Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2
Der Fiebertraum setzt sich fort! Letztes Jahr bekamen wir zu ähnlichem Zeitpunkt Danny aus den Birken auf die DEL2-Bühne, seit dem ersten Powerbreak des Sonntagsspiels in Kassel, wurde nun auch bei David Wolf der Status von „Trainingsgast“ auf „Neuzugang“ geändert – oh, wie überraschend. In erster Linie sind es mal die Namen, die mich in das Gefühl zurückversetzen, als 10-jähriger Stöpsel eins meiner ersten NHL-Karten-Packs zu öffnen. Mit 35 und 39 Jahren ist sicher nicht mehr von der Blüte des Eishockeylebens die Rede. Doch allein die Namen verändern so unglaublich viel. Sie sind das Zitronenscheibchen, welches aus der einfachen Cola einen himmlischen Moment machen können.

(Foto: City-Press)
Trio oder Quartett? Empörung durchzieht Eishockey-Deutschland als am Sonntagabend der DEL2-Feed online geht und vom „Spitzentrio“ zu lesen ist. Zugegeben, die seither rollende Kampagne „Gegen Ignoranz der Starbulls“ ist gar nicht mal so stark an den Haaren herbeigezogen. Die Oberbayern haben sich still und heimlich an Kassel und Krefeld herangeschlichen, haben vor den nächsten beiden Spieltagen die eigene Formstärke als Joker auf dem Kartendeck. Leider kommen nun etwas... sagen wir „ernüchternde“ Erkenntnisse. Wir können nicht auf „Spitzen-Quartett“ umstellen. Es tut mir unsäglich leid, aber ich kann ja auch nichts für die neue Tabellensituation. Weitere Beschwerden müssen dann auch bitte direkt an die Dresdner Eislöwen gestellt werden, die ihre Verfolger aktuell nur noch im Rückspiegel erahnen können. Der neue Leitfaden wäre also wie folgt: Dresden wird am Wochenende als „Liga-Primus“ begleitet, Rosenheim, Krefeld und Kassel schlüpfen in die Rolle des „Verfolger-Trios“. Mehr ist grad nicht drin – sorry!
TEUFELSKERL! „Mit Daniel Allavenas Abgang ist auch klar, dass Weiden noch etwas auf der Torhüterposition tun muss“. Diese Aussage ist rückblickend so herrlich falsch, dass die Möglichkeit sie anders gemeint haben zu können, selbst mich als Urheber ärgert. Was ich damals sagen wollte, ist, dass ich Marco Wölfl den Job des Starters im Abstiegskampf nicht zutraue. „Hört ihr wie lieblich es schallt, wenn Marco Wölfl an den einen Eisblog-Dude eine verteilt?“ Kennt ihr noch? Zwei Shutouts gegen Krefeld (!!!) und die Lausitzer Füchse tüten die Siege vier und fünf aus den letzten sechs Spielen ein. Ich sag´s euch ganz ehrlich: Keinen Schimmer, wie die Oberpfälzer das nach der Multikrise von vor einigen Wochen gegenwärtig anstellen. Die logischste Erklärung wäre wohl die wunderschöne Blüte der Teamgeist-Gattung, welche stets am besten aus dem Samen des Schicksals wächst. Da diese Pflanzenart aber noch recht unerforscht ist, kenne ich auch die Haltbarkeit nicht und markiere vorerst nur mit Bleistift ein „PPO“ hinter Weiden. Dass sich aber neben Patrik Cerveny, Daniel Fießinger oder Philipp Maurer der nächste deutsche Goalie etabliert, freut mich mehr als der jährlich erste kühle Tag nach einem viel zu heißen Brutzel-Sommer.
Gar nicht so einfach! Auch die DEL2 hat Spieler, die mit herausstechend beeindruckenden Fähigkeiten gesegnet sind und es einem trotzdem so unfassbar schwer machen, sie dafür auch zu loben. Das Paradebeispiel dürfte der für diese Liga durchaus überqualifizierte Tobias Lindberg sein, der ohne sein Temperament vielleicht nicht einmal von der Existenz des beschaulichen Örtchens Crimmitschau wüsste. Zieht dieser das Tempo an, durchfährt die gegnerischen Goalies und Trainer zurecht ein Schauer, wie man ihn nur nach einem Saunagang im tiefsten Finnland vermuten würde. Die Lindberg´sche Medaille ist aber auch auf der Rückseite mit detailreichen Prägungen versehen. Zu oft nimmt er sich selbst aus dem Spiel, führt die Liste der individuellen Strafzeiten unangefochten an und genau das wissen eben auch Trainer und Spieler der Gegner. Auch ein Dane Fox oder Nick Latta, Letztgenannter sogar schon mit geprägter Ära, gehen dieser respektvoll betitelten „High-Performer-Stinkstiefel-Kategorie“ nicht durch die Lappen und entlockten ihren Trainern schon einige „are you kidding me?“ – oder passender auch „Skämtar du med mig?“.
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Erik Pannach





