Fünf Minuten wegen Meinung – DEL2
Erstmals nutze ich den Einstieg in die Kolumne direkt mal als Deeskalationszeilen für das, was gleich folgt. Liebe Huskies. Wie kommt ihr darauf, wir könnten auch nur das Geringste gegen euch haben? Wir sind doch nur so hart zu euch, weil wir euch den großen Coup so sehr gönnen würden. Wir sind der Vater, der Sonntagmorgen etwas zu verbissen am Spielfeldrand steht und den 12-jährigen Sohnemann zu Höchstleistungen anschreit. Sind wir stolz darauf, wie wir das angehen? Nein! Wollen wir nur das Beste für euch? Ja, verdammt!

(Foto: JMD)
Schneesturm! Das Schlittenhundegespann gerät auch diese Saison in einen Schneesturm und wird kurz vorm Ziel von den Eislöwen verschluckt. By the way: schon wieder als Hauptrundenerster. Das ist enttäuschend! Wir müssen doch hier nichts beschönigen oder uns hinter der Ausrede einer unbesiegbaren Dresdner Mannschaft verstecken. Das waren offensichtliche Versäumnisse und leider mitunter (erneute) Fehlentscheidungen den Kader betreffend. Wer einen Beweis braucht, ertappt sich vielleicht selbst beim lauten Aussprechen der „aber Tristan Keck und Hunter Garlent haben gefehlt“-Ausrede. Ja! Haben sie! Vielleicht wäre es mit ihnen sogar tatsächlich anders ausgegangen – was ich nicht glaube -, aber das sind doch keine passenden Aussagen für den immer noch als DEL2-Aushängeschild bekannten Standort Kassel. Es wurde in den entscheidenden Momenten auf die falschen Pferde gesetzt, was auch das Ergebnis von Woodcroft auf dem Leistungsprüfstand eintrüben dürfte. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass den Verantwortlichen die Schwachstellen des Kaders nicht aufgefallen sind und diese deswegen nicht spätestens zur Weihnachtszeit abgestellt wurden.
Das bringt Würze rein? Kassel und Krefeld sitzen also an den Flughäfen und warten aufs Boarding in die Heimat oder den Urlaub. Ravensburg und Dresden hingegen bekommen den ganz großen Showdown und wir damit die erneute Frage, ob es am Ende dieser Saison überhaupt zu einem Auf- und Absteiger kommt. Eins vorweg: Sollten die Towerstars am Ende den Titel holen, bin ich für die nächste Sommerdebatte über Lockerungen der Aufstiegs-Anforderungen. Es muss gelingen, dass mehr als die Hälfte der DEL2-Clubs einen Ausflug ins Oberhaus stemmen können. Ich schiebe es gleich in den Worten meines ersten Chefs hinterher: „Jetzt nicht sagen, warum es nicht geht. Sagen, wie es gehen könnte. Das brauchen wir hier“. Nun aber zum Wesentlichen. Dass sich nun ein PENNY DEL-Bewerber und die plündernden Playoff-Gangster aus Ravensburg gegenüberstehen werden, bringt doch auch nochmal richtig Pfeffer in die Nummer. Dresden könnte direkt im ersten Jahr des offensiv ausgesprochenen Großangriffes aufsteigen, Ravensburg – schon wieder – als Mittelfinger Eishockeydeutschlands glänzen. Beide Ausgänge fände ich äußerst reizvoll, auch wenn mich eine erneute Regularien-Rettung des Erstliga-Absteigers nerven würde.
Erfolg ist kein Glück? Was zur platten Floskel eines, wie meine Oma wohl gesagt hätte, Deutschrap-Banausen wurde, enthält mehr Tiefe als ein an Trypophobie – googelt bitte selbst - leidender Mensch ertragen könnte. Elf Teams basteln bereits am Kader der neuen Saison und eins haben diese hoffentlich alle gelernt: Große Namen als Hauptzutat des Erfolgs anzusehen ist sowas von 2018 und gegenwärtig in vielen Fällen nur in Bezug auf Trikotverkäufe vor Saisonstart ratsam. Nicht falsch verstehen. Ein Daniel Weiß oder Marcel Müller haben schon noch abgeliefert. Über einen David Wolf, Yannic Seidenberg oder Frank Hördler würde ich dafür in jede Diskussion mit einsteigen. Die Playoff-Rezeptur ist nicht mehr ein „POW“, „ZOOM“ und „CHING“ in den Kochtopf zu werfen und sich dann wieder zurückzulehnen. Es geht ums behutsame Umrühren und zuführen der richtigen Zutaten an den passenden Stellen – mehr denn je. Die wahren Künstler sind dabei die, denen besagte Komponenten überhaupt erst ins Auge fallen. Denen ein Abbott Girduckis, Colin Smith, Erik Karlsson oder Jonas Neffin noch weiiiiiiiit vor den statistischen Explosionen auffallen.
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Erik Pannach





