Tag zwei des Warrior Cups in Kaufbeuren

Das erste Spiel des Tages gehörte den Hausherren, die gegen Glasgow antreten mussten. Von Anfang an war klar, dass es eine spannende Partie wird, da bei Glasgow ein gewisser Tyson McLellan unter Vertrag steht, der in Kaufbeuren aufgrund seiner Landshuter Vergangenheit besonders beliebt ist.

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(Foto: ESVK)

In den Anfangsminuten tasteten sich die Teams überraschenderweise nur ab und es war nicht so physisch wie erwartet. Daniel Fießinger machte von Anfang an einen sehr wachen Eindruck und entschärfte einige gute Chancen der Gäste. Das Kaufbeurer Powerplay war schon gestern sehr stark. Auch heute nutzten die Hausherren prompt die erste Überzahlchance. In der achten Spielminute gingen sie durch Blomqvist, nach Vorlagen von Watson und Sanford, in Führung. Während ich noch das Video vom ersten Tor abschickte, fiel bereits das zweite Tor für den ESVK: Youngster Nifosi erhöhte in derselben Spielminute auf 2:0, sehr zur Freude der Kaufbeurer Fans. Doch was die Joker konnten, konnte Glasgow auch. In der neunten Spielminute kam der Anschluss durch Cole Ully. Was für ein Start ins Spiel! Kaufbeuren ließ sich jedoch nicht schocken und blieb seiner Linie treu. So kam Blomqvist mit der Vorarbeit von Oswald und Laaksonen zu seinem zweiten Treffer im ersten Drittel. Während die Durchsage ertönte, dass die letzte Spielminute des ersten Drittels beginnt, fiel das vermeintliche 4:1 für die Joker. Die Schiedsrichter überprüften den Treffer per Videobeweis, konnten ihn aber nicht verifizieren, sodass die "on ice"-Entscheidung bestehen blieb: Tor für die Schwaben. Torschütze war Koziol mit der Vorarbeit von Jamal Watson und Föderlizenzspieler Quirin Bader.

Glasgow durfte im Mittelabschnitt in Überzahl starten, doch der starke Rückhalt der Kaufbeurer ließ nichts zu. Bemerkenswert war, dass Glasgow ein ganz anderes Gesicht zeigte als noch in der Partie gegen Salzburg. Die Schotten spielten kaum physisch und es gab extrem wenige Checks. Das zweite Powerplay nutzte Glasgow allerdings zum Anschluss: In der 26. Spielminute schoss Steven Seigo auf Höhe des Bullykreises und konnte Fießinger überwinden. Je länger das Drittel dauerte, desto besser kam Glasgow ins Spiel und erzielte in der 30. Spielminute den erneuten Anschluss. Bitter aus Sicht der Kaufbeurer war, dass kurz zuvor eine Strafe hätte ausgesprochen werden können. Dieser erneute Anschluss beflügelte die Schotten, die sich im Kaufbeurer Drittel festsetzten und dem Goalie der Joker einiges an Arbeit bescherten. So schnell musste ich meine Aussage bezüglich der Physis zurücknehmen: Ab der Mitte des zweiten Drittels legte Glasgow den Schalter um und es gab wieder einige härtere Zweikämpfe. Der Kaufbeurer Kapitän Simon Schütz musste dann für zwei Minuten in die Kühlbox. Kaufbeuren killte diese Strafe zunächst sehr stark, doch dann kam ein Gegenstoß und in der 35. Minute konnte Mitchell Heard den Ausgleich erzielen. Neuzugang Kharboutli erzielte in der 40. Spielminute die erneute Führung für die Joker, die somit zumindest mit einem Vorsprung in die zweite Pause gehen konnten.

Das letzte Drittel war von Härte geprägt. Nach einem Zweikampf verlor Yaremko seinen Helm und konnte damit nicht mehr am Spiel teilnehmen. Just in diesem Moment erzielte Glasgow den erneuten Ausgleich. Das Kaufbeurer Publikum reagierte entsprechend und feuerte sein Team an, um die Führung wieder zu erzielen. Sehr zur Freude der Fans in der Halle sorgte das Maskottchen von Glasgow für gute Laune, indem es im Block der Schotten mit den Fans tanzte. Von den eigenen Fans gepusht drückte Glasgow weiter und ging in der 54. Spielminute erstmals in Führung. Liam Finlay zog im Powerplay ab und Daniel Fießinger musste hinter sich greifen. Kaufbeuren warf nochmal alles rein und erzielte mit Ablauf der Uhr einen Treffer, der allerdings nicht gegeben wurde da der Puck erst nach Ablauf der Zeit die Linie überquerte. Herzlichen Glückwunsch an Glasgow, die gestern sogar ein Public Viewing des Spiels organisiert hatten.

