Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2

Wenn es am Spieltagsende nur zwei bis drei Veränderungen in der Tabelle gibt, sind wir der traurige zwölfjährige Elias, dessen Drops bald gelutscht ist. Kannste ja finden, wie du willst, aber wir sind kurz vor dem Übertritt ins vierte Saisonviertel – und dafür braucht es nicht mal eine neue Staffel Supernatural. Das passiert einfach so. Für Kassel, Rosenheim, Krefeld und Kaufbeuren ist diese Hauptrunde doch eh nur noch wie der Partner, mit dem alles keinen Sinn mehr macht und es Zeit für eine Veränderung wird. Das Mekka des Wahnsinns ist zwischen Platz vier und 13 zu finden. Da steppt der Bär, kracht die Emotion, knistert die Luft und scheppert das Herz.

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(Foto: City-Press)

Schwergewichtskampf! Tyson, Ali, Foreman – was kam danach schon noch? Der Quervergleich zur DEL2 mag wie ich zu Zeiten meines Kreuzbandrisses sein und hinken, aber er hat Fundament – vertraut mir. So geil diese Liga auch seit Jahren ist, mir fehlten diese echten Aufstiegsüberzeugungen. Dresden konnte das Erreichte doch selbst kaum glauben, Kassel sägte jahrelang an so vielen eigenen Stuhlbeinen, dass Siegesserien immer nur mit Geschmäckle genossen wurden.

Was die Huskies oder Krefeld dieses Jahr zeigen, ist die Mentalität eines waschechten Sitcom-Papas aus den 90ern: „Der Chef ist zu Hause – wo bleibt mein Essen?“ Oder in diesem Fall: mein Aufstieg. Diese Playoffs werden Schwergewichtskämpfe, für die wir nicht mal bis 01:30 Uhr wach bleiben müssen. Woche für Woche bekommt auch Rosenheims Frühstart in die Mission „Erstklassigkeit“ mehr von diesem unverwundbaren Gefühl. Und dass mit Ravensburg immer gerechnet werden muss, wisst ihr hoffnungslosen DEL2-Romantiker ja selbst.

Mehr is’ es manchmal nich’! Was ’ne Seuchensaison! Kaufbeuren reitet seit Wochen auf dem Esel einer Horde majestätischer Pferde hinterher. Wieso? Verletzungspech sein Vater ist dieses Jahr Allgäuer. Zusammen mit Weiden, Bad Nauheim oder neuerdings Krefeld und Weißwasser sitzen sie am Lagerfeuer und singen dem Gott der Heilkraft Lieder in den Nachthimmel.

Bis zu einem gewissen Punkt lasse ich die – nicht despektierlich gemeinte – Ausrede der Verletzungen ja gelten. Dann greift die Qualitätsfrage. Ohne es statistisch belegen zu können, müssen die Medizinabteilungen in dieser Saison deutlich mehr Einsätze runterackern, und der Kreis derer, die wirklich verschont bleiben, dürfte eher einem Punkt ähneln. Manche Teams sind einfach nich’ besser. Das is’ okay. Ein Feld aus 14 auf Augenhöhe agierenden Teams ist Utopie. Dann gehen im Schwarzwald oder am „großen Teich“ – Kenner wissen Bescheid – halt nur 50 Prozent der Pläne auf. Das ist das Business. Wie damit umgegangen wird, ist die Chance auf wahre Größe.

Überperformen is’ nie out! Eine Auszeit 3,8 Sekunden vor der Schlusssirene war für mich schon immer ungefähr so sinnvoll wie ein Autohausbesuch ohne Führerschein. Liegt vielleicht an meinem schlechten Finnisch, denn für Jussi Tuores sind vier Sekunden noch anderthalb Spielzüge – und verwandeln den Zustand „Rückstand“ in „Punktgewinn“. Oder so ähnlich, Chemie war auch nie so meins.

Parallel dazu drehen Kolarz und Neffin die Eingruppierung „talentiert“ zur großen Empfehlung der Stiftung Goalietest um, und das Duo Benson/Garlent entlockt uns ein geschmunzeltes „Unfair, wenn die beiden auf dem Eis stehen“. Auch Alex-Olivier Voyer reiht sich nahtlos ein und ärgert die Towerstars nun aus der Ferne. Für solche Auftritte hatte man ihn eigentlich geholt. Naja, so ist der Sport manchmal. Woche für Woche neue Helden, die ganz sicher „nur“ überperformen – aber mal ehrlich: Wen juckt’s? Is’ deswegen doch auch nich’ schlechter.
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Erik Pannach