht weit vom Geschichtsbucheintrag entfernt.  

Man bringe mir was Großes! Sich vor einem Spieltag entscheiden zu dürfen, ob Stretch, Pulkkinen oder Sarault auf der Tribüne Platz nehmen müssen, ist an Dekadenz gar nicht so einfach zu überbieten. Versteht mich nicht falsch, wenn das aus finanziellen Gesichtspunkten drin ist, dann Go for it. Wir sind uns aber alle einig, dass eine solche Situation wohl kaum ein Club der DEL2 stemmen könnte. Fakt ist aber auch, es ist die richtige Reaktion auf ein deutlich zu schlechtes Konti-Scoring eines Teams, welches die Lizenz für die PENNY DEL hinterlegt hat. Järveläinen, Taupert oder Feser lassen es ordentlich im gegnerischen Tor krachen, kommt da jetzt noch finnische und nordamerikanische Feuerkraft hinzu, wird auch die Tabelle zeitnah wieder besser zu den eigenen Erwartungen passen. Also, klar, die Special-Teams sollten vielleicht nochmal auf den Prüfstand und das nicht mal zum Finden von Potenzialen, viel mehr zum überhaupt mal ins Rollen kommen. Doch auch hier sprechen wir von nichts Neuem für einen Eishockey-Connoisseur wie Jari Pasanen.  

Zu viel ist zu viel! Ob ich vor sechs Wochen gedacht hätte, dass Ravensburg mir die größten Sorgenfalten nach elf Spieltagen bereiten würde? Never! Vielleicht hätte ich es aber besser wissen müssen. Dass Disziplin und die Towerstars eine Hassliebe führen ist ja nichts Neues und die Therapie scheint ja auch irgendwie nicht nachhaltig anzuschlagen. Das aktuelle Verhalten ist dann aber nochmal deutlich über einem akzeptablen Rahmen. Frustfouls im Freitagsspiel mit am Ende zwei große Strafen, sowie zehn verschuldete Powerplays am Sonntag sind genau das, was du nicht brauchst, wenn es sportlich hakt. Jetzt ist das aber noch nicht mal das größte Problem, das finden wir nämlich in der Defensive. Die meisten Gegentore der Liga - im Schnitt vier pro Spiel - und bereits zwei satte Klatschen nach elf Spielen sind wohl kein Zufall mehr. Bo Subr muss seine Jungs jetzt zackig wieder in die Spur bringen, schon allein um den eigenen Job nicht zur (berechtigten) Diskussion der Tageszeitungen werden zu lassen. Die Qualität steht vor allem in Ravensburg nicht zur Debatte. Die brauchen einfach Ordnung.   
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Erik Pannach