Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2
Knackiges Programm in der dieswöchigen DEL2-Kolumne. Verlieren wir also keine Zeit mit einem Intro, bei dem ihr euch doch eh nur „Erik, Alter, komm auf den Punkt“ denkt.

(Foto: Michael Pointvogel)
Der Geruch von kaltem Eis! Was die Blue Devils aktuell mit dieser Liga veranstalten, versetzt mich fast 20 Jahre zurück in die Vergangenheit. Täglich habe ich die Schlittschuhe geschnürt, mit Faustballen in den Handschuhen gegen die erbarmungslose Kälte angekämpft, fleißig Dampf durch die Luft über dem knisternden Eis gehaucht und dabei – jetzt kommt das Entscheidende – zehn Jahre die gleichen Dinge gehört. „Einfaches Eishockey“, „keine Experimente“, „saubere Pässe“, „Scheiben zum Tor“ und der Klassiker „Sicht nehmen, nachgehen“. Diese Klaus-Schröder-Zitate hallen auch heute bundesweit durch die Eishallen des Landes, eigentlich aber im Nachwuchs. Sebastian Buchwieser hat kaum Spielermaterial zur Verfügung, agiert durchweg mit zwei Kontingentspielern und musste auch noch auf die Stammkraft im Tor verzichten. Der finanzielle Existenzkampf und die Tatsache, dass vom Standort schon unter besten Voraussetzungen kein achtes Weltwunder erwartet wurde, unterstreichen das Potenzial dieses Märchen-Drehbuchs. „Back to the roots“ - und verdammt, hat dem Profieishockey so eine Erinnerung an die Grundidee dieses Sports, fernab taktischer Raffinessen, gefehlt. Für mich ist Weiden die pure Romantik des Eishockeys, für die ich weder logische Erklärungen brauche, noch suche.
Alarmstufe dunkelrot! An so einem 46. Spieltag würde ich mir eigentlich große Sorgen um die Plätze 13 und 14 machen. Im Regelfall hätten diese nun bewiesen, weshalb sie stehen wo sie stehen und eine Rettung wäre überwiegend unter emotionalen Gesichtspunkten erklärbar. Jetzt schallen auf einmal „Salmik raus“-Sprechchöre über das Land. Diese sind nicht aus einer Laune heraus entstanden oder weil das schlechte Wetter den Menschen im Breisgau aufs Gemüt schlägt. Peter Salmik polarisiert. Das hätte in eine positive Richtung führen können, nur flogen ihm die meisten seiner Entscheidungen um die Ohren. Jetzt stehen da zwölf Niederlagen in Folge zu Buche und die mehrfach angekündigte Playdown-Bedrohung ist kurz vorm Zuschnappen. Nach nur einem Törchen aus den letzten beiden Spielen scheint, anders als ein Valentini in Kaufbeuren oder Mackin in Crimmitschau, Neuzugang Ilestedt nicht die dringend benötigte Soforthilfe zu sein und so bleiben den Anhängern der Wölfe nur noch wenige Rettungsmaßnahmen. Beten für ein Wunder oder Verfluchen der Konkurrenz. Bei zweiter Wahl würde sich Regensburg anbieten, bei denen der Druck in der Luft bereits dick genug ist, um ihn mit dem stumpfen Buttermesser zerschneiden zu können.
Wo ist der rote Faden? Ja, ich habe den Jenke für euch gemacht und ein Selbstexperiment gestartet. Bei zwei herausgepickten Spielen des vergangenen Wochenendes habe ich meinen Fokus den beteiligten Teams entzogen und auf die Schiedsrichter gelegt. Ich komme zur Zwischennote einer guten Drei, was in keinem Verhältnis zu den Kritik-Eskalationen der letzten Wochen steht – so ehrlich muss auch die geilste Eishockey-Community Deutschlands zu sich selbst sein. Neben einer souverän geleiteten Partie, bei der das Gespann nahezu nicht auffiel, sah ich auch einen diskutablen Auftritt. Hätte ich Ligen-Verantwortung, wäre dieser es bereits wert gewesen im Nachgang mal ein lockeres Gespräch anzustoßen. Wir alle leben doch von Feedback und verbessern uns durch genau dieses, oder? Fehlentscheidungen gehören dazu, das müssen wir alle auch mal akzeptieren können und das ist nicht, woran ich mich störe. Vielmehr fehlte mir der rote Faden in der Art und Weise, wie das Spiel geleitet wurde. Zu harte Bestrafungen für zu geringe Vergehen, keine Bestrafungen für klar ersichtliche Grenzüberschreitungen. Das funktioniert nicht und produziert Frust mit Garantie. Ich werde mich in nächster Zeit vermehrt mit dem Perspektivwechsel auseinandersetzen. Entweder gelingt mir dabei die Erkenntnis, solche negativen Erfahrungen nur in Ausnahmefällen wahrzunehmen, oder ich werde deutlicher.
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Erik Pannach





