Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2

Und auf einmal schreddern sich das Piratenschiff und Wolfsrudel durch den Alltag, ziehen von den Plätzen 13 und 14 aus je ein Doppelsieg-Wochenende durch. Ja, die Big-Four des letzten Wochenendes sind Weiden, Ravensburg, Crimmitschau und Selb – Aufzählung fehlender Riesen nicht nötig. Auch dieses Wochenende gab´s wieder locker 15 unzufriedene Fanlager über die Schiedsrichterleistungen des Wochenendes. Also „Butter bei die Fische“ – ja, schlecht gewählt in einer von Norddeutschland gemiedenen Liga-, lasst uns mal einen Deal machen: Ihr seid von heute an wieder etwas toleranter den Schiedsrichtern gegenüber, zieht nicht schon vor jedem Videobeweis das Messer und wir versprechen im Gegenzug den aufarbeitenden Finger nicht mehr vom großen Ganzen zu nehmen. 

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(Foto: JMD)

What Does The Fox Say? Es hätte doch auch nicht zum bisherigen Jahresstart gepasst, wenn das Dresdner Eishockey wirklich an jeglichen Stürmen vorbei auf dem Flughafen der deutschen Erstklassigkeit gelandet wäre. Da die Konkurrenz bisher nicht in der Lage war die wild gewordenen Eislöwen in Zaum zu halten, machen sie es von innen heraus einfach selbst und bringen etwas mehr Spannung ins Titelrennen. Aber mal im Ernst jetzt. THC? Fu**ing Cannabis? Dane Fox war auf bestem Wege DEL2-Geschichte zu schreiben, dabei mit Gold glänzender Kopfbedeckung auf Titelblättern der „Dresdner Morgenpost“ oder „Sächsische(n) Zeitung“ zu thronen und jetzt dieser (womöglich) suizidale Karriereakt? Wie viele andere warte auch ich gespannt auf seine Stellungnahme, wie es scheint auch nötige darin enthaltene Entschuldigung an sein Team und Verein, die hier unverdient zu Leidtragenden werden. Die smarte Lösung wäre für Matthias Roos – Sportdirektor der Eislöwen – am klarsten erkennbar, wenn er im Fernglas ~380km einstellen und Richtung Süden drehen würde. Dann käme ihm direkt ein zumeist auf der Tribüne Power-Nappender Girduckis vor die Linse, der letzte Saison noch mit Andrew Yogan die Liga durch den Fleischwolf drehte. Synergien, Synergien und noch mehr Synergien. 

Der Zug hat keine Bremse! „Es war keine leichte Entscheidung (…) um das Potenzial unseres Kaders vollständig zu entfalten“ ist ein Zitat von Sportdirektor Peter Salmik vom 13.10.2024, was mindestens so schlecht gealtert ist wie Christoph Daums „ich tue dies, weil ich ein absolut reines Gewissen habe“. Damals war Freiburg Tabellenzehnter, wie leider auch heute, gute 30 Spieltage und eine weitere Trainerentlassung später. Der Unterschied zu damals? Freiburg scheint sich aktuell mit der Rolle des Abstiegskandidaten Nummer eins anfreunden zu müssen. Neun Niederlagen in Folge kommen zum jetzigen Zeitpunkt einer waschechten Krise nahe, dass die aktuellen Plätze elf bis 14 das eigene Versagen zu überwinden scheinen, bringt die Situation auf eine Ebene mit der letzten Staffel von „Game of Thrones“ – ein Trauerspiel. Aus sportlicher Sicht können solche Dinge passieren, müssen sie ja sogar. Würden die Ambitionen von 14 Teams nicht bei mindestens vier Vertretern im erbarmungslosen Treibsand verlaufen, gäbe es weder Playdowns, noch am Ende einen Absteiger. Es sind die Entscheidungen über eine scheinbar letzte fragwürdige Trainerlösung und die oben in den Abschnitt einleitenden Aussagen, die eine Stellungnahme zum Saisonende eigentlich unumgänglich machen. 

Ohrfeigen aus der Puzzlestadt! Dresden und der Cannabis-Dämpfer, Kassel mit durchdrehenden Reifen auf nasser Fahrbahn, Krefeld mit immer wieder fehlenden 5% und zwei bayerische Vertreter, für die das ganze Aufstiegsthema einfach noch zu früh kommt. Erhalten DEL2 und PENNY DEL erneut eine Aufstiegsschelle? Die beschriebenen Teams sind nicht nur aufstiegsberechtigt, sondern auch Teil der aktuellen Top sechs. Wer fehlt? Das „Orchestra de la Schrecken“ – Name ist überraschenderweise frei erfunden – aus Ravensburg. Mal abgesehen davon, dass die Towerstars in bestechender Form sind, Ilya Sharipov die eigene Bestleistung in der verstaubten Schachtel auf dem Dachboden wiederfinden konnte, ein vernichtendes Powerplay von Czarnik, Santos und Co. in mehr als jedem vierten Fall vollstreckt wird und immer noch eine Kontingentstelle offen ist, gibt’s da ja auch noch den „Drecksack“-Knopf – wie ich ihn gern nenne. Kaum ein Team wird in den Playoffs so ekelhaft zu bespielen sein wie Ravensburg und löst beim Gegner ein lautes „Scheiße, nicht die“ aus. Eine solche Serie wird nur mit harter Arbeit, taktischer Raffinesse, viel Schweiß und durchaus auch etwas Blut gewonnen. Aber gut, der am Ende mögliche Aufstieg soll ja auch verdient sein. 
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Erik Pannach