Community-Blog: Rolle und Bedeutung der Goaliegespanne in der DEL2
Treuen Eisblog-Fans und UFF!-Hörern steht spätestens jetzt eine ganz besondere Phase ins Haus: der Saisonendspurt. Grund genug, mal genauer auf eine Thematik zu schauen, welche meiner Meinung nach zu jedem anderem Zeitpunkt Beachtung verdient hätte, jetzt aber auf so mancher Eisfläche mehr im Rampenlicht steht als zuvor: die Goaliegespanne der DEL2 im Hinblick auf die aktuelle sportliche Situation der jeweiligen Standorte!

(Foto: JMD)
Ok, viele hätten jetzt vielleicht mehr Schlagzeile oder Kontroverse erwartet, doch gerade in der DEL2 zeigt sich an dieser Position, wie unfassbar unvorhersehbar eine Saison laufen kann und wie schnell selbst die umsichtigste Saisonplanung auf den ersten Blick diskussionswürdig erscheint. Und eines vorweg: Zu Jonas Stettmer ist ohnehin bereits alles gesagt. Diesen Teufelskerl noch als DEL2-Goalie zu diffamieren, bringe ich nicht übers Herz.
Von 14 DEL2-Klubs lassen sich nur wenige aufgrund ihrer Goalie-Situation pauschalisieren. Dresden meint es wirklich ernst und versucht (durchaus mit Erfolg) mittels gesunder Rivalität das Beste aus Danny aus den Birken und Schwendener zu kitzeln. Nicht wenige sahen genau dieses Konfliktpotential im Eislöwengehäuse als einen der einzigen Stolpersteine Dresdens nach Wolfsburg, Ingolstadt und Mannheim statt Weißwasser und Freiburg. Deswegen ganz klar: Hätte auch schiefgehen können. Letzteres gilt auch für Weiden. Bereits mit Allavena in der Verlosung war das Duett mit Wölfl zurecht kritisch beäugt worden. Nach rund 40 Spieltagen strafen nun Wölfl/Noack alle Zweifler lügen und beweisen ihre Qualifikation im Haifischbecken DEL2. Doch gerade für diese beiden Standorte steht die Goalie-Situation sinnbildlich für die formulierten Saisonziele und könnte durch den ein oder anderen Fehlgriff zuviel dem wirtschaftlichen „Hosen runter!“ auch den sportlichen Knock-Out hinzufügen.
Und um zu den Schlagzeilen zu kommen: Die kann ich mir in Kaufbeuren und Krefeld nämlich jetzt schon vorstellen, sollte der Einbruch ihrer Starting-Goalies in den Monaten Februar und März kommen. Oder die Podcast-Themen in UFF! (vermutlich in den Folgen 137-144). Es stellt sich in Rosenheim und Landshut die Frage, für wie realistisch der Aufstieg standortintern wirklich gehalten wird. In Krefeld wird er offen kommuniziert. Schafft Krefeld die Rückkehr ins Oberhaus, wird es vermutlich auch an Bick hängen. In Kaufbeuren hat Fießinger nach gutem Start richtig schwer zu kämpfen. Auch wenn den Jokern von der Wertach nur noch wenige Schritte zum Klassenerhalt fehlen; in bis vor kurzem noch immer realistischer werdenden Playdowns könnte es mit einem derart beanspruchten Fießinger im (Aus-)Fall schnell richtig bitter werden, falls zu fehlendem Scheibenglück dann auch noch (Verletzungs-)Pech dazukommt.
In Rosenheim könnte sich die Entscheidung, Autio praktisch jeden Start zu geben, bereits rächen, ganz gleich wie schlimm es wirklich ist und wie lange er ausfallen sollte. Das Beeindruckendste an Autio ist nicht die Fangquote oder sein Spiel. Sondern die Tatsache, dass er dies alles ohne Pause zeigt. Die Kehrseite der Medaille ist die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Flaute oder gar Verletzung des Starters. Zusätzlich wollen wir doch alle auch die jungen BackUps als Zukunft des deutschen Eishockeys sehen, was bei 3-4 Einsätzen pro Saison für Patrick Mühlberger schwierig werden dürfte. Für Rosenheim dürfte es sich trotzdem gelohnt haben: Zu praktisch keinem Zeitpunkt war der vorzeitige Klassenerhalt in Gefahr. Sicherlich auch dank eines bullenstarken Stammtorhüters.
