Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2

Wenn der Kopf bis Mittag trommelt, weil der Wecker den viel zu wenigen Schlaf mit gnadenloser Brutalität beendet, dann sind wir mitten in den Playoffs. Der Nervenkitzel in der Overtime lässt mich endlich mal wieder jede Faser meines Körpers spüren. Ich glaube noch aufgekratzter sind nur die Kioskbesitzer, deren Kalkulationen für den Abend kein fünftes Drittel vorgesehen haben.  

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(Foto: JMD)

Blut im Haifischbecken! Am Freitagabend haben drei der vier Playdown-Teilnehmer die Chance den Klassenerhalt zu sichern. Das Spotlight liegt dabei sicher auf der Partie zwischen Kaufbeuren und Selb, bei der eine nicht mehr zu vertagende Entscheidung bevorsteht. Die Wölfe hatten den ESVK nach drei Siegen in Folge so nah am Abgrund, dass selbst im Allgäu kaum mehr einer ans Happy End glauben konnte. Nun grummelt mein Bauchgefühl wieder etwas vom Wechsel der Favoritenrolle. By the way, deswegen liebe ich diese Zeit so. Zwischen „die sind nicht mehr zu retten“ und „was soll bei denen noch schiefgehen“ liegen oft nur 20 Minuten. Auch im zweiten Existenzkampf hat der Wind zunehmend von Süd auf Ost gedreht. Regensburg ist das einzige Team, welches am Freitag im Bestfall „nur“ eine Verlängerung der Serie erreichen kann, auch weil Jussi Tuores mit seinen Reihenumstellungen vor Spiel vier den Turnover einleiten konnte. 

Zielorientierung! Kassel loggt als erstes Team das Halbfinale ein und nun bin auch ich bereit den Huskies eine ausgereifte Aufstiegstauglichkeit zu attestieren. Das waren im Viertelfinale sicher keine Machtdemonstrationen, wie sie in den letzten Jahren hoch dosiert vom Schlittenhundegespann an die Konkurrenz verteilt wurden. Dafür erkenne ich dieses Jahr die Idee für maximalen Output und das vor allem auch in der Art, wie der Laden hinten sauber gehalten wird. Die Spiele wurden auf minimalistischste Art und Weise gewonnen und wieso zur Hölle versteht eigentlich nie jemand, dass ich einem Team mit dieser Aussage kein größeres Kompliment machen kann? Vor drei Jahren schaffte der hessische Nachbar – dessen Name im Hoheitsgsgebiet der Huskies nicht genannt werden darf - den PENNY DEL-Aufstieg durch einen Triple-Sweep. Ich will keinen Druck aufbauen, aber wäre ´ne geile Story. Step eins von drei ist geschafft.

Jetzt ist aber mal gut! Wie viel Überraschung sind die 2:2-Serienstände aus Sicht des EVL und der Blue Devils denn wirklich? Sind Ravensburg und Krefeld als Favoriten ins Rennen gegangen? Ja, natürlich. Aber langsam wird’s mir doch zu viel „Wahnsinn, damit war ja im Leben nicht zu rechnen“. Ich meine, lest euch doch mal den Kader der Dreihelmenstädter durch. Da ist aus Sicht eines sogenannten Underdogs so unverschämt viel Qualität auf dem Eis - vor allem seit der Rückkehr von Jack Doremus. Und Weiden? Lassen wir uns immer noch von der Drama-Komödie um den finanziellen Überlebenskampf blenden oder gestehen wir ihnen endlich ein, dass die Jungs von Sebastian Buchwieser sensationell gut eingestellt wurden und mehr als zwei Ausnahmekönner in den Reihen sind. 
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Erik Pannach