What´s up, Heilbronn?
Vermutlich der schmerzhafteste Blog unserer Saisonrückausblick-Rubrik. Die Heilbronner Falken sind der überraschendste Absteiger aus dem deutschen Profi-Eishockey und müssen den Weg in die Oberliga Süd antreten. Die ersten Signale stehen aber auf „Wiedergeburt“.

(Foto: JMD Photographie)
Das Positive: Neuanfang!
In Heilbronn war man in den vergangenen Jahren durchaus abhängig von der Partnerschaft mit den Adlern Mannheim. Diese werden nun allen Anzeichen nach mit Bietigheim kooperieren. So ist die Kooperation nach dem Abstieg – über die Zwischenstation Steelers – zwar nicht ausgeschlossen, wird aber bei weitem nicht so stark gelebt werden. Das ist eine Chance für die Falken, ein eigenes Gerüst aufzubauen, vielleicht auch dem eigenen Nachwuchs oder den Jungs aus der zweiten Mannschaft eine Chance zu geben.
Unwort des Jahres: Dreck!
Ja, liebe schwarz angezogenen Freunde im Fanblock: Das war ein Eigentor. Mit dem Banner „Ein Absteiger aus BW Reicht. Bayreuth, Crimme und Selb sind der größte Dreck der Welt“ begrüßte man die Teams am 24. Februar. Die Folge nach dem Abstieg war berechtigte Häme gegenüber diesem Teil der Fans in den Kommentarspalten auf allen Social-Media-Kanälen der Falken. Nicht sonderlich weitsichtig.
Der Rückblick: Bruchlandung!
Puh! Was soll man noch groß schreiben? Letzte Saison noch im Halbfinale, stand Heilbronn auf dem Zettel mancher sogar hinter dem Wort „Überraschungsteam“ für die Saison 2022/23. Der Kader veränderte sich nicht gravierend, doch die Mannschaft zeigte ein komplett anderes Gesicht. Die Defensive ein Hühnerhaufen, die Kontingentspieler nur in der Hauptrunde auf dem Eis. Dazu eine Trainer-Fluktuation, wie sie kein anderer deutscher Profi-Standorte erlebte. Gegen Ende gab sich das Team komplett auf und holte so sogar die Tigers aus der Asche.
Der Blick nach vorne: Achtung!
Die Oberliga ist ein gottverdammtes Haifischbecken geworden. Die Top-Vereine zahlen ihren Top-Spielern Gehälter, bei denen manch DEL2-Ligist einen Kredit aufnehmen müssten. So geht die Schere immer weiter auseinander. Wie schwer der Abstieg auch sportlich sein kann, zeigte Bad Tölz als Zehnter (von 13 Teams) in der Süd-Staffel. Genau in eben jener werden auch die Falken kommende Saison antreten.
Das Team 23/24: vielversprechend!
Heilbronn braucht eine neue Identität. Der junge Geschäftsführer Marco Merz hatte eine schwierige Situation in seiner ersten Station im Sportbereich zu meistern. Dies gelang nicht immer vollends, nun hat Merz aber die Chance, neue Falken aufzubauen – und auch das hat seinen Reiz. Leistungsträger wie Tonge, Fischer oder Williams werden kommende Saison nicht mehr auf dem Heilbronner Eis zu sehen sein. Doch die Falken konnten schon einige wichtige Schritte in die richtige Richtung setzen. Robin Just, Corey Mapes und Freddy Cabana bringen die Erfahrung. Die Wernerson-Libäck-Brüder aus Duisburg und Sam Verelst vom SC Riessersee spielerische Klasse. Jaja, ist noch nicht fix, aber verdichtet sich schon deutlich.
Die Zielsetzung: Top sechs!
Mag etwas tief gegriffen klingen für einen Absteiger, aber ich hebe den warnenden Finger: Die Oberliga Süd ist in der Spitze verdammt stark geworden. Ich bin davon überzeugt, dass Heilbronn eine schlagkräftige Truppe aufstellen wird. Doch mit Weiden oder Rosenheim, Deggendorf, (Erding?), Riessersee, Höchstadt, Memmingen, Peiting, Bad Tölz und Höchstadt finden sich in der finanzkräftigeren Hälfte der Tabelle Clubs, die den Falken das Leben schwer machen werden. Demnach lieber Talente einbinden, entwickeln und einen langfristigen Plan ins Leben rufen. Die Flügel sind noch da, müssen aber entstaubt werden. Lasst die Falken wieder fliegen.
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Simon Rentel





