Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2
Entschleunigen? Während der besinnlichen Zeit etwas Abschalten? Wer glaubt, das sei eine Option, der hat die unzähligen Knalle nicht gehört, wenn jetzt doppelt so viele Pucks in die Banden einschlagen. Übrigens musste ich den Plural von „Knall“ googeln und finde das Ergebnis sehr unbefriedigend. Wann wurde der festgelegt? Während eines Praktikums? Nichts für Ungut, aber „Knalle“ klingt nicht nach Deutsch-Professor.

(Foto: City-Press)
Außenseiter blasen zum Angriff! „An jedem verdammten Sonntag“ ist nicht nur ein herausragender Film, es beschreibt auch das Gefühl, welches mir dieses Irrenhaus von Liga wöchentlich gibt. An jedem verdammten Sonntag frage ich mich, wie das, was ich sehe, Sinn ergeben soll und speziell am Letzten ist die Antwort zermürbend: gar nicht! Crimmitschau macht mit der Mannstärke eines Bowlingteams und dem etatmäßigen Backup Schneider in Ravensburg das Sechs-Punkte-Wochenende klar. Bietigheim, mittlerweile ein tollwütiger Hund im Underdog-Kostüm, holt mit dem Sieg in den fünften Erfolg im sechsten Spiel. Freiburg stürzt die Donau-Arena mit dem erst zweiten Dreier der Saison. Weiden lässt die DEG aussehen wie einen überforderten Sechstklässler, der im Unterricht der zehnten Klasse nachsitzt und dann haben wir da noch diese Eskalation der Füchse gegen ein sich immer tiefer im Schneesturm verfahrenden Schlittenhundegespanns. How? Como? Nasil? Wie? Welche Sprache hilft?
So tragbar wie eine frisch geölte Bowlingkugel! Ehrlich, ich war seit Jahren nicht mehr Bowling spielen, ich hab´ selbst keine Ahnung, wo ich diese Referenz hier als roten Faden der Kolumne herziehe. Was vereint Ravensburg, Düsseldorf und Kaufbeuren? Das Gefühl von „jetzt trifft es den Trainer“ und ganz ehrlich, ist eine andere Entscheidung überhaupt noch tragbar? Vermutlich genauso gut wie eine frisch geölte Bowlingkugel. Düsseldorf ist völlig von der Rolle und der lauteste O-Ton ist „die spielen gegen den Trainer“. Ich hasse diese Floskel, aber ich weiß nicht, wie ich sie entkräften soll. Eine halbe Saison ist auch für „neu formiert“ genug Zeit und dann lässt diese Qualität einfach keinen elften Platz zu. Fast noch schlimmer ist es in Ravensburg. Die Puzzlestädter krauchen –das Wort gibt es – auf dem zwölften Platz herum und das mit viiiielen Spielern, die letzte Saison fast den Titel holten. Der blutleere Auftritt von Sonntag ist für mich nun kein Wink mit dem Zaunpfahl mehr, das ist ein hektisches Schwingen auf einem Mammutbaum. Kommen wir zu meiner neuen Lieblingsaussage: „Estan muy locos“, was so viel bedeutet wie „sie sind sehr verrückt“. Es tut mir leid, aber wenn Kaufbeuren JETZT keinen neuen Feuerwehr-Headcoach holt, würde ich eine Teilschuld für das aussprechen, was bald nicht mehr aufzuhalten ist.
Knapp daneben ist Glück gehabt! Auch Todd Woodcroft hätte es gut und gern in den oberen Absatz schaffen können. Was die Huskies am vergangenen Wochenende – wohlgemerkt in seiner Abwesenheit – gezeigt haben, ist ein sehr gewöhnungsbedürftiger Cocktail gewesen. So einer, der beim ersten Schluck noch ganz okay wirkt, dann doch zu zwei Dritteln gefüllt auf dem Tresen stehen bleibt und kein zweites Mal bestellt wird. Ich bin noch zwiegespalten, schließlich haben wir den Huskies-Headcoach vor wenigen Wochen erst mit Lobeshymnen überschüttet und so schnell in dieser Sportwelt auch der Wind dreht, so gebe ICH hier nochmal eine Gnadenfrist über den Jahreswechsel.
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Erik Pannach





