Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2
Der Wetterbericht sagt für morgen 18 Grad an. Ich gebe zu, das könnte das abstoßendste Intro in der seit gefühlt Jahrzehnten existierende DEL2-Kolumne sein. Muss mir der allmächtige Wettergott jetzt ehrlich die geilste Zeit der Eishockeysaison mit seinem Pseudo-Frühling verhageln? Nicht wortwörtlich gemeint. Ich will jetzt nochmal frieren, wenn ich durch die kühle feuchte Luft Richtung Stadion gehe und danach sagen können „Uff, hoffentlich hol´ ich mir jetzt nicht den Tod“, während ich zum Auto eile. Kann doch ehrlich nicht wahr sein.

(Foto: JMD)
So brutal ist Eishockey! Selb ließ im Sommer verlauten, dass die anstehende Saison zur finanziellen Zerreißprobe wird, heute stehen sie vor einem 0:2-Serien-Rückstand. Klingt nach einer sehr einfach zu erklärenden Entwicklung und dem perfekten Anwendungsbeispiel für „da schließt sich der Kreis“, oder? Lasst es mich in den Worten des unbeliebten Streberschülers Björn der 6b im Englischunterricht sagen. „Weeeeeeeell, it´s not that clear“. Selb ist in beiden Spielen die aktivere Mannschaft, womit ich nur versuche das Wort „besser“ zu umgehen. Ihr braucht Fakten? Eins der sechs gespielten Drittel endete mit drei, eins sogar mit nur einem (!!!) Torschuss der Eisbären. Insgesamt feuerte Selb fast 35 Feuertöpfe mehr auf´s gegnerische Tor ab als Regensburg. Das sind zwar absurde Zahlen, genauso aber auch der Beweis dafür, dass Qualität auch im Jahr 2025 noch vor Quantität steht. Der Weg für Selb wird jetzt zur Besteigung des Mount Everests. Was dabei Mut macht? In dieser geisteskranken Welt stehen die Menschen selbst bei dieser in einer Schlange vor dem Gipfel. Soll heißen: schwierig, aber nicht unmöglich.
WAT? WEES? ICK? Ich hab ´ne TikTok-Idee, die ich hier einfach mal zur freien Verfügung anbieten würde. Zum einen, weil sie aufwendig klingt und zum anderen, weil mir die Überzeugung fehlt, dass sie Erfolg haben wird: Erziehungsmaßnahmen vom Sport abgeleitet. Erste Episode wären die DEL2-Playoffs mit der wertvollen Lektion „Jeder darf mitspielen, alle sind gleich viel wert“. Was sagt ihr? Gekauft? Spaß beiseite, die bisherigen Playoffs sind für jeden neutralen Zuschauer ein inneres Blumenpflücken, für jeden Fan der absolute Härtetest für die eigene Pumpe. Beide Serien stehen 1:1, brauchen am Sonntag je eine Zugabe und kosten der Wettstube von nebenan die Existenz. Nicht mal Chuck Norris „himself“ würde hier eine Prognose abgeben, wieso verlangt ihr das also Woche für Woche von uns. Wir sind doch keine Masochisten. Hätte ich ein Eishockeymagazin und würde in rund drei Wochen einen Playoff-Rückblick in die Regale bringen, wäre eins aber sicher: Der irre – absolut positiv gemeint - Hirano hat das Cover. Ich meine es ernst, ich bin Fan und jeder, der die letzte Podcast-Folge gehört hat weiß, dass ich´s nicht so mit dem Fan sein halte. Kommt sein Playoff-Trikot am Ende der Saison unter den Hammer, werde vielleicht sogar ich mal mit einem Auge über den mir sicher zu stark auswucherndem Preis schauen.
Himmel und Hölle! Da ist der erste dicke Fisch auch schon über die Ladentheke gegangen und wechselt von „Tschüß und Tschau aus Crimmitschau“ zu „Seeeeeeeeervus“. Tobias Lindberg verlässt die Eispiraten, löst den nächsten Magenschwinger im – nennen wir es – Disput zwischen der Stadt Crimmitschau und der Eispiraten GmbH aus. Ich hoffe ehrlich, dass es hier jetzt auch endlich mal zu geklärten Fronten und einer Lösung kommt. Wie auch immer. Die Vorstellung von Tor Immo und Tobias Lindberg im gleichen Trikot tröstet doch über die Trennung des Duos Smith/Lindberg hinweg. Das kann richtig geil werden. Ob die immer wieder in Unruhe stürzenden Dreihelmenstädter bereit für das Temperament des redefreudigen Schweden mit der kurzen Zündschnur ist, kann ich euch erst in einem halben Jahr beantworten. Ich halte den Transfer dennoch für gelungen und zudem ist er ein echtes Statement. Kaufst du billig, kaufst du zweimal, oder? Ich hoffe, man hört raus, dass es sich dabei um Humor handelt. Ist ein Stück Wahrheit enthalten? Klar. Aber es ist Humor.
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Erik Pannach





