No Scotland no party

Draußen gefühlte 40 Grad und ich ging bei dieser Temperatur meiner Lieblingsbeschäftigung nach: Eishockey. Ich durfte dieses Wochenende in Kaufbeuren beim „Warriors Cup“ vor Ort sein. 

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Es waren vier Teams aus vier Ländern dabei. Die erste Partie des Tages: Glasgow Clan gegen den EC Red Bull Salzburg. Die Schotten hatten einige Anhänger dabei, die in ihren lilafarbenen Jerseys ins Auge stachen. Als der Hallen-DJ dann vor dem Spiel noch „No Scotland no party“ spielte, fingen sie Feuer und freuten sich. Die Stimmung war ausgelassen und es ertönte Blasmusik aus den Boxen. Als die Kamera einen Fan von Glasgow erwischte, leerte er unter tobendem Applaus sein Bier in einem Zug (an dieser Stelle: NICHT NACHMACHEN!).

Irgendwie gab es in dieser Pre Season bislang nie ein großes Abtasten, so auch heute nicht. Es waren noch keine zwei Minuten gespielt, schon gab es die erste Strafe gegen Glasgow, doch Salzburg tat sich zunächst schwer, das Powerplay aufzuziehen. Glasgow agierte sehr aggressiv. Gegen Ende des Powerplays ergaben sich noch zwei Großchancen für die Mannen von Oliver David. Kaum waren die Schotten wieder vollzählig, wurde es ruppig: Zwei harte Checks innerhalb von wenigen Sekunden ließen erahnen, was man von dem heutigen Spiel noch erwarten konnte. Bitter für die Salzburger war das Fehlen von Paul Stapelfeldt und Mario Huber, da diese Salzburg vor allem körperlich sehr gut getan hätten. Salzburg ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken, spielte seinen Stiefel runter und kam entsprechend zum vermeintlichen Führungstreffer, der vom Videobeweis allerdings als nichtig erklärt wurde, da der Puck nicht vollständig die Linie überquerte. Glasgow kam zur Mitte des ersten Drittels ebenfalls im Powerplay zum Zug und erspielte sich gute Chancen, doch Tolvanen ließ nichts zu. Kurz vor Ende des ersten Drittels nutzte Salzburg sein zweites Powerplay nach nur 30 Sekunden und ging damit in Führung. Torschütze war Dennis Robertson auf Zuspiel von Peter Hochkofler.

Glasgow kam gut aus der Pause und sorgte für etwas mehr Musik vor Atte Tolvanen, doch der gut aufgelegte Finne parierte den ein oder anderen Schuss. Bei einem Breakaway musste Nikolaus Kraus die Notbremse ziehen und wanderte entsprechend für zwei Minuten auf die Strafbank. Doch selbst in Unterzahl zeigten die Roten Bullen aus der Mozartstadt ihre Überlegenheit und hielten den Puck einige Zeit im gegnerischen Drittel, generierten sogar einen Alleingang auf den Goalie. Salzburg war die überlegenere Mannschaft, ließ jedoch zu viele Konter zu, sodass es dazu kam, dass der Ex-Landshuter Tyson McLellan einnetzen konnte. Das Spiel war damit wieder ausgeglichen und Glasgow nahm den Schwung vom Ausgleich mit. Es kam zu einer kleinen Auseinandersetzung zwischen Lewington und McLellan, die ohne Strafminuten blieb. Glasgow wollte nicht mit einem Unentschieden in die Pause und so erhöhte Liam Finlay auf 2:1 für die Schotten.