Um 18 Uhr begann das Finale des Turniers zwischen dem EC Red Bull Salzburg und Jokerit Helsinki. Auf Seiten Salzburgs pausierte Kapitän Raffl, dafür kam Genoway zum Einsatz und trug das "C" auf der Brust. Jokerit startete stark ins Spiel, doch Salzburg konnte sich mit einem Eins-auf-null befreien, wobei Krening die größte Chance der Anfangsminuten vergab. Für Jokerit bot sich dann eine Großchance, als sie mehr als eine halbe Minute bei 5 gegen 3 agieren konnten, doch diese Überzahl konnten die Mozartstädter erfolgreich überstehen. Andrew Rowe und seine PK-Partner waren sogar so frech, dass sie die Scheibe für einige Momente im Drittel von Jokerit hielten. Für Salzburg waren heute zwei Gitterspieler im Einsatz: Leon Kolarik und Fabian Baumann. Das Spiel ging hin und her, und es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis irgendwo ein Tor fällt. Beide Goalies waren jedoch dagegen, sodass man mit 0:0 in die Drittelpause ging.

Das zweite Drittel war brutal schnell. Beide Teams hatten richtig Lust, in Führung zu gehen und ihre Fans jubeln zu lassen. Die bislang beste Chance im zweiten Drittel hatten die Finnen: Ein Salzburger hatte seinen Schläger verloren wodurch ein Mann ungedeckt war, der per Onetimer Atte Tolvanen testete – erfolgreich, aber nur für den Goalie. Im anschließenden Powerplay feuerte Jokerit aus allen Rohren auf ihren Landsmann, doch Tolvanen konnte abermals nicht überwunden werden. Bei Vier-gegen-vier wurde dann der Bann endlich gebrochen und Tolvanen musste sich geschlagen geben. Im Anschluss an das Tor fand ein Goalie-Wechsel statt, der wohl vorab abgesprochen war, da es in der 30. Spielminute geschah. Torschütze war Saku Forsblom, der insgesamt eine gute Partie spielte. Der frisch eingewechselte Pfarrmaier bekam dann gleich etwas Arbeit und bei angezeigter Strafe baute Jokerit die Führung aus. Diesmal war Haakana der Torschütze. Je länger die Partie dauerte, desto härter wurde sie - ähnlich wie die vorherigen Spiele. Jokerit drehte ab diesem Zeitpunkt richtig auf und Leevi Lemberg erhöhte auf 3:0. Dass die Schiedsrichter wahrlich keinen Sahnetag hatten, zeigte sich, als es zu einem Faustkampf kam. Bei nächster Gelegenheit gerieten sofort wieder zwei Spieler aneinander. Es wurde von Minute zu Minute unschöner und es gab immer mehr Stockschläge und Crosschecks. Spannend war es 2,5 Sekunden vor Drittelende als Salzburg den Goalie zugunsten eines sechsten Feldspielers für ein Setplay herausnahm.

Im letzten Spielabschnitt gab es schnell die erste Strafe: Jimi Jalonen, der aktuell per Tryout in Helsinki ist, musste für 2+2 Minuten wegen hohen Stocks raus. Die roten Bullen, beflügelt vom Pausentee, feuerten aus allen Rohren auf Henri Risikko. Entweder hatte der Finne die Schüsse sicher oder das Gestänge unterstützte ihn. So blieb Jokerit die ganzen vier Minuten in Unterzahl unbeschadet, was die Fans von Jokerit sehr glücklich machte. Die Fans von Jokerit wurden von den Fans von Glasgow, die noch größtenteils vor Ort waren, unterstützt und zusammen feierten sie den geilsten Sport der Welt. Jokerit gelang an diesem Sonntagabend einfach alles, und entsprechend überstanden sie auch die nächste Strafe. In den letzten fünf Spielminuten erzielte Lemberg humorlos das 4:0 und ließ Pfarrmaier keine Chance. Das 5:0 durch einen Penalty feierten die finnischen Fans als wäre es das 1:0 gewesen – die Jungs und Mädels hatten einfach eine großartige Zeit an diesem Wochenende in Kaufbeuren. Jokerit wurde verdienter Sieger des Turniers und zum Spieler des Spiels wurde auf Seiten Helsinkis Levi Lemberg gewählt, während bei den Red Bulls Phillip Krening die Auszeichnung erhielt. Damit geht ein schönes Turnier zu Ende und wir sind eine Woche näher am Saisonbeginn in der PENNY DEL, DEL 2 und ICEHL.
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Moritz Mühlbauer