Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2
Da waren´s nur noch sechs. Acht Teams haben sich bereits in die Sommerpause verabschiedet und ey, so fühlt es sich einfach mal gar nich´ an. Das ist ja hier wie das klassische Familienfest. Irgendwann kommt der Moment, an dem das Resultat des 360-Grad-Scans ergibt „Jop, Klaus, Hans und Petra haben die Plastikstühle verlassen. Danke für´s Tschüss sagen“. Nun denn, ist ein schnelllebiges Geschäft dieses Eishockey. Zwei Tiefseetaucher und vier Gipfelstürmer bleiben übrig, plündern mit mir nun die berühmte „komm mit, ich weiß wo es noch was gibt“-Ecke.

(Foto: JMD)
Nicht klack, WAMM! Kaufbeuren und Crimmitschau müssen Mama zwar erklären wo das blaue Auge herkommt, können Papa dafür aber auch ein „du solltest den anderen Mal sehen“ zuflüstern und sich einen heimlichen Check unter der Tischkante abholen. Aus der fast aussichtslosen Lage des ESVK machen vor allem Neu-Stürmer Jamal Watson und die einstigen Hauptrunden-Flops eine Tugend, schicken die ab Spiel fünf weichgekochten Wölfe in den echten „Do or Die“ nach Regensburg. Dass auch die Eisbären sich diesem stellen müssen, ist nach sieben eindrucksvollen Auftritten gegen schlussendlich zu gut gecoachte Eispiraten fast schon eine Frechheit. Diese Serie war eher aus der Güteklasse „Viertelfinale“. Ich würde ja jetzt gern die Hose runterlassen und meine gewohnt locker geschossene Prognose durch die Zahnlücken hauchen aber „ey“ Nummer zwei für diese Kolumne: Dieses Duell ist der Innbegriff von 50:50.
Der Alhambra des Eishockeys! Im Kreis der Titelanwärter wird’s kuschlig und die Favoritenrolle wechselt so oft die Seiten, wie hoffentlich jeder von euch die Unterwäsche. Ravensburg reist am Freitag in die 8000-Mann-Hölle nach Krefeld. Machen wir uns mal nichts vor, für solche Kulissen wurde der Begriff Heimvorteil doch erst erfunden. Die Pinguine werden ihn nötig haben. Tief Karlsson bringt Czarnik´sche Gewalt und die „Power des Santos“ mit. Ich könnte mir vorstellen, dass sich unter die 8000 Anhänger zudem ein paar untypisch rot-gelbe Trikots mogeln und durch Daumen drücken unterstützen. In der zweiten Serie wartet der Seat Alhambra des Eishockeys auf das Ende der schier nie endenden After-Sweep-Pause. Was Kassel gegen Freiburg veranstaltet hat, war sicher kein Ausflug mit dem laut aufbrüllenden Porsche-Cabrio. Es war ein vierfaches Prüfen der Checkliste ob auch wirklich alles in den Familien-Van geladen ist. Aber „ey“ Nummer drei für diese Kolumne: Fragt doch keiner wie du ans Meer gekommen bist. Du bist am Meer!
Benchmark! Wer den Titel der DEL2 nach oben halten will, muss an Dresden vorbei! So einfach ist die Rechnung für mich nach den Viertelfinals geworden. Die Eislöwen sind zum perfekten Zeitpunkt der Saison in Topform und da habe ich natürlich auch die Siegesserie der Hauptrunde nicht vergessen. Niklas Sundblad hat die fast zu großen und ursprünglich mal für individuellen Egoismus stehenden Namen zur Titel-Symbiose geformt. Sie sind im Halbfinale, weil das daraus entstandene Eishockey schlicht zu schnell und präzise für die Starbulls wurde. Der berühmte Kampf gegen Windmühlen. Um die Titelreife der Sachsen abzurunden, schließe ich heute mit einer Liebeserklärung an einen Goalie-Kollegen und ja, das Recht nehme ich mir trotz Karriereende mit süßen 16 Jahren raus. Danny aus den Birken ist das Paradebeispiel dafür, warum eine Karriere nicht auf dem Höhepunkt enden muss. Mit fast 98% Fangquote nach fünf Playoff-Spielen bin ich der Meinung, dass seine im Hintergrund vielleicht schon angetippte Biografie immer noch mit Highlight-Material gefüttert wird – auch wenn´s keine Olympia-Medaille am Ende des Weges gibt.
_
Erik Pannach