Im letzten Drittel waren keine 20 Sekunden gespielt und schon gab es Strafen gegen beide Teams. Die eine Strafe war sehr offensichtlich - über die andere kann man streiten. Beide Teams erspielten sich bei Vier-gegen-vier gute Chancen, doch Endstation waren die starken Torhüter. Glasgow erhöhte den Druck im Schlussabschnitt, doch die Roten Bullen blieben davon unbeeindruckt und hielten stark dagegen. Auffällig war Leon Kolarik, der erst 16 Jahre alt ist. Der junge Österreicher wird in Zukunft sicher viel Spaß machen und auf lange Sicht eine Bereicherung für die österreichische Nationalmannschaft sein. Im Schlussabschnitt sorgte der Goalie von Glasgow, Landon Bow, noch einmal für Raunen auf den Rängen. Er wollte die Scheibe klären und spielte sie fast direkt auf das Blatt des angreifenden Salzburger Stürmers, doch sein Experiment ging noch einmal gut. Salzburg kam gegen Ende des Drittels noch einmal die Möglichkeit in Überzahl zu agieren und Comebacker Thomas Raffl konnte dies auch in Zählbares ummünzen. Somit ging es wieder bei null los für beide Teams. Beide Teams bearbeiteten sich sehr hart und irgendwann war auch der Geduldsfaden der Schiedsrichter zu Ende. So kam es 2:18 vor Ende noch einmal zu einem Powerplay. In der Overtime unterlief Landon Bow wieder ein Fehler und es kam wie es kommen musste: Salzburg netzte ins verwaiste Tor ein. Damit stehen die Red Bulls im Finale des Warrior Cups. Bester Spieler auf Seiten Glasgows war Tyson Mclellan und bei Salzburg Peter Hochkofler.

Im Abendspiel traf der ESVK auf Jokerit Helsinki. Ein Spiel, auf das sich viele Fans freuten. Jokerit hatte auch einige Fans dabei, die sich vor dem Spiel schon fleißig eingesungen hatten. Spannend an der Mannschaft aus Helsinki ist der Altersdurchschnitt von gerade mal 23,82 Jahren. Nach nichtmal zwei Minuten gab es eine kleine Strafe gegen die Hausherren aufgrund von zu vielen Spielern auf dem Eis. Alexander Forslund war nach nur 35 Sekunden in Überzahl der Torschütze – er sollte an diesem Abend noch vier Scorerpunkte drauflegen. In der vierten Spielminute erhöhten die Gäste dann auf 2:0. Der ESVK hielt aber gut dagegen und konnte in der zwölften Spielminute den Anschluss erzielen. Alex Thiel war der Torschütze für die Rot-Gelben.

Der zweite Spielabschnitt begann für die Hausherren noch in Unterzahl, da Quirin Bader eine Strafe aus dem ersten Drittel absitzen musste. Kaum war Kaufbeuren wieder komplett, baute Jokerit seine Führung mit einem sehenswerten Treffer durch Forslund aus und stellte den alten Abstand wieder her. So ging das Drittel rauf und runter. Es war geprägt von vielen Strafminuten und Kaufbeuren konnte dann ein Powerplay zum Anschluss nutzen. Yaremko, der heute schon allein durch seine Physis aufgefallen war, erzielte den Treffer zum Anschluss.

Auch im letzten Drittel erwischte Jokerit wieder den besseren Start und baute die Führung auf 4:2 aus. Doch der Schlusspunkt war noch nicht gesetzt. In der 51. Spielminute erhöhte Salonen auf 5:2 aus Sicht der Gäste, was den mitgereisten Fans aus Helsinki ordentlich die Laune versüßte. Man muss allgemein sagen, dass die mitgereisten Fans für gute Stimmung auf den Rängen sorgten. Die Schiedsrichter hatten keinen einfachen Abend, da sie oftmals kleinlich pfiffen und dann wieder grobe Fouls nicht ahndeten. Kaufbeuren drehte aber noch einmal auf. In der 56. Spielminute erzielte Laaksonen im Powerplay den Anschluss. Es wurde noch einmal spannend für die Fans vor Ort. Kaufbeuren ging All-In und zog den Goalie ca. 3:30 Minuten vor Ende. Für die Mannschaft von Daniel Jun blieb dies allerdings ohne Erfolg, Jokerit erzielte ein Empty-Net-Goal und erhöhte damit zum 6:3-Endstand. Das Endspiel lautet: EC Red Bull Salzburg gegen Jokerit Helsinki und im Spiel um Platz drei trifft der ESVK auf den Glasgow Clan – ein Spiel, das viel Physis versprechen wird.
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Moritz Mühlbauer