Auch in Landshut und Ravensburg ist die Situation vergleichbar. Beide verfügen über klare Startergoalies mit deutschen Pässen, welche von überdurchschnittlich starken BackUp-Goalies oft genug entlastet werden um nicht in den roten Bereich zu kommen. Überspielt sind Langmann und Sharipov sicherlich nicht. Und in beiden Vereinen würde auch eine Verletzung des Starters weniger weh tun als bei vielen anderen Teams. Dietl und Pertuch sind vielversprechende Talente, welche nur die knapp bemessene Spielzeit daran hindert, ihr volles Potential zu erkennen und auszuschöpfen. Unwahrscheinlich, dass die Verantwortlichen Bauchschmerzen hinsichtlich ihrer Goalies und einer möglichen Verletzung Richtung Saisonendspurt/Playoffs haben.
Je weiter man die Tabelle „down south“ wandert, desto mehr Brisanz und Fahrt nimmt auch das Thema Goalie auf. Gemäß dem Motto „nur ja keine Schwächephase in der entscheidenden Saisonphase“ operieren hier die Vereine mit tendenziell glühend heißem Skalpell. In Regensburg überzeugte das Duett Laurikainen/Neffin noch als einziger Mannschaftsteil über die volle Saison mit nötiger Konstanz. Den Blessuren des Finnen zum Trotz (oder besser Dank) konnte Jonas Neffin das Vertrauen rechtfertigen. Auch er hätte eine Chance als Starter ab September 2025 verdient. Bezeichnend, dass nun gerade er und sein skandinavischer Partner in Crime angeschlagen Platz für Roy/Saffran machen müssen, war doch die Spielauslastung gut verteilt worden. Auch in Selb und Weißwasser weiß man um den Wert ihrer Fachkräfte mit berufsbedingtem Migrationshintergrund zwischen Netz und Gestänge und geht das kleinere Übel „Kontistelle im Kasten“ sehenden Auges im Feldspieler-Hinblick auf immer noch verdammt gute Saisonplanung mit guten Einbürgerungen (Weißwasser) und mehreren nachverpflichteten Silvesterraketen, die auch Ende Januar noch scheppern (Selb) ein. Ähnlich wie in Selb auf Kevin Carr liegt in Westsachsen viel Augenmerk auf Oleg Shilin oder besser gesagt seinem Gesundheitszustand. Auch Christian Schneider und u.U. auch Florian Mnich haben inmitten ihrer, ihnen in dieser Liga zugedachten Rolle an Deck des Piratenschiffes Sahnpark schon so manchem Kritiker ihre Seetauglichkeit bei hohem Wellengang bewiesen. Und doch weiß jeder echte Seemann: Ist Shilin fit, zählt er zu den besten Goalies der Liga, doch leider wird der Russe mit deutschem Pass auch im zweiten Eispiraten-Jahr nicht viel mehr als 30 Hauptrundenspiele machen.
Während Nauheim vermutlich schlicht und ergreifend einen holprigen Saisonstart erwischt hatte und Jerry Kuhn ähnlich wie der gesamte Standort erst jetzt zeigt, was in ihm steckt, droht sich in Freiburg herauszukristallisieren, was die meisten schon seit Jahren wissen: Patrik Cerveny passt wunderbar zum EHC Freiburg. Der Goalie und sein Standort haben beide über die Jahre hinweg gezeigt, dass sie gut genug für diese Liga sind, was in Anbetracht von Möglichkeiten des Standortes und konkurrierenden Schlussmännern aller Ehren wert ist und doch würde man beide erneut nicht in Kategorien wie „Torwart des Jahres“ oder „Überraschungsmannschaft des Jahres“ eingliedern. Doch den wohl größten Hut hat man vor beiden Standorten deswegen zu ziehen, weil neben den besten Pferden auch die Gäule aus der Wetterau und dem Breisgau nur so hoch springen, wie sie müssen und das wäre auch Ende Februar 2025 erstmal „nur“ Platz 10. Interessant wird es im Februar allemal, gerade weil sich beide Teams tabellarisch annähern und in einem heftigen Wettkuscheln in der immer enger werdenden Telefonzelle „Tabellenregion um Platz 10 in der DEL2“ auf Tuchfühlung gehen.
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Mario Landsmann (Community-Mitglied)





