Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2

Ich beginne mit dieser Kolumne zehn Minuten nach Öffnung des Vorverkaufs auf das nächste Strassenbahnderby. So sieben bis acht Smarties sind auf der sonst restlos ausgegrauten Grafik noch zu finden, ich würde die Nummer also als ausverkauft bezeichnen und wie geil ist das bitte? Die DEL2 hat diesen Hype so sehr verdient! 

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(Foto: City-Press)

Steig‘ ich aus! Vor ungefähr vier Wochen berichteten wir vom surreal dominanten Brüderpaar Woodcroft, welches die beiden höchsten deutschen Ligen dominiert. Ich kann gar nicht so richtig fassen, was sich am Sonntag unter dem Spieltagsfeed abgespielt hat. Ist da jetzt wirklich eine MASSIVE Unzufriedenheit auf der Tribüne, weil die Spiele nicht SCHÖN gewonnen werden? Nehmt es mir nicht übel, aber wann wurden die 13 weiteren DEL2-Klubs zu Pylonen in hübschen Trikots? Wir reden immer noch von der vielleicht ausgeglichensten Liga Europas. Das geht mir zu schnell, zu früh, zu weit. Ich beschwere mich im Restaurant doch nicht über schlechtes Essen, bevor es überhaupt auf dem Tisch ist. Ich hätte natürlich auch keine Lust für die Lustlosigkeit von Einzelakteuren Geld auszugeben, aber dafür müssen nicht gleich die Farben verteufelt werden. Verlasst euch darauf, dass Woodcroft und Dinger das grad auch nicht geil finden und Maßnahmen ergreifen. Es sind aber Einzelfälle. Wäre es das ganze Team - vertraut mir - würde es in dieser Liga nicht mehr für Punkte reichen.

Steal the Show! Gekommen um zu bleiben! Die Steelers sind in der DEL2 angekommen und spielen nun Eishockey, welches eine Allergie auf Playdowns vermuten lässt. Das ist selbstbewusst, folgt einer klaren Idee und bringt die Qualität ohne Umwege aufs Eis. Neben Jack Dugan, wachsen auch Cole Fonstad, Marek Racuk oder Brett Kemp zu klar erkennbaren Stützen heran und liefern immer konstanter ab. „Der Goalie macht im Eishockey 60% aus“ - das ist wohl eine der berühmtesten Floskeln dieses Sports und ich nutze sie als Überleitung um Buße zu tun. Olafr Schmidt wurde im Sommer sehr kritisch gesehen und ich kann mich da genauso wenig ausnehmen wie beim wöchentlichen Stören des Kunstunterrichts. Sorry, Frau Pauli. Was Schmidt abliefert ist eine Ohrfeige an seine Kritiker und gibt seinem Team enorme Sicherheit. Die Steelers sind gerade das Scherzgeschenk vom etwas zu reichen Onkel beim Kindergeburtstag. 37x in buntem Papier eingewickelt, kurz witzig, dann zu viel Arbeit und am Ende hat sich alles für das beste Geschenk des Abends gelohnt.

Auf offenem Meer! Jede Saison gibt es Standorte für die auf die Frage „wie läuft es?“ nur eine Antwort passt. Eine sehr lange, aber eben auch nur eine. „Rückwärts, bergab, ohne Bremsen, mit zusätzlichen Gewichten, auf einen Abgrund hinzu“. Was in Kaufbeuren und in der Pech-Hauptstadt Weiden schon wieder abläuft, ist nur ganz schwer zu erklären. Kaufbeuren findet mit Jason Bast zwar endlich einen Korken für das Offensivloch, nach 14 Punkten in zwölf Spielen fällt aber das Unwort „Ausstiegsklausel“ auf den Boden der Tatsachen und beendet diesen Lichtblick. Sechs Lizenzen sind bereits gezogen, wo jetzt also Tore finden? Weiden setzt dem sogar noch eine Krone auf, spielt seit gefühlt 15 Monaten konsequent mit zwei Kontis durch. Wäre die DEL2 ein Märchen, wäre Krefeld aktuell wohl Frau Holle und Weiden die Pechmarie. Nun fällt auch noch Goldhelm Rubes aus und zwingt die Blue Devils ebenfalls zum Ziehen der sechsten und letzten Lizenz. Was diese beiden Standorte gerade durchleben ist das Treiben auf dem offenen Meer mit einem halb aufgepumpten Rettungsring.
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Erik Pannach