Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2
Wären die Wölfe Freiburg nicht aus der Reihe getanzt, hätte ich mit meiner perfekten Einleitung „keinem Team gelangen am Wochenende sechs Punkte, keines ging ohne Punkte aus“ starten können und hätte ein weiteres Mal die Welle der Absurdität geritten – Tollhaus DEL2.

(Foto: Selber Wölfe)
Wie es im Leben halt so ist, kommt unverhofft oft und so wirft das angedeutete Bockmist-Wochenende der Breisgauer auch gleich Fragen auf. Wenn Headcoach Timo Saarikoski inklusive seines Co´s wegen sportlicher Gründe auf einem achten Platz entlassen wird, kommt das doch nicht nur mir wie ein verdammt später oder extrem früher Aprilscherz vor oder?
So eine Sache mit der Abhängigkeit! Gemessen an meinem Kaffeekonsum, bin ich vermutlich genau die Art Mensch, die nicht über Abhängigkeiten urteilen sollte. Naja, ich tu´s trotzdem. Ein paar Scheinwerfer sorgen aktuell für Rampenlichter, hinter denen sich beängstigende Schatten verstecken. So nehme ich die Ausnahmeleistungen der Huskies-Reihe um Olsen, Keck und vor allem Garlent wahr, sehe auf eine Saison gestreckt in deren Performance aber auch Gefahren der Berechenbarkeit. *Platz für unzählige Lacher der Regensburger Fans* Auch die mehr oder weniger erfolgreichen Saisonstarts der Lausitzer Füchse und Selber Wölfe werden mir etwas zu stark von einem Lewis Zerter-Gossage getragen, über dessen Schlägerkelle deutlich mehr als die Hälfte aller Füchse-Tore gingen oder Kevin Carr, der mit fast 95% auf kaum stabil zu haltendem Level performt. Ein Urteil über Henri Kanninen vertage ich da noch um eine Woche und beobachte, ob auch Tore ohne dessen Zutun möglich sind.
Tick-Tack-Tick-Tack! Der Spruch „Keine Panik auf der Titanic“ ist weitverbreitet, was mit dem unsinkbaren Luxusliner dennoch passiert ist, wissen wir alle. Die Schonfrist ist vorbei und allmählich werden die Wege länger. Die Eispiraten beispielsweise mussten an den Spieltagen zehn und elf bereits lernen, dass der Weg aus dem Keller auch mit einem Fünf-Punkte-Wochenende nicht mal eben zu bewältigen ist. Für diese, wie auch die Roten Teufel und unter vorsichtigem Fingerzeig schon mal Weiden und Weißwasser beginnen erste „Muss-Wochenenden“ wenn´s nicht sehr früh unangenehm werden soll. Untätig ist keines der genannten Teams (mehr), alle Stellschrauben sind deswegen lang noch nicht auf der richtigen Position. Beispiel gefällig? Na klar! Ich kenn´ euch doch. 😉 Weiden ist weiterhin eines der Teams mit den meisten Torabschlüssen, hat aber die zweitwenigsten Treffer und an dem Punkt bekommt die Rechnung ein Problem. Das kann durch den Qualitätsfaktor recht simpel aufgeschlüsselt werden und exakt dieser braucht nun ein Facelift. Die Blue Devils müssen Wege finden, wie sie aus vier Torschüssschen einen TORSCHUSS machen und dann können auch die Resultate passen.
Wenns läuft, dann läufts! Die einstigen Sorgenkinder der DEL2 machen gerade sehr viel richtig und ich werde gleich erstmals wissen, wie sich mein Lehrer früher gefühlt hat, wenn er mich aufgerufen hat und ich völlig überraschend plausibel und richtig antworten konnte. Es ist diese Mischung aus Stolz und Verblüffung. Landshut gelang in den letzten Jahren eigentlich nur durch Unruhen, Machtkämpfe oder Ausschreitungen Schlagzeilen. Aktuelle Vorschläge an alle Tageszeitungen da draußen wären „EVL siegt zum fünften Mal in Folge“, „Landshut punktet zum achten Mal in Folge“, „Penaltykilling bekommt am elften Spieltag ersten Mini-Kratzer – immer noch über 97%“. Die Dreihelmenstädter sind heiß gelaufen und lassen sich nicht mal vom Verletzungspech einen Strich durch die Rechnung machen. Im Gegenteil – Ein souveränes 3:0 in Freiburg und eine still und heimlich eingetütete Nachverpflichtung von Blake Bennett runden insgesamt sehr gute Arbeit ab. Chapeau. Gleiches gilt für die Selber Wölfe, bei denen ich vom enger geschnallten Gürtel oder Qualitätsverlust des Kaders nur noch wenig am Output auf dem Eis erkennen kann. In dieser Liga scheint Geld wirklich nicht alles zu sein.
Abschließend will ich Dresden, Ravensburg und Krefeld sehr rund gewordene und gelungene Kader zusprechen. Sicher läuft noch nicht alles rund, das muss es nach elf Spieltagen aber auch nicht. Dieses Trio wird im Aufstiegskampf auf alle Fälle sehr lang dabei sein. Alles andere würde mich wundern.
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Erik Pannach





