Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2

Wir sind offiziell im letzten Saisonviertel angekommen. Irgendwie macht mich das sentimental, weil diese Tatsache sich wie die erste Drohung des Sommers anfühlt, bald da zu sein. Gleichzeitig hyped mich jeder weitere Schritt zu den Playoffs mehr. Wie also damit umgehen und beiden Gefühlen ausreichend Aufmerksamkeit verschaffen? Mit einem Kopfkissen in den Nachtclub? Tee mit Schuss? Ein Charles-Bukowski-Buch im Publikum einer TV-Total-Aufzeichnung lesen? Alles nicht so das gelbe vom Ei, also werd´ ich die Gefühle wohl weiter wirr – uff, die heiligen drei W´s - in mir walten lassen müssen. 

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(Foto: JMD)

„Ich, ich.. kann nich´ mehr!“ In der Aula der DEL2 hängt ein Flyer mit der Aufschrift „Die Laufgruppe trifft sich um 14 Uhr zum 20k-Lauf“. Für die Teilnehmer Dresden und Krefeld scheint der Lauf zum erwarteten Vergnügen zu werden, Kassel kämpft hingegen schon zum wiederholten Male mit Seitenstechen und ob sie es schlussendlich wirklich noch durchs Ziel schaffen, scheint immer fraglicher zu sein. Mit Ehrfurcht nahm ich gestern die neue Angriffsreihe um Tristan Keck, David Wolf und Hunter Garlent zur Kenntnis, überlegte mir schon die ersten Superlativen für Ticker-Überschriften. Was soll ich sagen, es kam alles anders und so bleibt die Erkenntnis stehen, dass es bei den Schlittenhunden einfach nicht rund läuft. Das Drastische daran ist jetzt auch nicht die letzte Woche, vielmehr dass dieser Absatz seit fast 40 Spieltagen hier stehen könnte. Langsam, aber sicher rinnt der Sand für Kassel durchs Glas – es geht um die Sanduhr, ich will einfach nicht zweimal Sand schreiben – und ich verliere allmählich die Fantasie eines Aufstiegs. Das ist mir alles zu wirr, zu fehlerbehaftet, zu weit entfernt von einer klaren Linie, eine erkennbare Idee hinter Krefeld, Dresden oder auch Rosenheim. 

Emoji mit dem roten Pfeil! Wer kennt die beiden Emojis, die mit rotem und blauem Pfeil auf weißem Papier Tendenzen anzeigen? Weiß zufällig jemand wie die heißen? Ich finde sie über die Suchfunktion nie und für dieses ständige Gesuche fehlen mir echt Zeit und Nerven. Wie auch immer, heute geht’s um den roten Pfeil gen Keller. Kaufbeuren und Freiburg sind die beiden Teams, bei denen sich der Blick nach oben anfühlt, als hätte man einen steifen Nacken. Ich bin bereit einen Vorhang der Überraschung über das Allgäu zu hüllen, auch wenn die Tabellensituation dort noch etwas prekärer zu sein scheint. Leif Carlsson wird bei seinem ersten echten Einsatz als neuer Steuermann zu einem neuen - zugegeben nicht geschichtsverändernden - Kapitel der ESVK-Chronik und erlebt ein Sensations-Aufholjagd-Happy-End. Das kann was mit einem Team machen. Im Breisgau wandert der Wolf hingegen auf dem berühmten Teufelssteig und gibt nach der 2:8-Klatsche gegen die Eislöwen nun auch eine 3:0-Führung in Bad Nauheim aus der Hand. Autsch! So weit sind die Playdowns auch nicht weg.

Mackin-Tosh-Effekt! Die Eispiraten Crimmitschau haben endlich ihren „Propheten der Auferstehung“ verpflichten können. Verrückt, wie das in 2025 doch läuft. Früher ist so einer einfach überraschend erschienen, oder? So viel Ironie ich in diese erste Zeile auch packen wollte, bis zumindest mal Freitag kann sie ernst genommen werden. Beim Gastauftritt in Ravensburg gibt’s auf einmal ein neues, irgendwie aus letzter Saison auch bekanntes Gesicht der vermeintlich längst gekenterten Tuores-Truppe. Da das 39 Spieltage lang nicht geklappt hat und die einzige Veränderung nun der 29-jährige Corey Mackin ist, spanne ich einen ganz wilden Bogen nach Kalifornien. Vorab, sein Debüt ist tatsächlich als absolut gelungen anzusehen. Mit seiner Spritzigkeit und einem feinen Gespür, Unruhe in die gegnerische Hintermannschaft zu bringen, ist er definitiv als Upgrade zu bezeichnen. Aber jetzt weiter im Text. Apple feierte mit dem „Macintosh“ den großen Durchbruch und allein im Namen sind doch da Parallelen vorhanden. Vielleicht erleben auch die Eispiraten nun den eigenen Mackin-tosh-Effekt und werden nach Weiden und Dresden zum nächsten Team der Stunde.  
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Erik Pannach