Hochkomplex
Wir sind gerade erst an „Ihr müsst die Leistungsträger halten“ vorbei und trotzdem schon bei „wieso macht ihr denn nichts? So steigen wir ab!“.

(Foto: Peter Lion / Ludwig Schirmer)
Ja, die Autobahn des Leistungssports ist schnell überquert und erlaubt in den seltensten Fällen die lästige Frage der Rückbank „Wann sind wir endlich da?“. In rund zwei Wochen ist zwar erst ein Saisonviertel in den Büchern, die Sorgenfalten auf den Stirnen so mancher Standort-Verantwortlicher sind aber bereits mit Hammer und Meißel geschlagen. Was tun? Wird der bewahrte kühle Kopf zum Verhängnis und bald als vereinsschädigend ausgelegt? Braucht es zumeist ineffektive Schnellschüsse, mit denen nahezu immer finanzielle Risiken und zukünftig enger geschnallte Gürtel mit einhergehen? Leider gibt es keine Formeln hierfür, höchstens ein paar wenige Regeln und selbst diese stauben genauso ein wie jedes überambitioniert gekaufte Buch im Regal, welches irgendwann mal gelesen werden soll.
Eins ist ganz klar: Faktoren für den verkorksten Saisonstart sind in den allerwenigsten Fällen die schlechte Arbeit des Sommers, auch wenn diese durchaus existiert. Frühe Verletzungssorgen, Neuzugänge die sich (noch) nicht einfinden, mentale Talfahrten ohne der Überzeugung den Leistungsberg erklimmen zu können, schiefgegangene Experimente, (…). Zum Verhängnis wird in jedem Fall das Verschließen der Augen und darauf hoffen, dass die Sonne hinter einer der tiefhängenden Regenwolken schon wieder hervorkommt. Hochleistungssport ist harte Arbeit, bei der schlechte Entscheidungen in der Regel gnadenlos von der Konkurrenz bestraft werden.
Zielführende Handlungen werden deswegen lange noch nicht für das Außenbild oder die Gemüter der Fans getroffen, sie sollen durch das Drehen an kleinsten Stellschrauben einen positiven Effekt bringen und nur im Notfall ein echtes Ausrufezeichen sein.
Gehen wir auf 1-2 Beispiele ein. Die Eispiraten Crimmitschau oder auch der EC Bad Nauheim haben beim Saisonstart buchstäblich in die Sche… gegriffen. Der Hauptgrund, für den beide recht wenig können, ist mit Sicherheit das frühe Verletzungspech und genau dieses bringt eine Denksportaufgabe mit. Muss so früh schon reagiert werden? Aus sportlicher Sicht neigt man zum sofortigen „NA KLAR“, doch so darf ein guter Entscheidungsträger nur an Ausnahmestandorten denken.
- Wie lang fallen die Leistungsträger aus?
=> Können diese schnell auf ihr Leistungsniveau zurückkommen?
- Was passiert nach Rückkehr im Kader? Überbesetzung und dadurch Unruhe?
- Bekomme ich echte Verstärkungen auf Zeit? Was kosten mich diese?
=> Welche finanziellen Auswirkungen bedeutet das für die Zukunft?
Beantwortet diesen kleinen Auszug an Fragen gern einmal für euch selbst und beobachtet zu welcher Entscheidung ihr kommen würdet. Die ersten Fragen sollten also sein, wie die Eispiraten die Siegermentalität zurück ins Team bekommen, ohne dabei Zeit zu verlieren und wann es an der Zeit ist, die Kaderkapazität voll auszuschöpfen. In Bad Nauheim, ob das Spielsystem von Adam Mitchell Erfolgsaussichten hat und ob Zeit bleibt, diesem Zeit zu geben ohne die eigene Existenz zu riskieren.
Wir enden an einem Punkt, an dem es keine Antworten auf unzählige Fragen gibt. Fühlt sich ein bisschen an wie die Politik hierzulande, aber diese Schatulle machen wir jetzt nicht auch noch auf. Handeln? Warten? Später handeln? Wenn eh, worauf dann warten? Wir werden in wenigen Wochen darüber richten, ob die im Keller befindlichen Clubs bald die „Cancel“-Schelle oder einen „Stark-durch-den-Sturm-geführt“-Streichler bekommen. Das Schöne am Sport ist und bleibt, dass wir in jedem Fall ausreichend Fleisch zum Diskutieren finden werden.
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Erik Pannach





