Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2
Jetzt sitz´ ich hier am Silvestermorgen an dieser Kolumne und frage mich ganz humorlos, wo das letzte Jahr hingekommen ist. Selbs Abstieg, Dresdens Sensationssaison und der damit verbundene Abschied aus der DEL2, der DEG-Knall, Crimmitschaus Existenzkampf, verarscht mich doch nich´, das ist doch alles erst ein paar Wochen her. Also dann, ich hoffe mein jetzt folgender „guter Rutsch ins neue Jahr“ erreicht euch noch bevor euer hart erspartes Geld den Nachthimmel in abermillionen Explosionen ertränkt. Kommt alle gut rüber, rutscht nicht aus und was sonst noch an Floskeln passt. Hab´ euch ehrlich lieb.

(Foto: City-Press)
Olympia 2030 kann kommen! Falsche Aussage für eine DEL2-Kolumne? Bitte verlassen sie umgehend diesen Ort der Visionäre. Also klar, bei den Leistungen mancher Shootingstars sind deren baldige Berücksichtigung für den DEB wohl kein großer Hot Take, aber wir sind die Löwen, die sie zuerst laut rausbrüllen. Die DEL2 – eine Ausbildungsliga? Ich mag diese Betitelung nich´, schließlich halte ich diesen Spielplatz des Eishockeys für den spannendsten Europas, mit der Qualität einer Sterneküche. Aber klar, trotzdem liefert sie zusätzlich eine Plattform dafür, dass Jungs wie Noah Samanski, Paul Vinzens, Paul Mayer, Kilian Kühnhauser, Nico Wiens, Julius Schulte, Lennart Neiße, (…) ihren Karrieren einen Push gen Traumverwirklichung geben können. Den Vogel schießt Lennard Nieleck ab – übrigens war Paul und Lennart(d) wohl sehr beliebt bei werdenden Eltern in den Jahren 2004-2006. Die Eisbären-Leihgabe operiert nahe einem Punkt pro Spiel (drittbester im Füchse-Team), ist stark am Bully, in den Special-Teams gesetzt und sogar effektivster Scorer in Punkten pro 60 Minuten. Das is´ schon irre, wenn du einen jungen Kerl mit nackten Statistiken beschreiben kannst und er da als Gewinner hervorgeht. Well done, Eisbären und Füchse.
Zustand ist nicht Zukunft! Mag beides gleich losgehen, sind aber völlig unterschiedliche Dinge. Wir hatten (L)ange Zeit den Zustand, dass im Postfach der Himmelspforte Stoßgebte die Towerstars und – schade für die Kolumne, dass „Metro Stars“ nich´ mehr geht – DEG betreffend eingingen und trotzdem sieht die Zukunft der Teams jetz´ wieder ganz gut aus. Beginnen wir mit der Aufklärung, warum sich in Zeile zwei kein Schreibfehler, sondern ein Name eingeschlichen hat. Harry Lange war die Optimallösung auf die Cherno-Nachfolge und damit beziehe ich mich nich´ auf den gerade anhaltenden Trainereffekt. Er kennt die Liga, hat ausreichend Erfahrung für ein Star-Ensemble-angehauchtes Team und führte schon mal ein Team aus dem Tal der Bedeutungslosigkeit bis ins Finale. Die zu hoch aufgestapelte Skepsis mancher Anhänger dürfte bereits brach liegen, jetz´ kann an einer Sensation gearbeitet werden. Dass Ravensburg nun mit einem DEL2-Debütanten im Tor, den vor zwei Wochen noch kaum jemand kannte, ein Sechs-Punkte-Wochenende einfährt, war doch auch nur eine Frage der Zeit. Ich meine Come on – wir kennen diesen Standort, wir können das Line-Up lesen, dieses Team war nie für etwas anderes als die Playoffs vorgesehen.
Fehlt schon bisschen der Mut! Ich schreibe jetz´ etwas, womit der eingefleischte DEL2-Anhänger womöglich nich´ umgehen kann. Die Playdown-Ränge riechen nach final eingeloggt. Kaufbeuren, Bad Nauheim und Weiden kommen einfach nicht auf die Beine, Freiburgs Hauptproblem ist das Leistungshoch der Teams ab Platz zehn. Düsseldorf, Weißwasser, Regensburg, Ravensburg, Bietigheim, Crimmitschau – das sind alles Teams, die auf einen Zwei-Wochen-Turnus heruntergebrochen nur selten Sorgen bereiten und da könnte Freiburgs Aufbäumen zum Jahresende einfach schon zu spät kommen. Ich will an dieser Stelle noch niemanden beerdigen, diese Liga is´ der wilde Westen und kennt weder Regeln noch Gesetze. Ich sage lediglich, dass dieses gelobte Land eine Schlucht bekommen hat und zum Überwinden dieser kein Hüpfer mehr reicht.
Leute, jetz´ ernsthaft. Habt einen großartigen Abend und kommt gut rüber. Ich schrieb es gestern Abend schon mal, diese Liga braucht uns auch nächstes Jahr wieder als Erzähler all dieser verrückten Geschichten, die sie Woche für Woche produziert. Wir sehen uns 2026!
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Erik Pannach





